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Unmade Beds
Unmade Beds
© Kool Filmdistribution

Kritik: London Nights (2009)


In wie vielen Betten habe ich in meinem Leben schon geschlafen? Diese Frage stellt sich der junge Spanier Axl zu Beginn des Films. Als Kind ist er mit seiner Mutter viel umhergestreift, seit er erwachsen ist, lässt er sich treiben. Manchmal wacht er in einer fremden Wohnung, einem fremden Bett auf – und hat seine Erlebnisse der letzten Nacht vergessen, weil er zu viel getrunken hat. Nach London ist Axl gekommen, um seinen Vater kennenzulernen. Auch an ihn hat er keine Erinnerungen mehr, nun will er ihn aber finden. Auf seinen Streifzügen durch fremde Betten lernt er den Künstler Mike kennen, der ihm einen Schlafplatz in einem besetzen Haus anbietet. Hier ist auch Vera, die zweite Protagonistin des Films, gestrandet. Ihr Leben ist nicht wie Axls vom Vergessen gekennzeichnet, sondern sie versucht, die Orientierung zu verlieren, seit sie einst mit ihrem Freund ein Labyrinth besucht hat. Während sie an jeder Ecke richtig abgebogen ist und schon nach wenigen Minuten den Ausgang gefunden hat, verbrachte er Stunden mit der Suche. Seither fragt sie sich, ob sie ihr ganzes Glück schon verbraucht habe, zumal auch ihr Freund sie verlassen hat. Also fordert sie das Schicksal heraus: Nachdem sie einen netten jungen Mann kennengelernt hat, verbringen sie Zeit miteinander, tauschen aber weder Namen noch Telefonnummern aus. Stattdessen verabreden sie einen Ort und eine ungefähre Zeit für das nächste Treffen – dreimal begegnen sie sich tatsächlich, aber das vierte Treffen geht schief. Nun hat Vera erneut Liebeskummer – wegen eines Fremden, von dem sie noch nicht einmal den Namen kennt.

Der Film von Regisseur Alexis Dos Santos ist keine Sozialstudie über junge Hedonisten im hippen Londoner East End, sondern er begleitet vielmehr scheinbar zufällig ausgewählte junge Menschen eine Zeit lang in ihrem Leben. Anfang und Ende erscheinen beliebig, als hätte Dos Santos einfach eine Strecke im Labyrinth des Lebens ausgesucht: Nachdem die Protagonisten an der nächsten Ecke abgebogen sind, gehen sie alleine weiter. Passenderweise heißt der Film im Original auch „Unmade Beds“. Hier stellt sich die Frage, warum dieser Titel nicht beibehalten wurde: er ist treffender und ebenso verständlich wie „London Nights“.

Das zufällige Treiben seiner Protagonisten fasst Dos Santos in wunderschöne Bilder, denen aber manchmal die Emotionalität und Tiefe fehlt. Dabei beweist er gerade in den mit Klischees überladenen Szenen ein gutes Gespür und schafft schmerzlich-schöne Bilder eines Sonnenuntergangs und einer Bettszene, in der Axls Verlangen nach Nähe für den Zuschauer beinahe spürbar ist. Aber in vielen anderen Szenen scheint er mehr Wert auf körnige Aufnahmen denn auf die Aussage zu legen. Untermalt werden die Bilder von einem Soundtrack, der fast wichtiger als die Dialoge ist. Die Musikstücke sind zweifellos gut ausgewählt, sie gehören zu dem Film wie Veras Moleskine-Notizbuch und ihre Polaroidkamera. Sie sollen ein Lebensgefühl ausdrücken, das die Protagonisten antreibt. Aber sie können keine Dialoge und dramaturgische Schwächen ausgleichen.

Neben der Musik verlässt sich Dos Santos vor allem auf seine Hauptdarsteller. Das funktioniert bei Déborah François als Vera und Michiel Huismann als unbekanntem Liebhaber auch recht gut, aber bei Fernando Tielve ist die Verletzlichkeit im Gesicht allzu ablesbar. Leider erschließt sich in der synchronisierten Fassung erst durch den Nachspann und die Namen der Schauspieler, dass Vera eine Französin und ihr Unbekannter ein Holländer sein sollen.

Fazit: "London Nights" ist ein streckenweiser unterhaltsamer Film über junge Menschen in London, der vor allem durch seinen Soundtrack und einige schöne Bilder unterhält.




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