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Der wunderbare Garten der Bella Brown
Der wunderbare Garten der Bella Brown
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Kritik: Der wunderbare Garten der Bella Brown (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Skript zu "Der wunderbare Garten der Bella Brown" wurde bereits vor etlichen Jahren von Simon Aboud verfasst; so war 2009 bereits eine Umsetzung des Stoffes geplant. Nun hat der britische Drehbuchautor und Ex-Werbefilmer sein Werk selbst in Szene gesetzt – und die märchenhafte Geschichte um eine Individualistin zusammen mit seinem Kameramann Mike Eley in stets schöne, oft leuchtend bunte Bilder gefasst, die von der Komponistin Anne Nikitin mit träumerischen Klängen unterlegt wurden: ein kleines Fest für die Augen und Ohren des Publikums.

Sowohl in seiner Ästhetik als auch in seiner Dramaturgie erinnert "Der wunderbare Garten der Bella Brown" an Jean-Pierre Jeunets "Die fabelhafte Welt der Amelie" (2001) – was durch den deutschen Verleihtitel sowie die ähnliche Gestaltung des Filmplakates noch hervorgehoben wird. Mit dem Einfallsreichtum des französischen Vorbildes vermag Abouds Arbeit allerdings weder visuell noch erzählerisch mitzuhalten, da dem Nachfolger hierfür die Ecken und Kanten fehlen; streckenweise kommt die romantische Tragikomödie einfach zu harmlos und zu überraschungsarm daher. Gelungen ist indes die Darstellung der Lebens- und Wohnsituation der Protagonistin Bella – wie diese etwa ihre Zahnbürsten (eine für jeden Wochentag) vor dem Badezimmerspiegel und eine Vielzahl von Konservendosen im Küchenschrank aufreiht oder wie die zwanghafte Überprüfung, ob die Haustür auch wirklich verschlossen ist, immer wieder dazu führt, dass Bella zu spät zur Arbeit erscheint. Wenn die junge Frau vergeblich "Heute werde ich etwas ändern!" zu sich selbst sagt, hat der Film einen seiner stärksten und nachvollziehbarsten Momente. Überdies amüsieren die Dialogduelle zwischen Bella und dem unwirschen Nachbarn Alfie, der Bellas verwilderten Garten als "ökologische Apokalypse" bezeichnet. Als geschickte Szenendiebin erweist sich zudem die von Anna Chancellor äußerst unterhaltsam verkörperte, pedantische Vorgesetzte von Bella, die in ihrem bibliothekarischen "Reich" dafür zu sorgen versucht, dass sämtliche Regeln (etwa eine absolute Ruhe im Saal oder die strikte Unterlassung von Nahrungsaufnahme in den Räumen) eingehalten werden.

Jessica Brown Findlay ("Downton Abbey") verleiht der Titelheldin die nötige Entrücktheit; sie schafft es rasch, unsere Sympathie zu gewinnen und uns die Welt mit Bellas Augen wahrnehmen zu lassen. Andrew Scott (bekannt als Professor Moriarty aus "Sherlock") ist ihr dabei in der Rolle des früh verwitweten Kochs Vernon ein sehr guter Spielpartner. Zwischen den beiden stimmt die Chemie; obendrein ist Vernon zwar einerseits die bodenständigste, am wenigsten verschrobene Figur des Films, andererseits aber durch seine angedeutete Hintergrundgeschichte und durch seine nicht ganz so formelhaft gezeichneten Beziehungen zu Bella und zu seinem (Ex-)Arbeitgeber Alfie auch die interessanteste. Als gedankenversunkener Erfinder Billy kann Jeremy Irvine ("Gefährten") hingegen nicht vollauf überzeugen: Billys tollpatschige Art wirkt oft zu aufgesetzt; letztlich gehört die Liebesanbahnung zwischen Bella und Billy gar zum reizlosesten Strang von "Der wunderbare Garten der Bella Brown". Glänzen kann wiederum Tom Wilkinson ("Sinn und Sinnlichkeit", "Michael Clayton") als allmählich auftauender Griesgram Alfie, dessen recht konventionelle Wandlung von dem britischen Charakterdarsteller mit erfrischend-bösem Witz sowie mit leiser Tragik interpretiert wird.

Fazit: Ein in berückenden Bildern eingefangenes Jetztzeit-Märchen, das eine Spur zu gefällig in Szene gesetzt und zu schematisch erzählt ist, aber dennoch für sich einzunehmen weiß. Schauspielerisch ragen Andrew Scott und Tom Wilkinson heraus.





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