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Die Tochter meines besten Freundes
Die Tochter meines besten Freundes
© Capelight Pictures

Kritik: Die Tochter meines besten Freundes (2011)


"Die Tochter meines besten Freundes" ist eine launige, feinfühlige Indie-Komödie, die mit einem tollen Cast und leisem Humor überzeugt. Die Regie übernahm Julian Farino, der sich in den letzten Jahren einen Namen als Serien-Regisseur machte ("The Office", "Entourage"). Beim Filmfestival in London im vergangenen Jahr wurde der Film wohlwollend von der Kritik aufgenommen. Zu Recht: Anstatt auf Slapstick und Brachial-Humor setzt "Die Tochter meines besten Freundes" auf ein einfühlsamen Humor, interessante Charaktere und überzeugend agierende Darsteller. Der Film lässt sich zudem als Satire auf die scheinheilige, verlogene Idylle des heimeligen Vorstadt-Lebens verstehen. Zwei der Hauptdarsteller – Hugh Laurie und Leighton Meester – kannten sich bereits vor dem Dreh, da sie schon für Dr. House gemeinsam vor der Kamera standen.

In Mittelpunkt des Films steht die ein wenig verklemmte, schüchterne Walling-Tochter Vanessa, die mit ihrem süffisanten Humor als Ich-Erzählerin durch den Film und die chaotischen Ereignisse führt. Sarkastisch kommentiert sie alles und jeden in dieser herzerwärmenden Tragi-Komödie, die zu weiten Teilen von ihren spannenden, außergewöhnlichen Charakteren lebt. Das ist zum einen Vanessa, die verträumt in den Tag hinein lebt und das interfamiliäre Chaos täglich erdulden muss. Ihre Eltern haben sich schon lange nichts mehr zu sagen. Vater David (wie immer herrlich verschroben: Hugh Laurie) ist ein charismatischer aber verbitterter Zyniker der sich am liebsten mit einer Flasche Wodka ins Gartenhäuschen zurückzieht. Mutter Paige befasst sich lieber mit den Auftritten ihres Weihnachts-Chors als mit ihrer Ehe. Im Haus gegenüber wohnen die leicht spießigen Ostroffs, die alles andere als erfreut sind, als ihre attraktive Tochter Nina plötzlich vor der Tür steht und wieder zu Hause einziehen will. Die Situation eskaliert, als David und Nina eine Affäre beginnen und sich die Freundschaft der beiden Familien in eine verbitterte Feindschaft verwandelt. Die Rollen sind dabei allesamt passend besetzt und ermöglichen den Schauspielern eine emotionale, leidenschaftliche Darstellung.

Was dann folgt ist eine über einstündige, extrem unterhaltsame Schlammschlacht zwischen den beiden Familien, in deren Verlauf die gutbürgerliche und heile Welt der Vorstadt-Fassade langsam zu bröckeln beginnt. Dabei verzichtet Regisseur Farino auf übertrieben zotigen, albernen Slapstick-Humor, wie man ihn aus so manch einer Tragikomödie kennt, deren Handlung in der turbulenten, chaotischen Weihnachtszeit spielt und von der komplizierten Liebe eines Paares erzählt. Langsam und unaufgeregt schildert der Film den Zerfall einer Familie und einer Nachbarschaft um auf der anderen Seite aber vom Beginn einer frischen, jungen Liebe zu erzählen. Aus diesem Grund besitzt "Die Tochter meines besten Freundes" – trotz aller Tragik und Streitigkeiten zwischen den Familien – auch einen gewissen Wohlfühl-Charakter und eine positive Grundstimmung. Alles in allem ist der Film weniger zynisch und bissig als das große Vorbild "American Beauty", dem Paradebeispiel für sarkastische Tragikomödien, die den Zerfall gutbürgerlicher Moralkonventionen thematisieren. Wer an "American Beauty" aber seine Freude hatte, kann sich getrost auch "Die Tochter meines besten Freundes" ansehen.
Fazit: Ein überzeugende Cast, eine feinfühlige, langsame Erzählweise und der Verzicht auf zotigen Slapstick-Humor machen aus "Die Tochter meines besten Freundes" eine stimmige Tragikomödie, die den Zerfall einer gutbürgerlichen, scheinheiligen Vorstadt-Fassade thematisiert.




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