VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
45 Minutes to Ramallah
45 Minutes to Ramallah
© Zorro Film

Kritik: 45 Minuten bis Ramallah (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Bereits mit seinen beiden preisgekrönten Dokus "Lost Children" und "The Green Wave" über die "Grüne Revolution" im Iran 2009, die vom Regime blutig niedergeschlagen wurde, bewies der deutsch-iranische Regisseur Ali Samadi Ahadi, dass er sich gekonnt mit schwierigen, komplexen Themen auseinander setzen kann. Für seine zauberhaften Komödie "Salami Aleikum" wurde Ahadi sogar mit dem Preis der deutschen Filmkritik für das beste Spielfilmdebüt ausgezeichnet. Mit der prekären, aber filmisch bereits dutzendfach umgesetzten Thematik des Nahost-Konflikts beschäftigt sich der Regisseur nun in seinem neuesten Film. Da darin derart viel Konfliktpotential und Zündstoff liegt, entschloss er sich für eine humoristische Herangehensweise. "45 minutes to Ramallah" ist eine pechschwarze Roadmovie-Komödie, die von ihren skurrilen Charakteren lebt, aber letztlich zu wenig wirklich gelungene Gags und satirische Elemente bietet.

"45 minutes to Ramallah" verfügt leider nur über eine Handvoll wirklich guter Gags und komischer Szenen. Der (oft gezwungen daherkommende) schwarze Humor und die vielen restlichen Witze sind doch arg zerfahren geraten und rutschen nicht selten ins übertrieben slapstickhafte und überdreht klamaukige ab. Das ist daher nur selten wirklich komisch und lässt mit ein wenig Wehmut an den großartigen Witz in Ahadis Debütfilm "Salami Aleikum" denken. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters haben die beiden Brüder Rafik und Jamal die Aufgabe, den Leichnam des Verstorbenen von Ost-Jerusalem nach Ramallah zu bringen. Auf dem Papier und der Landkarte eigentlich eine einfach zu bewältigende Aufgabe, liegen zwischen den beiden Städten doch gerade einmal 45 Kilometer. Doch die "kurze" Spritztour entwickelt sich zu einem dreitätigen Chaos-Trip mit allerlei Absurditäten und skurrilen Personen.

Einige dieser Randfiguren sind tatsächlich gelungene Komödien-Charaktere und sorgen für Lacher. So z.B. Julie Engelbrecht als ebenso verführerische wie durchtriebene Russin Olga mit ihren riesigen Gold-Ohrringen, die die beiden Brüder mit dem Diebstahl des Autos samt Leichnam überhaupt erst ins Verderben stürzt und damit eine abgedrehte Ketten-Reaktion in Gang setzt. Auf ihrer Odyssee durch Feindesgebiet werden Jamal und Rafik mal für israelische Agenten, mal für fundamentalistische Dschihadisten gehalten, gefoltert und brutalen Verhörmethoden unterzogen. Ein Gegenspieler der Zwei fasst es an einem Punkt korrekt zusammen: "Kein Auto, kein Geld, keine Papiere". Die Brüder scheinen am Ende und ihre Mission, den letzten Wunsch des Vaters zu erfüllen, endgültig gefährdet. Am Ende bleibt trotz der rasanten Schluss-Viertelstunde ein zwiespältiger Eindruck. Letztlich ist es vielleicht auch so, dass sich das heikle Thema "Nahost-Konflikt" einfach nicht für eine komödiantische Umsetzung eignet. Dafür, dass es Regisseur Ahadi dennoch versucht hat, gebührt ihm Respekt.

Fazit: Mit skurrilen, verschrobenen Figuren ausgestattete Roadmovie-Komödie, deren übertrieben slapstickhafter, arg chaotischer Humor jedoch nur selten zündet.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.