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Karate Kid
Karate Kid
© 2010 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Karate Kid (2010)


Über ein Vierteljahrhundert ist es her, das ein kleiner sonderbarer und schon etwas älterer Japaner, dessen Lieblingshobby es war, mit Essstäbchen Fliegen zu fangen, die Herzen eroberte. Was den Literaten ihr Captain aus dem "Club der toten Dichter", war den Martial-Arts-Fans ihr Mr. Miyagi. In drei filmischen Abenteuern trat er gemeinsam mit seinem Schüler Daniel LaRusso an, den wahren Geist des Karate zu vermitteln – und, dort wo es sich nicht mehr vermeiden ließ, den Fieslingen ihre Grenzen aufzuzeigen.

Regel Nummer 1: „Karate ist nur zur Verteidigung“
Regel Nummer 2: „Erst lernen Regel Nummer 1!“

Ein klein wenig Yoda-look-alike war das schon. Und sicherlich ist Gewalt kein sonderlich empfehlenswertes pädagogisches Mittel, selbst wenn gefühlte 1000-mal wiederholt wird, dass Kämpfen keine Alternative darstellt, sondern letztendlich nur die unausweichliche Konsequenz. Mit anderen Worten: Wenn der Gegenüber in den Amokmodus schaltet und für Diplomatie nicht mehr empfänglich ist, scheint es nur recht und billig, Schaden von Leib und Leben abzuwenden – sei es auch durch die Anwendung einer gefährlichen Kampfkunst. Nichts anderes sieht auch der Gesetzgeber vor.

Ist man zudem ehrlich, hat "Karate Kid" in den 1980ern den Heranwachsenden vermutlich weitaus weniger geschadet, als Ballerspiele mit dem expliziten Hautnahfeeling, wie sie heutzutage jeder Jugendliche auf dem PC hat. Die philosophischen Inhalte der asiatischen Kampfkünste und vor allem den Reichtum und Schönheit an Kultur, nun einer neuen Generation zugänglich machen zu wollen, erscheint auf den ersten Blick demnach als durchaus redliches Unterfangen.

Allerdings wagt man sich für viele an eine Art Heiligtum, und die Befürchtungen im Vorfeld, dass in Anbetracht des momentanen Zeitgeistes, dieses entweiht werden könnte, scheinen durchaus berechtigt. In der Rolle des neuen Karate Kids tritt Jaden Smith an, der Sohn des Multimillionen-Garanten Will Smith. Das braucht nicht weiter verwundern, schließlich hat Papa den Film mitproduziert. Und der neue schrullige Lehrer ist kein geringerer als Jackie Chan. Einen geeigneteren Darsteller hätte man für diese Rolle wohl kaum finden können.

An der Grundstruktur der Story hat sich nicht viel verändert, abgesehen davon, dass ein etwas verloren wirkender junger Mann sich nicht mehr in einer fremden Stadt zurecht finden muss, sondern gleich auf einem anderen Kontinent. Man kann es erraten: Der neue Streifen spielt in China, aber ansonsten ist alles gleich: Der Zwölfjährige Dre Parker (Jaden Smith) ist mit seiner Mutter ins ferne China gezogen, spricht die Sprache nicht und hat auch gleich Ärger am Stecken: Ein paar fiese Jugendliche, die des Kung-Fu mächtig sind, wollen ihn durch die Mangel drehen. Da taucht der Hausmeister Mr. Han auf (Jackie Chan) und bietet sich an, Dre wahres Kung-Fu beizubringen.

Geflissentlich wird sich am Original abgearbeitet ohne es gleich hirnlos zu plagiieren. Vergebens wird man aber auf ein „auftragen, polieren“ warten und der Kranich ist ebenfalls ausgeflogen. Dafür darf Dre (auch das Daniel-san wird man schmerzlich vermissen) nun seine Jacke ungefähr 5.000 Mal ein und ausziehen und die Schlangentechnik erlernen. Es ist schließlich Kung-Fu und nicht Karate, was er da beigebracht bekommt, auch wenn der Film immer noch "Karate Kid" heißt ("Kung-Fu Kid" hätte sich zu grausam nach trashigem Ableger angehört).

Der Hausmeister Mr. Han ist nicht Mr. Miyagi, und Jackie Chan versucht dies gar nicht erst zu sein. Er ist mit dem Nimbus der Kung-Fu-Legende längst derart eins, dass er seine Rolle als kauziger Lehrer in diesem Remake, in der Lage wäre, blind herunterzuspielen, ohne sich jemals mit der Vorlage auseinandergesetzt zu haben. Und auch der junge Smith liefert eine erstaunlich gute Performance ab – das Rampensau-Gen wurde ihm offensichtlich mit in die Wiege gelegt. Smith meistert die physischen Herausforderungen mit Bravour, was insgesamt in deutlich aufgepeppter Action resultiert, wenn ihm der lockere Part auch eher zu liegen scheint, als die romantischen Momente.

An die Lovestory des Originals wurde dennoch gedacht, leider zeigt sich aber genau dort, dass es nicht unbedingt optimal ist, einen Film mit einem Zwölfjährigen zu besetzen und partout eine Romanze einflechten zu wollen. Vergessen wurden überdies aber selbst die landestypischen Impressionen nicht, die dem Original seinen leicht melancholischen und gleichzeitig inspirierenden Touch verliehen. So wird beispielsweise auf der Großen Mauer oder hoch oben in abgelegenen taoistischen Bergen trainiert, in denen wenige Eingeweihte das Wissen um das uralte Kung-Fu bewahren.

Fazit: Alles in allem ist das Reboot von "Karate Kid" gefälliges Popcornkino, mit einem Quentchen an philosophischen Innenleben. Die Geschichte wird nicht überhastet aufgebaut, die Charaktere ordentlich eingeführt; sogar die Bösen wurden gut gecastet. Allerdings findet der Film nicht immer den optimalen Rhythmus, um die 140 Minuten sinnig zu füllen. Der naive Charme und die Unschuld des Originals gehen ihm allerdings ab. Jaden Smith ist nun mal nicht Ralph Macchio, allerdings auch erst zwölf Jahre alt. Macchio war bereits 23 als den 16-jährigen Daniel mimte.





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