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Captain America
Captain America
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Captain America (2011)


Wer meint, der blau-rot gewandete Kryptonier und Beschützer der virtuellen Megacity Metropolis wäre der amerikanischste aller Comic-Superhelden, könnte womöglich schief gewickelt sein. Superman erblickte zwar das Licht der Welt in einem Comicheft bereits 1938, mit seinem Wertesystem war er allerdings der moralischen Entwicklung in der amerikanischen Gesellschaft weit voraus: Superman setzte sich für Hilf- und Wehrlose ein, war stets bemüht Frieden zu stiften (im Zweifelsfalle indem er die Kriegsparteien kurzerhand auch mal entmilitarisierte) und vielleicht am Bedeutendsten: Superman tötete niemals. Selbst jene nicht, die es vermeintlich verdienten.

Nach dem Angriff auf die amerikanische Pazifikflotte in Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 befanden sich die USA offiziell im Krieg gegen Japan, als auch gegen Nazi-Deutschland. Um einen Krieg zu gewinnen, bedarf es aber nicht nur Soldaten und Waffen, auch die Moral in der Heimat muss stimmen. Und dazu muss jeder seinen Beitrag leisten, auch die Superhelden. 1941 erschien zum ersten Mal die Figur eines kostümierten Comic-Helden in einem Dress, der eindeutig das Sternenbanner symbolisierte. Captain America wurde in der Folge zu einer Propagandafigur, die in den Heften meist gegen wahnsinnige Nazi-Wissenschaftler, Saboteure, Spione und NS-Kollaborateure kämpfte. In den 1950ern traten dann an die Stelle der Nazis und Konsorten die Kommunisten und ihre Gefolgsleute. Erst später avancierte die Figur zu einen (nationalen) Symbol für Freiheit und Gerechtigkeit.

Die aktuelle Filmadaption orientiert sich im Wesentlichen am Plot der Geschichte während des II. Weltkriegs. Steve Rogers (Chris Evans) hat das Herz eines Helden, aber den Körper eines 15-jährigen. Für die Army ist er damit ungeeignet, auch wenn er noch so gerne für sein Land in den Krieg gegen die Faschisten ziehen würde. Seine Beharrlichkeit imponiert allerdings dem jüdischen Arzt und Wissenschaftler Abraham Erskine (Stanley Tucci), dass er ihn tauglich schreibt. Wenig später landet er bei einem streng geheimen Projekt. Dort wird an der Erschaffung eines Supersoldaten geforscht. Der schwächliche Steve scheint der ideale Proband. Es zischt, funkt, dampft und rumpelt und aus der sargähnlichen Versuchskammer ersteigt der neugeborene Steve mit dem Körper eines Superathleten; fünf Mal so stark und schnell wie ein durchschnittlicher Mann. Wenig später steht auch schon der erste Auftrag an. Es geht darum einen von der Macht besessenen Nazi zu stoppen, der mit einer Energiequelle experimentiert, die nicht von unserer Welt stammt und alle Existenz vernichten könnte.

Dicht gewebt ist inzwischen das Netz der Marvel-Mythologie. Und so nimmt "Captain America: The First Avenger" auch gleich Bezug zu "Thor" auf, der vor Kurzem seine Leinwandgeburt feierte und indirekt auch zu "Iron Man". Ansonsten ist der Film aber ein recht klischeehaftes Gut gegen Böse, mit einem Steve Rogers als Gutmensch, der am liebsten niemanden töten würde, aber wie das nun mal im Krieg ist: Als erstes geht die Menschlichkeit verloren. Wirklich Mühe gab man sich beim Setdesign, so dass ein echtes 40er-Jahre Retroflair aufkommt. Und darüber hinaus werten natürlich Schauspieler wie Tommy Lee Jones als raubeiniger Colonel (die Rolle machte ihm sichtlich Spaß) und Hugo Weaving, der wieder mal einen blitzsauberen, wenn auch etwas zu routiniert runtergespielten Bösewicht abgibt, den Film sichtlich auf.

Erwartungsgemäß wird allerdings enorm viel geschossen und so manche Explosion reiht sich zuweilen aneinander. Damit entsteht zwangsläufig eher der Eindruck, sich in einem beliebigen Kriegsfilm verirrt zu haben als in einen leichtfüßigen Superheldenstreifen. Hinzu kommt, dass Captain America als kostümierter Held zu steril bleibt. Mit zu großer Leichtigkeit gelingt es ihm immer, selbst in den kritischten Situationen, seine Widersacher zu erledigen und den Tag zu retten. Das gestaltet das Mitfühlen nicht wirklich einfacher. Vom Sympathiefaktor war Peter Parker im Spider Man-Anzug im Vergleich dazu eine ganz andere Hausnummer.

Fazit: Trotz aller Kritik ist "Captain America: The First Avenger" ein knackiger Actionfilm geworden, der Genrefans auf jeden Fall nicht langweilen wird. Ein Portion mehr Ironie und Mutterwitz und weniger Bleihagel, stattdessen mehr körperbetonte Action, - schließlich möchte man genau das bei einer Figur wie Cap America sehen - hätten dem Film eindeutig gut getan.




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