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Man of Steel - Plakat
Man of Steel - Plakat
© Warner Bros.

Kritik: Man of Steel (2012)


Wenn Superwesen "Made in Krypton" richtig loslegen, wird eine Menge Kleinholz fabriziert. Das war schon bei den mittlerweile klassischen Filmen mit Christopher Reeve nicht anders. Zumindest bemühte sich aber jener rot-blau-gewandete Held noch um Eingrenzung der Kollateralschäden. Davon kann in neuzeitlichen CGI-Filmuniversen nicht mehr wirklich die Rede sein. "Man of Steel", gibt sich keinen Deut zurückhaltend. Ganz scheint es, als hätten sich Zack Snyder (Regisseur) und Christpher Nolan (Produzent) dem Credo verschrieben, jede Destruktionsorgie der letzten Jahre, sei es die der "Tranformers"-Reihe oder jene des unmittelbaren Konkurrenten, "Marvels The Avengers", vergessen zu machen.

Bevor aber ganze Städte in Schutt und Asche gelegt werden, gilt es einen Abstecher in die Weiten des Kosmos zu machen. Die Story zentriert sich zu Beginn auf die kryptonische Herkunft Kal-Els (Henry Cavill), und in diesem Zuge darf sich Russel Crowe als Jor-El, Supermans nichtirdischer Erzeuger, gleich mal ordentlich in den Vordergrund spielen, bevor seine todgeweihte Heimatwelt zu Sternenstaub zerblasen wird. In Erinnerung verweilen vorher aber noch epochale Sätze wie: "Er wird ein Gott unter den Menschen sein", die im späteren Verlauf des Films damit ad absurdum geführt werden, dass er als Computer-Hologramm seinem mittlerweile erwachsenem Sohn zu erklären versucht, er sei auf die Erde gesandt worden, um Bescheidenheit zu lernen. Wer darin die Spur eines Widerspruchs zu erkennen vermag, hat sich redlich eine Tüte Popcorn verdient.

Kevin Costner als Jonathan Kent, aufrechter Farmersmann und Adoptivvater des neuen Erdenbürgers mit Migrationshintergrund, kommt hingegen lediglich in Rückblenden pädagogisch zum Zuge; bevor auch er, in endgültiger Opferbereitschaft, bei der Rettung eines Hundes, vom Wind eines Tornados zerblasen wird. Offensichtlich reichte sein Einfluss aber aus, um aus dem jungen Clark ein moralisches Individuum zu formen. In wie fern die filmisch übermäßige Gewichtung der kryptonischen Seite jedoch dazu verhelfen soll, diese übermächtige ikonische Gestalt greifbarer oder gar erfahrbarer zu machen, bleibt fraglich. Supie muss ohnehin noch sein Inneres und seine Fähigkeiten erforschen, bevor er seine Bestimmung wirklich erfüllen kann. Und zu was wäre das alles letztlich gut gewesen, wenn nicht gleich darauf eine globale Bedrohung auf den Plan treten würde, die nach einem Wesen mit gottähnlichen Kräften verlangt? Weitere Überlebende des Untergangs Kryptons haben zwischenzeitlich ihren Weg zur Erde gefunden. Finstere Gesellen, überaus mächtig und technologisch um Lichtjahre fortgeschritten, die unsere geliebte Heimat Kryptoformen wollen. Für die Menschheit wird es darin allerdings keinen Platz geben.

Determination, Vorbestimmung, ist wohl das zentralen Thema von "Man of Steel" – oder vielmehr darüber hinauszuwachsen, um der zu werden, der man sein möchte und nicht jenes oder dieses, welches womöglich andere in einem zu erkennen vermeinen. Kurzerhand wurde dafür eine kryptonische Gesellschaft fabuliert, die an Aldous Huxleys "Schöne neue Welt" erinnert. Kinder werden darin in der Retorte produziert, und lange vor ihrer Geburt ist bereits vorherbestimmt, ob sie eines Tages Krieger, Künstler oder Koch werden. Außer selbstverständlich einem, der auf natürliche Weise gezeugt und geboren wurde. Seltsamerweise soll aber gerade der, dem nun alles offenstehen würde, zur Erde, um ihr Beschützer, Engel und Wächter zu werden. Wer darin tatsächlich einen weiteren Widerspruch entdeckt haben will, hat sich glatt noch eine Tüte der klebrig-süßen Knabberei verdient.

Dank der vielen außerirdischen Elemente fühlt sich "Man of Steel" insgesamt ohnehin weitaus eher wie ein beliebiger Scifi-Invasionsstreifen, denn wie ein "Superman"-Film an. Wäre nicht die ganze verschwurbelte möchtegern-messianische Mythologie, die der Geschichte eine Pseudo-Bedeutungsschwere aufbürdet, ließe sich zumindest im Kopf auf Durchzug schalten und das Ganze als reine bombastische Materialschlacht bestaunen. Der Gedanke daran, dass hier aber eine in der Vergangenheit liebgewonnene Figur leidlich einfallslos mit viel Ballast überfrachtet wurde, ohne das sie im Vorhinein ernstlich die Gelegenheit bekam, neuerlich Sympathiewerte für sich zu gewinnen – und dazu wären keine großen Heldentaten nötig gewesen, sondern menschelnde Akzente – schmälert ganz erheblich das Vergnügen.

Das überaus düstere Setting des Films und die weitgehende Absenz von Humor und Ironie zeigen zudem deutlich, welche Grundstimmung einer anderen DC-Superheldenadaption hierhin transportiert werden sollte. Sonderlich originell wirkt das alles jedoch nicht. Die Trickeffekte sind zwar imposant (heißer Tipp: 3D ist völlig verzichtbar), die frappierende Ähnlichkeit mancher außerirdischer Monstrosität mit den Maschinenwelten einer "Matrix"-Trilogie lassen das alles aber reichlich fremdinspiriert erscheinen. Und selbst der finale Man-on-Man-Showdown erinnert zuweilen an den Fight zwischen Neo und Agent Smith. Freunde von Spektakeln wie sie beispielsweise ein Michael Bay gerne inszeniert, werden aber wahrscheinlich dennoch auf ihre Kosten kommen. Zudem ist Hauptdarsteller Cavill dermaßen knackig anzuschauen, dass sich manch eine Dame wünschen könnte, er käme in einer lauen Sommernacht durchs offene Fenster in ihre Kemenate geschwebt.

Fazit: Einst hieß es in einer anderen sehr bekannten Filmreihe: "Es kann nur einen geben." Frei übertragen lässt sich nun für "Man of Steel" resümieren: "Es gibt nur einen (wahren) Superman." Und der ist leider für immer von uns gegangen.





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