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Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben - Hauptplakat
Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben - Hauptplakat
© 20th Century Fox

Kritik: Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben (2013)


Es war im Jahr 1988 als ein Actionreißer, der an Tempo und Adrenalinachterbahn wie aus einem anderen Jahrzehnt zu kommen schien, Bruce Willis über Nacht zum Hollywood-Superstar machte. Fallen heutzutage Begriffe wie "Nakatomi Tower" oder "Yippie-Ya-Yeah Schweinebacke" weiß jeder Cineast sofort, wovon die Rede ist. Nach drei Teilen Terroristenbekämpfung war allerdings zunächst mal Schluss. Willis wollte nicht mehr in die Rolle des draufgängerischen Cops John McLane schlüpfen, der das ausgesprochene Talent besaß, zur falschen Zeit am falschen Ort zu sein.

Als er dann 2007 doch noch einen vierten Teil nachlegte, war die Fangemeinde zwar erfreut, "Stirb Langsam 4.0" passte mit seiner zeitgemäßen Story um Cyberattentate aber nicht so ganz zum Last-Man-Standing-Charakter der anderen Filme. Zudem uferte die Action an einigen Stellen derart ins Hanebüchene aus, dass er mitunter schon unfreiwillig komisch wurde.

"Stirb Langsam 5 – Ein guter Tag zum Sterben" soll dies nun besser machen und nicht nur die alten Fans versöhnen, sondern auch eine neue Generation ansprechen. Dass ein Action-Veteran, der allmählich auf die 60 zugeht, dafür nicht unbedingt die ideale Projektionsfläche abgibt, versteht sich von selbst. Deshalb zieht Willis diesmal mit Filmsohn Jai Courtney (bekannt aus "Spartacus – Blood and Sand") alias Jack McLane in die Schlacht.

Nicht nur ein zweiter schießwütiger McLane ist aber hinzugekommen, diesmal findet die Zerstörungsorgie in Russland statt. Und tatsächlich, bereits die erste Verfolgungsjagd quer durch Moskau beschert dem New Yorker Cop gleich ein neues Image als lebende Abwrackprämie. Automobilisten blutet indes das Herz, angesichts derart vieler schöner Limousinen, die in wenigen Minuten zu Altmetall verarbeitet werden. An Tempo mangelt es dem neuen "Stirb Langsam"-Sequel mit Sicherheit nicht. Zudem besitzt die Action einen ordentlichen Old-School-Touch und besteht glücklicherweise nicht ausschließlich aus CGI-Sequenzen. Wenig verwunderlich ist jedoch, dass bei einer solchen Masse an geballter Destruktion der Charme zwangsläufig ein wenig verloren geht.

"Stirb Langsam 5 – Ein guter Tag zum Sterben" präsentiert sich als Action-Film einer neuen Zeitrechnung. Passgenau für die Bedürfnisse einer Zielgruppe konfektioniert, die sich satte anderthalb Stunden einem Effektspektakel hingeben möchte. Die ummantelnde Story besitzt dabei im Grunde nicht mehr als einen Alibicharakter; bekommt später zwar noch einen Plotpointe spendiert, die ihrerseits aber eher an moderne Märchenstunde erinnert. Merkmale, wie Mutterwitz und Coolness, welche zumindest noch die ersten drei Filme spürbar kennzeichneten, treten dafür mehr und mehr in den Hintergrund. Zwar fällt auch hier der eine oder andere markige Oneliner, die Gags zünden jedoch nicht mehr so richtig. Wobei es dahingestellt sei, ob es nun am Timing hapert oder sich mittlerweile Abnutzungserscheinungen bemerkbar machen.

Als weiteres Manko erweist sich die Absenz eines echten Antagonisten. Den beiden McLanes stehen zwar eine Reihe von Muskelmännern und Handlangern gegenüber, die zuweilen über reichlich skurrile Züge verfügen, ein charismatischer Big-Boss geht dem Geschehen allerdings ab. Regisseur John Moore ("Max Payne") zaubert stattdessen einen Vater-Sohn-Konflikt aus den Zylinder, der mit seinen Dramaqualitäten eindeutig in das Homöopathie-Regal gehört und überhaupt nicht mit McLanes Eheproblemen mithalten kann, die im allerersten "Stirb Langsam" in einer ordentlichen Story eingebettet waren. Die Kommunikationsprobleme zwischen Vater und Sohn wirken im Vergleich dazu bei den Haaren herbeigezogen – und interessieren im Übrigen auch keinen.

Ein Gefühl der Ausweglosigkeit, der Agonie, dass den Zuschauer daran zweifeln ließe, ob die Protagonisten dies alles am Ende heil überstehen werden, stellt sich zudem eher selten ein. Situationen, in denen Normalsterbliche längst ihr Leben ausgehaucht hätten, gibt es zwar nicht gerade wenige, McLane & Sohn meistern das alles aber mit solcher Routine und finden, wann immer sie es benötigen, wie im Kofferraum einer Tschetschenen-Karrosse, auch stets genug Schießprügel, um sich aus der Affäre zu ziehen (schließlich fährt doch jeder Tschetschene mit ein paar Kalaschnikows im Kofferraum spazieren). Über solche Details aber zu sehr nachzudenken, könnte den Spaß schlussendlich aber vollends verderben.

Fazit: Tiefgründig war die "Stirb Langsam"-Reihe zwar noch nie. Zumindest hatte man aber das Gefühl, dass sich bisher stets um eine halbwegs stimmige Story bemüht worden war. Vorbei sind diese Zeiten, dem aktuellen Trend folgend, springt nun auch "Stirb Langsam 5 – ein guter Tag zum Sterben" auf die Nonstop-Action-Lokomotive auf und sorgt für Durchzug im Oberstübchen.




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