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Das Koinzert - Deutsches Plakat
Das Koinzert - Deutsches Plakat
© 2010 Concorde Filmverleih

Kritik: Das Konzert (2009)


Tschaikowsky ist der Star

Einst war Andrej Filipow einer der bekanntesten Dirigenten der Sowjetunion, doch nun arbeitet er als Putzmann im Bolschoi-Theater. Noch nicht einmal den Proben des längst nicht mehr herausragenden Orchester darf er beiwohnen, stattdessen soll er das Büro des Direktors saubermachen. Als er seiner Aufgabe nachkommt, erhält er unvermittelt eine einmalige Chance: Ein Fax aus Frankreich fällt in seine Hände, in dem das Théâtre du Châlet anfragt, ob das Bolschoi-Orchester kurzfristig zu einem Gastspiel nach Paris reisen könnte. Entschlossen nimmt Andrej das Fax an sich und beschließt, mit seinem alten Orchester nach Paris zu fahren.
Tatkräftig unterstützt von seiner Frau und seinem besten Freund setzt er seinen aberwitzigen Plan um und trommelt seine ehemaligen Musiker zusammen. Mittlerweile arbeiten sie verstreut in der Stadt als Gemüseverkäufer oder Umzugshelfer, aber Andrej kann nach und nach ein Orchester zusammenstellen.
br/> In diesem ersten Teil ist „Das Konzert“ eine amüsante und unterhaltsame Culture-Clash-Komödie. Andrejs Orchester besteht aus den verschiedensten Ethnien und illustriert sehr schön den ehemaligen Vielvölkerstaat Sowjetunion. Zugleich nutzt Regisseur Radu Mihaileanu die Stereotype zu allerhand Gags, er entwirft Charaktere mit wenigen Strichen und nahezu mühelos vermittelt er den Zuschauern ein – gleichwohl fröhlich überzeichnetes – Bild vom heutigen Russland. Hier werden Demonstranten ebenso vermittelt wie Hochzeitsgäste, Busse kommen nicht und gefälschte Pässe werden am Flughafen ausgestellt. Aber anscheinend haben sich alle damit arrangiert.
Leider stellen sich im weiteren Verlauf mit der Ankunft der Musiker in Frankreich einige Misstöne ein. Noch im ersten Teil wurde bspw. die die Figur des ehemaligen Systemkommunisten Iwan Gawrilow mit ihrem fehlerhaften Französisch, gestrigen Kommunistenansichten und geschickten Changieren zwischen Staat und Mafia witzig eingesetzt. Aber mit der Ankunft in Frankreich wird Gawirlow zu einem überzeichneten Klischee. Außerdem hält Mihaileanu den Spannungsbogen nicht, sondern die Handlung driftet zunehmend ins Melodramatisch ab, weil Andrej mit der Reise nach Frankreich noch ein weiteres Ziel verfolgt: Er will Tschaikowskys Konzert für Violine und Orchester in D-Dur zu Ende bringen, das Konzert, das damals von Gawrilow vor den Augen der Zuschauer unterbrochen wurde. Als Solistin wünscht er sich Anne-Marie Jacquet, mit der Andrej auf vertrackte Weise verbunden ist. Hin und her gerissen zwischen Komödie und Drama trifft Regisseur Mihaileanu oftmals den Ton nicht, manches wird nur angedeutet, anderes zu sehr erzählt.
Erst mit dem Einstieg in das früh vorhersehbare Finale kehrt der Film wieder zur anfänglichen Stärke zurück. Hier kommt die Musik – die der eigentliche Star des Films ist – zur vollen Entfaltung, hier treffen Andrejs Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft aufeinander und alles fügt sich in wundersame Harmonie zusammen.
Leider vertraut Mihaileanu der Kraft von Tschaikowsyks Klängen nicht gänzlich. So sinnvoll der Rückblick hier eingebettet ist, so unnötig ist der Ausblick in die Zukunft. Er durchbricht die Dramatik und nimmt der Musik einen Teil ihrer emotionalen Kraft. Deshalb hat der Zuschauer beim Abspann vor allem einen Wunsch: Tschaikowskys Konzert in Ruhe anzuhören.

Fazit: Trotz dramaturgischer Schwächen unterhält „Das Konzert“ dank gelungener Gags und des dramatischen Finales den Zuschauer bestens.





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