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Planet der Affen: Prevolution
Planet der Affen: Prevolution
© 20th Century Fox

Kritik: Planet der Affen: Prevolution (2011)


Es war mitten im Kalten Krieg, während zwei Supermächte vor Nuklearwaffen starrend, sich gegenüber standen und um die Vorherrschaft über die Welt rangen, da gelangte ein ganz besonderer Science-Fiction-Film in die Kinos: In "Planet der Affen" wurde das Ringen der Blöcke und der ideologischen Systeme auf einen evolutionären Kampf um die nackte Existenz übertragen, zudem wurde zum ersten Mal überhaupt die (gottgewollte?) Alleinstellung des Menschen als dominante Spezies, die sich diesen Planeten unterworfen hat, konsequent in Frage gestellt.
In der Hauptrolle damals Charlton Heston als Astronaut George Taylor, der im Tiefschlaf mit seiner Crew in einem Raumschiff, dass nahezu mit Lichtgeschwindigkeit durchs All schoss, zu einem Planeten unterwegs war, der 300 Lichtjahre von der Erde liegen sollte. Als sie dort eine Bruchlandung machten, entdeckten sie überraschenderweise, dass über diese Welt Affen herrschten, wohingegen menschliche Wesen über keine nennenswerte Intelligenz verfügten. Und zuletzt offenbarte sich sogar, dass dies die Erde in einer weit entfernten Zukunft war.
Das alles ist heute Filmgeschichte, doch mit insgesamt fünf Filmen, die zwischen 1968 – 1973 ins Kino kamen, wurde ein großer epischer Bogen gespannt, unter dem viele sozial- und zeitkritische Fragestelllungen Platz fanden. Darunter die wichtigste aller, ob die menschliche Spezies, die sich sogar gegenseitig bereitwillig umbringt, überhaupt tolerant genug sein könnte, eine andere intelligente Spezies neben sich zu dulden.

Der aktuelle Reboot, "Planet der Affen: Prevolution", der als Pre-Prequel an den Urbeginn der Saga zurückgeht, handelt von dem jungen Wissenschaftler Will Rodman (James Franco), der verzweifelt nach einem Heilmittel gegen die Altersseuche Alzheimer sucht. Da sein Vater von dieser furchtbaren Krankheit betroffen ist, hat er ein ausgesprochen persönliches Interesse an raschen Fortschritten. Um diese zu erzielen nimmt er Experimente an den Gehirnen von Menschenaffen vor. Tatsächlich stellen sich bald erste Erfolge ein, die aber leider nicht von Dauer sind. Als Nebeneffekt ist es ihm allerdings gelungen die Intelligenz der Affen dauerhaft zu steigern. Der Klügste unter ihnen, Caesar, ist sogar so weit seine und die Gefangenschaft seiner Artgenossen ernstlich in Frage zu stellen.

Trotz seiner relativ kompakten wenig mehr als 100 Minuten, gelingt es dem Film einen erstaunlichen Tiefgang an den Tag zu legen. Es wäre zwar übertrieben gleich von ausgefeilten Psychogrammen zu reden, aber die zwischenmenschlichen oder Interspezies-Aspekte zeigen sich für die Entwicklungen im Film genauso entscheidend, wenn nicht gar bedeutender, als die genial in Szene gesetzten Primaten. Das verdankt man in diesem Falle dem Performance-Capture-Verfahren, dass bereits in "Avatar" zur Animierung der Figuren Verwendung fand und einem kongenialen Andy Serkis, der nach Gollum aus "Der Herr der Ringe" und "King Kong" nun auch dem Schimpansen Caesar Leben verleihen durfte. Dank solch guter Balance aus erzählerischen Elementen und intelligent eingesetzten Spezialeffekten (sogar ganz ohne 3D!), sowie einem bestens aufgelegten James Franco - der schon in "127 Hours" absolut überzeugte und regelrecht von Film zu Film besser zu werden scheint - wird man schnell in die Handlung hineingezogen und bis zum Ende schlichtweg an den Kinosessel gefesselt.
Das Nonplusultra an diesem Blockbuster der als absolut eigenständige Neuadaption der Urgeschichte verstanden werden muss, ist aber vor allem, dass er inklusive des nicht schematisch gezeichneten Finales darauf verzichtet, plump zu moralisieren und es jedem einzelnen überlässt, seine persönliche Entwirrung aus richtig oder falsch und verzeihlich oder unentschuldbar in diesem ethischen Knäuel mit seinen komplizierten Fragestellungen zu finden.

Fazit: Genauso müssen Big-Pictures sein. Neben visuellen Aha-Effekten muss eine stimmige Story vorhanden sein sowie ein epischer Bogen gespannt werden, der dieses besondere Larger-than-Life-Feeling aufkommen lässt, dass noch lange Zeit nachwirkt. In diesem Sinne hat "Planet der Affen: Prevolution" alles richtig gemacht, und wir dürfen bereits jetzt auf mehr gespannt sein.




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