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Hauptplakat - The Dark Knight Rises
Hauptplakat - The Dark Knight Rises
© Warner Bros.

Kritik: The Dark Knight Rises (2011)


Vollbracht oder nur geschafft? Christopher Nolan liefert mit "The Dark Knight Rises" den letzten Teil seiner Batman-Saga ab und versucht das dreiteilige Epos mit einem würdigen Finale zu versehen. Doch auch wenn Teil eins, "Batman Begins", vom Publikum überaus wohlwollend aufgenommen und Teil zwei, "The Dark Knight", sogar umjubelt wurde (vor allem wegen der überragenden Darstellung des Jokers durch den kurz darauf verstorbenen Heath Ledger), gab es schon immer einige wenige Stimmen, die an Nolans Inszenierungsstil etwas zu bemängeln hatten: mit Adjektiven wie schwerfällig, bleiern oder auch langatmig wurde seine Art des Storytelling zuweilen bedacht.

Manch ein eingefleischter Batman-Fan behauptete gar, dass Nolans Interpretation von Bob Kanes Comic-Figur gar nicht dem Geiste des Erfinders entspräche. Kane konzipierte Batman schließlich als eine Kombination aus Hi-Tech-Sherlock-Holmes und maskiertem Rächer, der jene Schurken dingfest macht, die der Justiz immer wieder durchs Netz schlüpften. Außer dem Hi-Tech ließ Nolan davon aber wenig übrig. Und auch die düstere, neogotische Architektur Gothams, der Stadt in der Batman das Verbrechen bekämpft, wurde durch die Fassade einer Allerweltsmetropole ersetzt. "The Dark Knight" geriet damit zu einem Actionthriller, der nicht selten an Michael Manns "Heat" erinnerte, mit dem Unterschied, dass Helden wie Schurken Masken trugen.

Die Handlung von "The Dark Knight Rises" setzt acht Jahre nach dem zweiten Teil ein. Batman (Christian Bale) ist, wie es sich bereits am Ende von "The Dark Knight" ankündigte, keiner der Guten mehr. Ihm werden allerlei Verbrechen zur Last gelegt, vor allem die Ermordung des Staatsanwaltes Harvey Dent. Damit ist er zu Gothams Feind No. 1 avanciert. Das Verbrechen wurde an seiner statt von Männern wie dem Commissioner Gordon (Gary Oldman) aus Gothams Straßen getilgt, womit ein dubioser maskierter Held ohnehin überflüssig wurde. Psychisch gebrochen durch den Tod der Frau, die er über alles liebte, und körperlich durch die vielen Kämpfe verschlissen, verkriecht sich Bruce Wayne bereits seit Jahren in seinem Anwesen. Nicht einmal um die Geschäfte seiner eigenen Firma kümmert er sich, was finanziell für ihn noch Konsequenzen haben soll. Als jedoch über Gotham ein unheilvoller Sturm in der Gestalt des Terroristen Bane heraufzieht, wird es für Wayne notwendig noch einmal als dunkler Ritter in die Schlacht zu ziehen.

Ein neuer Batman-Film, aber im Grunde das alte Thema. Amerika übt sich weiter in Post-9-11 Selbsttherapie. Erneut terrorisiert ein Wahnsinniger die Bürger Gothams. Der neue Widersacher trägt allerdings keine Harlequin-Visage mehr und neigt auch nicht zur Clownerie. Er verbirgt sein entstelltes Äußeres hinter einer Maske, die ihn an einen Kampfhund mit Maulkorb erinnern lässt und ihm die Stimmlage eines Darth Vaders beschert. Der Vergleich mit dem Joker, der durch Heath Ledger kongenial verkörpert wurde, erübrigt sich aber angesichts dessen, dass Tom Hardy als Bane hinter der Maske überhaupt keine Mimik entwickeln kann. Anders als sein anarchischer Vorgänger versteht sich Bane auch nicht als verzerrtes Spiegelbild des Helden, das Chaos in die Ordnung bringt. Er zielt nicht vorrangig auf die Psyche des Protagonisten. Ihm liegt einzig und allein an Zerstörung. Bane möchte Batman zerbrechen und Gotham von der Landkarte tilgen.

