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Der Lorax
Der Lorax
© Universal Pictures Germany

Kritik: Der Lorax (2012)


Da wird dem Republikaner doch sein Popcorn im Halse stecken bleiben! Propaganda! Blasphemie! "Der Lorax", ein linker Öko! Empörte Aufschreie, entsetze Ohnmachtsanfälle, wutentbrannte Kopfschüttler. Grüne Propaganda, wohin das Auge reicht! Erst die "Sesamstraße", dann die "Muppets" – nun auch noch Universal? Die Zeiten für die amerikanische Rechte sind so oder so schwer – da muss doch nicht auch noch die Filmindustrie ihren so geliebten kapitalistisches Gottesstaat zu Grunde richten und die Jugend verziehen.

Und doch: Die animierte Verfilmung des Kinderbuchklassikers "Dr. Seuss' The Lorax" schlägt eine deutliche Richtung ein: "Schont eure Ressourcen – Geld macht nicht glücklich!", lautet die wahre wie zugleich einfache Botschaft, um die Regisseur Chris Renaud seinen neuesten Film aufbaut. Kombiniert mit atemraubenden 3D-Effekten wird dem jungen Publikum Umweltschutz kindgerecht serviert.

Vor 40 Jahren prangerte der in den USA sehr beliebte, in Deutschland weniger bekannte Autor Dr. Seuss Massenkonsum und Verschwendertum an und entwickelte eine Idee, die kommende Generation mit Hilfe von Kinderbüchern für das heikle Umweltthema zu sensibilisieren. Diese Sensibilisierung gelingt auch Regisseur Renaud, der die thematische Brisanz mit einem kindgerechten Look ausgezeichnet in die Kinosäle trägt. Seine Übertragung der Kindergeschichte auf die Kinoleinwand ist natürlich vor allem umgeben von pompösen 3D-Effekten und virtuellen Kamerafahrten – es zeigt aber auch einfach eine schauderhafte Anti-Utopie auf, in der Welt nur noch aus Plastik besteht und Bäume längst in Vergessenheit geraten sind.
So schön wie die Welt scheinbar verpackt, ist auch der sehr einfach gehaltene Humor. Hier muss man einfach klarstellen: Die Gags sind zu kindgerecht. Renaud und sein Team installieren einfachste Pointen und Gags, einerseits zusammengestellt aus bekannten Mustern, andererseits zu handzahm in der Gestaltung, wodurch an vielen Stellen der Zuspruch für den erwachsenen Zuschauer fehlt. Dieser muss sich mit kleinen Fingerzeigen in Richtung "Citizen Kane", oder "Die Truman Show" begnügen. Neben ausgekauten Gesangseinlagen, die die "Mission Impossible Theme" im Helium-Gesang veralbern, bleibt aber nicht mehr viel. Es gibt im Grunde nur eine Stelle an der der erwachsene Besucher beherzt auflachen kann, das Kind daneben aber stumm bleibt. Wenn die Hauptfigur Once-Ler auf dem Höhepunkt seiner Macht steht, sieht man nur sehr kurz - aber dafür umso prägnanter - ein Plakat an den Wänden seines monströsen Büros stehen. Eine hintergründige Überschrift zeigt eine herrlich zynische und an das erwachsene Publikum gerichtete Politikpointe, die es in sich hat. Bis dahin wurden Mama und Papa vor allem durch nervig arrangierte Popsongs in den Wahnsinn getrieben. Natürlich soll der makabere Gag an dieser Stelle nicht verraten werden. Doch danach versiegen die erwachsenentauglichen Zoten schon wieder. So schafft es "Der Lorax" zwar seine hauptsächlich anvisierte Zielgruppe – die Kinder – zu begeistern, nicht aber, auch den Erwachsenen mit an Bord zu nehmen, denn er entpuppt sich als ein relativ harmloses Märchen, welches nur sehr selten zynische und bissige Geschütze einbaut, um auch die Eltern bei der Stange zu halten.

Auch die Animation gestaltet sich schwierig. Natürlich: Der Lorax und seine Märchenfiguren sind im Geiste der Zeit animiert und die Welt besticht durch einen einzigartigen, aber nicht unbedingt mitreißenden Look, der für viele ein wenig seelenlos erscheinen mag. Mitreißend dagegen sind die 3D-Effekte, die besonders die jungen Zuschauer in den Bann ziehen werden. Die "Ahs" und "Ohs" sind bei den vielen netten Tricks, die der dritten Dimension ihren kinotauglichen Reiz geben, vorprogrammiert und können ebenso wie viele Actionszenen und Verfolgungsjagden auf gute Choreographien und Ideen seitens der Macher vertrauen.

Fazit: Da wird der Republikaner ja in der Pfanne verrückt: Kindgerechte Umweltmoral verpackt als unterhaltsamer 3D-Animations Spaß! "Der Lorax" ist ausgezeichnetes Kinder-Kino, welches es aber leider verpasst auch Mama und Papa mit ins Boot zu holen.





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