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Anonymus - Hauptplakat
Anonymus - Hauptplakat
© 2011 Sony Pictures Releasing GmbH

Kritik: Anonymus (2011)


Wer war William Shakespeare? Seit vielen Jahrzehnten ranken sich die verschiedensten Gerüchte um die Identität des berühmtesten Dramatikers aller Zeiten. Hat tatsächlich ein Theaterbetreiber und Schauspieler Werke wie "Romeo und Julia" und "Hamlet" geschrieben? Oder stammen sie aus der Feder eines anderen Mannes? Steckt vielleicht ein Autorenkollektiv dahinter? Gleich zu Beginn seines unterhaltsamen Filmes "Anonymous" greift Roland Emmerich diese Frage auf, indem er den Shakespeare-Darsteller Sir Derek Jacobi auf einer New Yorker Theaterbühne zeigt. Er beginnt einen Monolog, der die Zuschauer ins 16. Jahrhundert nach England führen wird. Dort ist der mittelmäßige Theaterautor Ben Jonson (Sebastian Armesto) auf der Flucht vor den Häschern des königlichen Beraters Sir Robert Cecil (Edward Hogg). Cecil will herausfinden, wer Shakespeare Werke tatsächlich geschrieben hat, dafür lässt er das Globe-Theater abbrennen und Jonson verhaften. Doch selbst unter Folter schweigt Jonson. Dann geht die Handlung abermals einige Jahre in die Vergangenheit. Zu dieser Zeit begegnete der junge Adlige Edward de Vere (Jamie Campbell Bower) erstmals Queen Elisabeth I. (Joely Richardson), die sich entzückt von seiner Aufführung zeigt. Sie teilen die Leidenschaft für das Theater, welches der einflussreiche und intrigante königliche Berater Sir William Cecil (David Thewils) – Roberts Vater – ablehnt. Edward de Vere aber folgt seiner Leidenschaft, bis er nach dem Tod seines Vaters in die Familie des Theaterfeindes gegeben wird. Fortan will Sir Cecil ihm eine Karriere am Hof verschaffen. Aber de Vere interessiert sich weit mehr für das Theater als für die Politik.

Daraufhin ändert Sir Cecil seine Pläne ändern – und es entspinnt sich ein spannendes und unterhaltsames Intrigenspiel, das gerade am Anfang die volle Aufmerksamkeit des Zuschauers erfordert. Viele Namen fallen, viele Charaktere werden eingeführt. Aber schon nach kurzer Zeit fesselt der Film ungemein. Dazu trägt vor allem bei, dass der nun ältere Edward de Vere von Rhys Ifans gespielt wird. Er überzeugt als unglücklicher, verkannter Autor, der mit seinen Theaterstücken die Welt verändern will. Als Autor will er anonym bleiben, da er mit seinen Stücken ein höheres Ziel verfolgt: Er will die Machenschaften der Cecils am Hofe zu durchkreuzen. Durch mehrere Zufälle wird dann der eitle Schauspieler William Shakespeare als Verfasser dieser Meisterwerke gesehen – und still leidet de Vere angesichts dessen Gebaren und Erpressungen. Als gealterte Königin überzeugt außerdem Vanesse Redgrave, als intriganter Berater ist Edward Hogg herrlich fies. Dagegen sind viele der wichtigeren Nebenrollen überzeichnet. Die Schauspieler übertreiben mit Gestik und Mimik, auch die Sprache – und diesen Film sollte man im Original sehen! – ist teilweise überbetont.

Mit seinem Film liefert Roland Emmerich letztlich keinen innovativen Beitrag zu der Debatte über die Autorenschaft von William Shakespeares Werken. Schon die Rahmenhandlung lässt erkennen, dass hier eine mögliche Version der Geschichte erzählt wird. Stattdessen wird das elisabethanische Zeitalter auch aufgrund der gelungenen und niemals übertrieben prachtvollen Kostüme wieder lebendig. Vor allem aber gelingt es Emmerich, die Begeisterung für Shakespeares Werke spürbar werden zu lassen. Wenn die Schauspieler die Theaterstücke aufführen, de Vere jedes Wort mitspricht, die Zuschauer mitgehen und sich tatsächlich anstacheln lassen, dann wird die Wirkmacht des gesprochenen Wortes und des Theaters beim Ansehen spürbar.

Fazit: "Anonymous" ist ein unterhaltsamer und spannender Film über das Theater und das elisabethanische England.





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