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Kritik: Company Men (2009)


In seinem Regiedebüt "Company Men" erzählt John Wells von den Folgen der Finanzkrise für drei Männer aus der weißen oberen Mittelschicht: Bobby Walker (Ben Affleck) ist Executive in dem Multi-Konzern GTX. Sein Arbeitgeber hat bereits viele Mitarbeiter entlassen, aber Bobby wähnt sich in Sicherheit. Doch dann wird auch er gefeuert! Seine Branche – der Schiffsbau – ist nicht rentabel genug, außerdem will Oberboss James Salinger (Craig T. Nelson) eine feindliche Übernahme verhindern. Auch Phil Woodward (Chris Cooper) ergeht es nicht besser. Er hat bei GTX als Schweißer angefangen und sich bis ins obere Management hochgearbeitet, jahrelang war er stolz auf seinen Erfolg, auf die Früchte seiner harten Arbeit. Nun wird er entlassen – und kann die College-Ausbildung seiner Kinder nicht mehr finanzieren. Der dritte der "Company Men" ist Gene McClary (Tommy Lee Jones), der die Firma mit James Salinger aufgebaut hat, aber irgendwann von seinem College-Freund auf der Karriereleiter überholt wurde. Für Gene zählen Werte wie Loyalität und Aufrichtigkeit, doch haben die anscheinend in der Finanzwelt von heute keinen Platz mehr. Daher steht er seinem Freund im Weg – und muss seinen Sessel räumen.

Die drei Männer reagieren unterschiedlich auf ihre Entlassungen. Bobby ist anfangs zuversichtlich, dass er mit seinen Qualifikationen und Beziehungen schnell eine neue Anstellung finden wird. Deshalb will er weder auf seinen Porsche noch die Mitgliedschaft im Golfclub oder sein schönes Haus verzichten. Diese Statussymbole sind wichtig für ihn, aus Arroganz lehnt er sogar ein Jobangebot seines Schwagers (Kevin Costner) ab, der eine Baufirma hat. Phil stürzt dagegen in eine existenzielle Krise. Seine Erfolge sind in der Arbeitswelt von heute wertlos, stattdessen erhält er den Rat, sich die Haare zu färben – und lernt schnell, dass er zu alt für einen neuen Job ist. Für Gene bedeutet die Entlassung hingegen ein Neuanfang. Er verlässt seine Ehefrau und zieht zu seiner Geliebten. Finanziell hat er ausgesorgt. Aber dann merkt er, dass auch er unter seinem unfreiwilligen Abgang leidet.

Es sind Manager im feinen Anzug, die hier von der Krise betroffen sind. Und an ihren Beispielen erzählt der Film fast nebenbei von traurigen Wahrheiten: der Aktienwert eines Unternehmens wird mit Massenentlassungen künstlich hoch getrieben, Bosse nehmen lieber in Kauf, dass Menschen ihre Arbeit verlieren als auf den Bau einer teuren Konzernzentrale zu verzichten, mit 50 Jahren ist man zu alt für den Arbeitsmarkt und Jobverlust bedeutet immer auch Demütigung. Die ganze Hilflosigkeit dieser Männer wird in dem Bild zusammengefasst, als Phil die Konzernzentrale von GTX mit Steinen bewirft. Es ist ein vergebenes Unterfangen, er trifft nicht ein einziges Mal. Und es ist ein Versuch, der in eine andere Zeit gehört – ebenso wie Phil und Gene.

In seinem Film lässt John Wells seinen Hauptdarstellern viel Raum, den insbesondere Tommy Lee Jones und Chris Cooper auch zu nutzen wissen. In Tommy Lee Jones‘ Gesicht finden sich die Furchen des angekratzten Selbstwertgefühls der amerikanischen Wirtschaft wieder, Chris Cooper lässt Phils psychische Labilität in jeder Einstellung erkennen. Ohnehin sind die Charaktere interessant angelegt. An ihnen merkt man, dass John Wells sich mit Serien (u.a. "ER", "West Wing") einen Namen gemacht hat. Sie werden ausführlich eingeführt und haben das Potential zu Seriencharakteren. Daher kann man sich gut vorstellen, ihnen eine Staffel lang bei der Verarbeitung dieser Erfahrung zuzusehen. Aber dies ist ein Film und so muss Wells einen Abschluss finden. Darin offenbart sich nun aber die größte Schwäche von "Company Men": es werden viel zu einfache Lösungen präsentiert. Bobby erfährt durch Frau und Kinder, was wirklich wichtig ist – und sein Schwager lehrt ihn den Wert von körperlicher Arbeit und verantwortungsvollem Wirtschaften. Dieses Loblied auf die amerikanische, hart arbeitende Mittelschicht wird ergänzt durch Genes Rückbesinnung auf den amerikanischen Traum vom Einzelnen, der mit harter Arbeit zum Erfolg kommt. Daher will er nun ausgerechnet mit einer Werft reüssieren. Dadurch entsteht am Ende von "Company Men" der Eindruck, dass ja alles gar nicht so schlimm sei – solange man die Krise nur tatkräftig angeht. Doch so einfach ist es nun einmal nicht.

Fazit: "Company Men" ist der Wohlfühl-Film zur Finanzkrise, der einige Wahrheiten ausspricht, letztendlich aber von dem Glauben an den Kapitalismus und den amerikanischen Traum beseelt ist.




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