Nolan lässt sich viel Zeit bei der Einführung der Charaktere. Das ist einerseits gut, da es reichlich neue Figuren in "The Dark Knight Rises" zu entdecken gibt, anderseits wirkt damit bereits der Einstieg reichlich geschwätzig. Und dabei soll es nicht bleiben: Der Abschluss von Nolans Batman-Trilogie ist der Film der vielen Erklärungen. Die satten 165 Minuten Spielzeit sind angefüllt mit Dialogen und teilweise auch Monologen. Der Held, der sich in Rente befindet, leidet überdies an Arthrose. Dieses Gefühl von Verschleiß überträgt sich, gefühlt, auch ein wenig auf den Film. Es scheint, als hätte Nolan die besten seiner Ideen bereits verbraucht und mühte sich nun redlich um ein adäquates Finale, ohne aber spürbare Fesselkraft entfalten zu können. Zusammenhängen könnte dies auch damit, dass es den Darstellern ebenfalls nicht mehr ganz gelingt, den Esprit aus den Vorgängerfilmen zu versprühen. Einzig Marion Cotillard, die neu hinzukam, verdient sich Höchstnöten. Und eine weitere Erklärung liefert die kalkulative Notwendigkeit, das 250-Millionen-Dollar-Projekt mit einer FSK-12 Freigabe (USA PG-13) an dem den Start zu bringen. Die Massenkompatibilität merkt man dem Film vor allem bei den Fights an. Das One-on-One-Gipfeltreffen zwischen Batman und Bane mutet beinahe schon harmlos an und eine Massenkampfszene zwischen hunderten Polizisten und etlichen schwer bewaffneten Terroristen, erinnert eher an eine Saloonklopperei. Unblutig muss bei einem Actionfilm zwar nicht zwangsläufig schlecht sein. Doch der Einsatz von Gewaltdarstellung als inszenatorisches Mittel trägt nicht selten zu einer packenden Dramaturgie bei.

Darüber hinwegtäuschen kann auch nicht die Einführung einer weiteren Super-Figur mit Catwoman, die weder so recht Schurkin, allerdings auch keine Heldin ist. Anne Hathaway ist nach Michelle Pfeiffer und Halle Berry bereits die dritte Darstellerin die in den Cat-Suit schlüpft. Und ohne Zweifel macht sie eine gute Figur darin. Mehr als ein paar alibihafte Einlagen hat sie aber nicht beizusteuern. Überdies schien es Nolan auch gar nicht wichtig der Figur einen richtigen Unterbau zu verpassen. So bleibt Catwoman eine graue Katze ohne besondere Merkmale und Michelle Pfeiffers Performance in "Batmans Rückkehr" weiterhin unerreicht.

Womit Nolans Batman-Finale aber zweifellos punkten kann, ist die perfekte technische Umsetzung. Die visuelle Güte und der Score erweisen sich, wie nicht anders zu erwarten, als brillant. Darüber hinaus weist die solide durchdachte Story, die zwar nicht vor Originalität sprüht, gegen Ende ein paar gelungene Wendungen auf und vermag zudem die losen Enden so zu verknüpfen, dass final ein guter Gesamteindruck entsteht. Und zu guter letzt versucht Nolan sogar mit einem Ausblick auf die mögliche Zukunft des Franchise das Publikum versöhnlich aus dem Kinosaal zu entlassen.

Fazit: Ein arthritischer dunkler Ritter muss sich in "The Dark Knight Rises" selbst überwinden, um Gotham ein weiteres Mal zu retten. Die müden Knochen merkt man dabei sowohl dem Helden, wie der Inszenierung an. Der Abschluss von Christopher Nolans Batman-Saga wirkt phasenweise zu langatmig und mitunter überaus schwatzhaft, die Action hingegen nicht knackig genug um wirklich mitzureißen. Aber wer den ersten beiden Teilen viel abgewinnen konnte, sollte sich das Finale – allein schon der Vollständigkeit halber – nicht entgehen lassen.





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