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Die drei Musketiere
Die drei Musketiere
© Constantin Film

Kritik: Die drei Musketiere (2010)


Die eine oder andere Adaption haben die Romane Alexandre Dumas bereits hinter sich. Die bekanntesten darunter, die Abenteuer der drei, respektive vier Musketiere. Dumas war allerdings ein richtiger Vielschreiber und so verdankt ihm die Welt neben allerlei Mantel-und-Degen-Stoff, darunter Klassiker wie "Der Graf von Monte Christo", auch eine Menge Theaterstücke, historische Romane, Reiseliteratur und sogar Kochbücher.
Kaum eine andere Erzählung ist aber bei jung und alt gleichermaßen beliebt, wie die um die Musketiere. Die letzte große Hollywood-Verfilmung stammt aus dem Jahre 1993. Damals mit Stars wie Charly Sheen, Kiefer Sutherland, Oliver Platt und Tim Curry. Die aktuelle müht sich, zumindest auf dem Papier einen ähnlich eindrucksvollen Cast vorzuweisen: Fast schon obligatorisch für einen Paul W.S. Anderson Film dabei ist die Besetzung einer der vorderen Plätze mit Gattin Mila Jovovich; einigen vielleicht noch aus Luc Bessons, mit dem sie seinerzeit liiert war, "Das Fünfte Element" bekannt, den meisten aber vermutlich wegen ihrer Auftritte in der "Resident Evil"-Reihe ein Begriff; in denen Anderson gleichfalls Regie führte. Hier nun darf sie als M'lady De Winter ihr Können unter Beweis stellen. Glanz verleihen der Produktion aber erst Orlando Bloom, als machtbesessener Duke of Buckingham und Christoph Waltz, als intriganter Kardinal Richelieu. Und abgerundet wird das Ganze mit Mads Mikkelsen, der den skrupellosen Handlanger des Kardinals, Rochefort, zum Besten gibt.
Bleibt die Frage, inwieweit es gelungen ist, einen zeitgemäßes Musketier-Abenteuer auf die Leinwand zu zaubern: Nun, auf jeden Fall gelang, ein hanebüchenes Fantasy-Lookalike Spektakel zu inszenieren, dass sich keinen Deut um die literarischen Vorlagen schert, auf historische Authentizität pfeift und selbst die Gesetze der Physik völlig außer Acht lässt. "Die Drei Musketiere" präsentiert sich als auf Hochglanz polierter Actionstreifen, der auf historisch macht und sich dabei keine Sekunde zu schade ist, durch seine Optik, den Score und die Art und Weise wie die Klingen wirbeln, in den Fahrwassern der "Pirates of the Carribean"-Reihe zu fischen. Fürs Auge ist dabei eine Menge Kurzweil herausgesprungen, wenn auch der gesamten Visualisierung etwas Antiseptisches anhaftet. Sollte dies aber die erste Begegnung mit Alexandre Dumas Helden sein, die Vergleichsmöglichkeiten demnach fehlen und man darüber hinaus weder auf der Suche nach Herz noch nach Hirn in solch einem Film sein, wird man vortrefflich beflimmert. Zählt man allerdings zu der Fraktion, die womöglich noch die Verfilmung aus den 70ern mit einer fantastischen Faye Dunaway als Milady de Winter schätzte, dann wird das Grauen vermutlich nicht größer sein können, falls man sich aktuell ins Kino verirrt.
Das größte Problem hierin ist nämlich mit Mila Jovovich gleich ausgemacht: Ihr gehören eindeutig die übelsten aller Szenen und die dümmlichsten aller Dialoge. In den Augenblicken, in denen diese Frau den Mund aufmacht, möchte man sich am liebsten vor lauter Fremdschämen unterm Sessel verkriechen, und ihr theatralisches Laientheater würde selbst auf einer Dorfbühne Stürme der Empörung hervorrufen. Am Schlimmsten aber vielleicht, dass Anderson nicht halt davor macht, Jovovich bei jeder noch so unpassenden Gelegenheit in bester "Resident Evil"-Manier posieren zu lassen. Das lässt den Film zuweilen derart unfreiwillig komisch wirken, dass dagegen die englische Flotte, die in fliegenden Kriegsschiffen angesegelt kommt, geradezu sinnig erscheint. Inhaltlich erweist sich die ganze Inszenierung zuletzt als derart dünn, dass selbst die beiden passionierten Bösewichtern Waltz und Mikkelsen, die überdies viel zu verhalten agieren, nur wenig dazu beitragen können, das Niveau zu haben.

Fazit: Endlich ist die Hirnfrei-CGI-Spektakel-Fraktion bei der Weltliteratur angekommen und darf diese durch den cineastische Wolf drehen, bis ein absolut mainstreamiges Filmchen herauskommt, dem es an allen Ecken und Enden an Seele mangelt. Hauptsache, es ist ständig was los, damit man keine Sekunde auf die Idee kommt, den eigenen Konsum zu hinterfragen.




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