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127 Hours - Hauptplakat
127 Hours - Hauptplakat
© 2010 Twentieth Century Fox

Kritik: 127 Hours (2010)


Danny Boyle das Regiemultitalent ist zurück. 2009 heimste er mit seinem Überraschungshit "Slumdog Millionär" gleich acht der begehrten Oscars ein, und zwei Jahre später ist er mit seinem neuesten Film schon wieder für sechs nominiert – auch wenn er diesmal mit "The King's Speech" und "True Grit" zwei ausgesprochen vielversprechende Kontrahenten hat.
In "127 Hours" nahm sich Boyle einer realen Geschichte an, die 2003 weltweit für Furore sorgte. Damals war der amerikanische Extremsportler und Bergsteiger Aron Ralston zu einer seiner üblichen Wildnistouren aufgebrochen – und hatte, wie ebenfalls für ihn typisch, niemandem gesagt wo er hingehen würde. Mitten im Nirgendwo rutsch er beim Hinunterklettern einer Felsspalte aus, über ihm löst sich ein massiver Gesteinsbrocken und poltert ihm hinterher. Ralston kann dem 500 Kilogramm schweren Geschoss gerade noch ausweichen, seine rechte Hand bekommt er aber nicht rechtzeitig aus dem Weg, so dass diese zwischen dem Felsen uns der Wand der Schlucht eingequetscht wird. Ein 127 Stunden langes Martyrium beginnt, welches er nur Dank seines eisernen Überlebenswillens übersteht.
Mit James Franco hat sich Boyle für diese Rolle einen der talentiertesten Jung-Charakterdarsteller Hollywoods an Bord geholt. Die Inszenierung stellte auch eine immense Herausforderung, sowohl an den Protagonisten, als auch stilistisch dar. 90 Prozent der Handlung spielen sich schließlich an dem Ort ab, von dem es kein Entkommen gibt. Franco meistert es mit Bravour, die unterschiedlichen Phasen darzustellen, die ein Mensch in dieser Situation durchlebt. Vom anfänglichen Kampf gegen Stein, in der Hoffnung ihn fort bewegen zu können, über die Verzweiflung und die allmähliche Resignation als seine bescheidenen Wasservorräte allmählich zur Neige gehen – er gezwungen wird seinen Urin zu trinken – bis hin zum finalen Verdorren, den letzten Worten, die er in eine Digi-Cam als Botschaft an seine Eltern und die Nachwelt spricht. Und vor dem Ende das letzte legendäre Aufbäumen, zugleich ein Akt bestialischer Brutalität an sich selbst, aber die einzige Chance, dem sicheren Ende zu entgehen. Es ist Boyles inszenatorischer Kunst zu verdanken, dass trotz der gestalterischen Beschränkung, aus der Situation heraus, sich das Gefühl der Ausweglosigkeit nicht verbraucht. In den 93 Minuten, in denen dieses Überlebensdrama dauert, gelingt es ihm die Spannung stets hoch zu halten und sie kurz vor der bluttriefenden Befreiung sogar noch einmal zu steigern. Diese Szenen werden zwar nicht nicht in umfassender Ausführlichkeit dokumentiert, aber die Kamera fängt dennoch genug ein, um den Atem stocken zu lassen oder, um manch einen während dieser Zeit dazu zu bewegen, lieber die Augen zu schließen. In einem Film der die Authentizität einer Dokumentation hat und zugleich die Energie eines packenden Thrillers gehören aber solche Szenen nun mal dazu, wie das Salz in die Suppe.
Fazit: Brillant inszenierter Thriller, dokumentarisch eng an einer wahren Begebenheit, der wenn er erst einmal zugepackt, den Zuschauer bis zum Ende nicht mehr loslässt. Eine Lektion in puncto Ausdauer und Überleben und der wahre Triumph des menschlichen Willens.




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