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Kritik: Drive (2011)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Fünf Minuten! Das ist die wichtigste Regel des namenlosen Fahrers (Ryan Gosling) – im Anspann einfach Driver genannt. Wenn er als Fahrer des Fluchtfahrzeugs angeheuert wird, wartet er fünf Minuten und fährt seine Auftraggeber vom Tatort weg. Sollten sie länger brauchen, wartet er nicht. Außerdem beteiligt er sich niemals an den Raubzügen, will nicht wissen, was sie tun und trägt keine Waffe. Diese Regeln gelten nachts – tagsüber arbeitet er hingegen als Stuntfahrer in Hollywood. Und in beiden Jobs ist er richtig gut.

Driver ist als Teenager nach Hollywood gekommen und ist in der Werkstatt von Shannon (Bryan Cranston) gelandet. Von ihm hat er vieles gelernt – und er vermittelt ihm seine legalen und illegalen Jobs. Denn Shannon hat erkannt, welches große Talent Driver besitzt. Nur in einem Auto ist er sicher und souverän, dort ist er ganz nah bei sich. Eines Tages lernt er seine neue Nachbarin Irene (Carey Mulligan) und deren Sohn Benicio (Kaden Leos) kennen. Sie verändern das Leben des ruhigen Einzelgängers, der sich nun um Irene und ihren Sohn kümmert. Erstmals ist ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht zu erkennen und mit Benicio scheint er sogar Spaß zu haben. Auch Irene nähert er sich an – leise, verstohlen und fast ausschließlich über Blicke.

Ryan Gosling spielt diese Rolle mit stoischer, aber dennoch eindringlicher Gelassenheit. Es sind kleine Regungen im Gesicht – oder der Verzicht auf jedes Zucken, das den Zuschauer an die Leinwand fesselt. Er trägt den gesamten Film, der ebenso wie die Romanvorlage von James Sallis das Psychogramm eines einsamen Menschen ist. Dabei wird Drivers weiße Jacke, deren Rücken ein Skorpion ziert, zum sinnfälligen Symbol: Er ist nicht der nette Mensch, der er zu sein scheint, sondern kann im entscheidenden Moment auch zustechen. Und wenn er explodiert, kennt er keine Gnade.

Im Verlauf des Films wird seine Jacke zusehends schmutziger und blutverschmierter. Als Irenes Ehemann Standard (Oscar Isaac) aus dem Gefängnis entlassen wird, will er mit seiner Familie ein neues Leben beginnen. Aber er muss noch Schulden für den Schutz im Gefängnis begleichen – und wird zusammengeschlagen. Als schließlich auch Irene und Benicio bedroht werden, bietet Driver ihm seine Hilfe an: Standard soll mit Blanche (Christina Hendricks) eine Pfandleihe ausrauben, Driver will sie vom Tatort wegfahren. Mit dem Geld kann Standard seine Schulden bezahlen und in eine sichere Zukunft blicken. Aber der Coup schief – und Driver hat sich unwillentlich mit der Mafia um Bernie Rose (famos: Albert Brooks) angelegt. Und der Weg aus diesem Schlamassel ist äußert blutig.

In sorgfältig durchkomponierten, glatten und stilisierten Bildern hat Regisseur Nicolas Winding Refn den Roman von James Sallis für die Leinwand adaptiert. Mit beeindruckenden Parallelen und Symmetrien schafft er einen kühlen Actionthriller, der an die Filme von Michael Mann und Walter Hill erinnert, sie aber zugleich in die heutige Zeit transponiert. Er bricht die Regeln des testosterongetränkten Actionfilms vor allen durch den Verzicht auf Tempo. Am Anfang des Films ist Driver bei der Flucht von einem Tatort zu sehen und liefert sich eine Jagd mit der Polizei. Aber er rast nicht davon, sondern hält im entscheidenden Moment an – und lauert. Als die Cops verschwinden, fährt er ruhig weiter. Mit dieser Drosselung des Tempos steigt die Spannung – und zehrt dank des großartigen Soundtrack zusätzlich an den Nerven. Ohnehin gehen Bilder und Ton in "Drive" eine bestechende Symbiose ein. Die Elektro-Klänge der 1980er Jahre fügen sich perfekt ein und tragen dazu bei, dass "Drive" einen einzigartigen Look bekommt. Es ist ein Film, auf dessen Rhythmus sich der Zuschauer einlassen muss und der weniger über seine Story als über die Inszenierung fesselt. Aber gerade dadurch ist er ein bemerkenswertes Kinoerlebnis!

Fazit: "Drive" überzeugt vor allem dank seiner Bilder, seines Rhythmus, des Sounds und der Atmosphäre. Es ist ein Film, der gefangen nimmt, der präzise in seiner Inszenierung ist und an dessen Bildern man sich kaum satt sehen kann. Und nach dazu ist der Film glänzend besetzt. Sehenswert!





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