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Madagascar 3: Flucht durch Europa
Madagascar 3: Flucht durch Europa
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Madagascar 3: Flucht durch Europa (2012)


Sie waren immer die heimlichen Stars des "Madagascar"-Universums: Die Pinguine Skipper, Private, Kowalski und Rico. Als sie im bereits sieben Jahre alten "Madagascar" ihre zynisch-witzigen Side-Kick Auftritte als gerissene Zoo-Ausbrecher hatten, waren alleine 6,5 Millionen Kinozuschauer in Deutschland von der Kreativität der DreamWorks-Filmschmiede begeistert. Denn obwohl die "Madagascar" Filme immer mehr in Richtung Kinderfilm tendierten, war es meist das Auftreten der vier dreisten Pinguine, die für die Unterhaltung oberhalb der FSK 6-Wertung sorgten. So gelang es, die Balance zwischen den Ansprüchen von Kindern und Erwachsenen zu halten, was für den Siegeszug an den Kinokassen sorgte. Die Entscheidung für eine Fortsetzung war entsprechend reine Formsache und auch für einen dritten Teil, der nun in 3D in die deutschen Kinos kommt, gab es mindestens 2 gute Gründe, nämlich 1.: Aller guten Dinge sind drei; und, 2.: Geld stinkt nicht. Das ungebrochen beliebte Franchise um Marty, Alex, Melman und Gloria wird auch im dritten Anlauf Erfolg an den Kasse haben - ein sicheres Unterfangen für die Geldschein wedelnden Produzenten im Hintergrund.

Das eine solche Prämisse aber nicht gleich mit einer Qualitätseinbußen einhergehen muss, beweisen die nach dem relativ belanglosen zweiten Teil weiterhin begeisterungs- und ideenfähigen kreativen Köpfe im DreamWorks-Team. Denn diesmal sind nicht nur die Situationskomik und die Verfolgungsjagden sehenswert, sondern auch die sehr gut eingesetzte 3D-Technik. Den drei federführenden Animationstechnikern Eric Darnell, Tom McGrath und Conrad Vernon im dritten Teil wieder den Ausgleich zwischen kindlichem Anspruch und erwachsen-tauglichem Humor herzustellen - und dies nicht nur dank der vier Pinguine, die auch in "Flucht durch Europa" mit an Bord sind und den eigentlichen Hauptfiguren immer wieder mit ihrem unverschämtem, aber aberwitzigen Charme den Schneid abkaufen.
Besonders bemerkenswert gelingt dieses schwierige Unterfangen, wenn beide Zielgruppen in ein und derselben Szene angesprochen werden sollen, denn dies benötigt nicht nur viel Cleverness und Geschick, sondern auch einen ausgeklügelten Masterplan, wie der Humor in "Madagascar 3" funktionieren soll. In dieser Hinsicht zeigen sich auch die Drehbuchautoren hinter den Computerbildschirmen deutlich kreativer, als es zum Beispiel das Team um "Der Lorax" war.

Insbesondere die namenlose Wilderin, die mit französischem Akzent und ruheloser Brutalität um jeden Preis einen Löwenkopf erjagen will, steigt zum Sinnbild für den zweigleisigen Humor auf und vermag es so beinahe zum heimlichen Star des Films empor zu steigen.
Während die Jägerin durch ihr maschinelles Auftreten einer Hommage an den T-1000 aus "Terminator 2" gleichkommt und damit das erwachsene Publikum für sich gewinnt, werden Kinder m Highspeed-Slapstick Spaß haben, wenn die französische Wilderin Betonwände durchbricht, mit dem Moped fliegt und Bananengeschossen im besten"Matrix" Stil in Zeitlupe ausweichen kann. Kombiniert mit schwindelerregenden 3D-Effekten, die unzählige Male dem Zuschauer Raketen, Bananen und sonstigen Gegenstände um die Ohren fliegen lässt, gelingt dem "Madagascar"-Team ein fulminanter Auftakt, der die mittelmäßige Unterhaltung aus dem zweiten Teil vergessen macht. Sogar kleine zynische Kommentare in Richtung "europäische Schuldenkrise" lassen sich die Macher nicht nehmen, wenn die ausgebrochenen Tiere in Frankreich notlanden und einer der Pinguine feststellen muss, dass die rechtliche Situation in Europa deutlich Arbeitnehmerfreundlicher als in den USA ist. Für wirklich alles ist gesorgt. Sogar für einen "Rettungsschirm".

Nach dem sehr unterhaltsamen Auftakt kommt es anschließend allerdings zu einem Bruch in der Handlung, der nur noch schwerlich aufzufangen ist. Der Schwerpunkt wird nun auf die Vermittlung von Werten wie Ehrlichkeit und Familie gelegt, ohne dass die Animation damit wirklich glänzen könnte - zu plakativ und konventionell wird die Geschichte mit Moral angereichert. Verpackt in akrobatisches Spektakel und groß angewendete 3D-Effekten verliert der Film s0 an Fahrt und knüpft damit wieder an den Schwächen des zweiten Teils an.
Kindgerecht darf es gerne hergehen, aber wenn es am Ende nur noch um das Überbieten der eigenen 3D-Effekte geht und die Story mehr schleift, als Spaß macht, ist der eigentliche Zweck des Films dann doch wieder bemerkbar: Hier will jemand Geld verdienen...

Fazit: "Madagascar - Flucht durch Europa" lässt vor allem mit dem furiosen Anfang den schwachen zweiten Teil wieder vergessen und bereitet durch tolle Gags um die heimlichen Lieblinge – die Pinguine – wieder Vergnügen für Kinder wie Erwachsene.




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