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Serena - Jennifer Lawrence und Bradley Cooper
Serena - Jennifer Lawrence und Bradley Cooper
© Studiocanal

Kritik: Serena (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Viel ist schon geschrieben worden über die ungewöhnlich lange Postproduktionszeit, die Susanne Bier ("In einer besseren Welt") für ihr starbesetztes Depressions-Melodrama "Serena" aufwendete, weshalb es erst jetzt, zwei Jahre nach Beendigung der Dreharbeiten, den Weg ins Kino findet. Vielleicht hat so mancher Kritiker Recht, dass die Verzögerung bereits einige Rückschlüsse auf die Probleme zulasse, mit denen die Adaption des gleichnamigen Ron-Rash-Bestsellers zu kämpfen hat. Ganz so verkorkst, wie einige Rezensenten meinen, ist der Film in Wahrheit aber nicht. Vielmehr entfaltet er einen abgründig-zerstörerischen Sog, der Genre-Grenzen überschreitet und den Betrachter bewusst von seinen attraktiven Protagonisten distanziert. Das mag riskant sein, in mehreren Momenten schwach motiviert, ist für ein opulentes Hollywood-Period-Picture allerdings auch erstaunlich unkonventionell.

Alles beginnt wie eine klassische Liebesgeschichte. Ein beruflich erfolgreicher Mann trifft eine hübsche junge Frau, und zwei Szenen später sind beide schon ein glückliches Paar, das sich gemeinsam anschickt, sein Holzimperium in den ausgedehnten Wäldern North Carolinas weiter auszubauen. Mit Serenas Einführung in den geschäftlichen Bereich ihres Gatten nimmt der Film schließlich auch die Form einer Emanzipationsgeschichte an. Sie, die selbst aus einer untergegangenen Holz-Dynastie stammt, will mitbestimmen und legt, wenn nötig, sogar aktiv Hand an. Was Georges verschworene Arbeiterschaft zunächst verwundert. Immerhin spielt "Serena" zu Beginn der Great Depression im Jahr 1929. Zu einer Zeit also, als Frauen nicht häufig in Führungspositionen zu finden waren.

Eine weitere Facette bekommt das Bild der eigenwilligen Titelheldin, wenn die Konflikte mit den lokalen Umweltschützern an Schärfe gewinnen und das Unternehmen plötzlich in Gefahr gerät. Mehr und mehr wird Serenas manipulative Seite erkennbar. Zeigen sich handfeste Femme-fatale-Qualitäten, die das Ehepaar Pemberton schließlich langsam, aber unaufhaltsam in die Katastrophe stürzen. Gerade hier, an dem Punkt, an dem das Selbstbewusstsein der weiblichen Hauptfigur unheimlichen Machtfantasien und Besitzansprüchen weicht, hätte dem Film ein wenig mehr dramaturgische Sorgfalt nicht geschadet. Vor allem das letzte Drittel wirkt im Vergleich zum ansonsten eher bedächtigen Handlungsaufbau arg forciert. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse, und die Figurenmotivation bleibt mehrfach auf der Strecke. Aus heiterem Himmel etwa entdeckt George sein Mitgefühl und seine moralischen Skrupel wieder, während Serena endgültig zur boshaften Rachegöttin mutiert. Eine Entwicklung, die die feministische Perspektive auf das Geschehen merklich torpediert und ihre Figur, trotz tragischer Vorgeschichte, jeglicher Zuschauer-Sympathien beraubt.

Gleichwohl gelingt es Susanne Bier und Drehbuchautor Christopher Kyle mit ihrer unerbittlichen Zuspitzung, eine durchdringende Spannung aufzubauen, die bis zu den letzten, bedeutungsschwangeren Szenen anhält. Jennifer Lawrence und Bradley Cooper geben ihr Bestes, um die Abgründe ihrer Figuren und den schleichenden Verfall der anfangs harmonischen Beziehung glaubhaft zu vermitteln. Nach der preisgekrönten Tragikomödie "Silver Linings", in der beide als verschrobenes Liebespaar zu sehen waren, gehen sie hier in eine andere, viel bedrohlichere Richtung, was mit Blick auf ein vielseitiges Rollenrepertoire durchaus positiv zu werten ist. Über jeden Zweifel erhaben sind die beeindruckenden Schauwerte des Films, die ständig so etwas wie rauen Western-Charme aufkommen lassen.

Fazit: Susanne Biers imposant ausgestattete Bestseller-Adaption "Serena" zieht den Zuschauer in eine Geschichte hinein, die von Gier, Eifersucht und falsch verstandener Liebe handelt und mit erstaunlicher Konsequenz in die Katastrophe führt. Obwohl die Figurenmotivation und eine saubere Plot-Entwicklung dabei zusehends auf der Strecke bleiben, hat der Film, vor allem gegen Ende, einige mitreißende Spannungsmomente zu bieten.





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