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Jane’s Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall
Jane’s Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall
© Universum Film

Kritik: Jane's Journey - Die Lebensreise der Jane Goodall (2010)


Sie wolle nicht länger mit der Wissenschaftlerin aus "Gorillas im Nebel" verwechselt werden. Mit diesem Satz fasst Jane Goodall amüsiert zusammen, warum sie an einem Film über ihr Leben mitwirkt. Tatsächlich erzählt "Jane's Journey" von Lorenz Knauer die Geschichte einer außergewöhnlichen Frau.

Schon als Kind hat Jane Goodall davon geträumt, eines Tages nach Afrika zu reisen. Zu der damaligen Zeit war dieses Vorhaben für eine Frau kaum zu bewältigen. Dennoch ging Jane Goodall im Alter von 20 Jahren ohne biologische Ausbildung auf Geheiß des Anthropologen Louis Leakey in den Gombe Nationalpark nach Tansania, um dort Schimpansen in der freien Wildbahn zu beobachten. Ihre Aufzeichnungen sorgten für mitunter bahnbrechende Erkenntnisse. Beispielsweise entdeckte sie, dass Schimpansen Werkzeuge herstellen können – bis dahin gingen Wissenschaftler davon aus, dass nur der Mensch über diese Fähigkeit verfügt.
In diesem ersten Drittel erlaubt der Dokumentarfilm beinahe schon intime Einblicke in das Leben von Jane Goodall, einer schüchternen junge Frau, die ihre Heimat in Afrika gefunden zu haben scheint. Anhand von Fotos und Archivmaterial erzählt Knauer von ihrer ersten Ehe mit einem Natur-Fotografen, der Geburt ihres Sohnes und dem Leben der jungen Familie in Afrika. Auch kritische Momente werden nicht ausgespart, so ist in den Stellungnahmen ihres Sohnes deutlich herauszuhören, dass er mit seinem Leben in Afrika und einer Mutter, die sich mehr und mehr der Rettung der Natur verschreibt, nicht immer glücklich war. Auch sein Verhältnis zu seinem Stiefvater beschreibt er als schwierig – während Jane Goodall ihn als die große Liebe ihres Lebens bezeichnet. In diesen Einstellungen ist der Zuschauer dem Menschen Jane Goodall sehr nah, aber leider verliert Knauer diese Nähe zu seiner Protagonistin. Im weiteren Verlauf tritt zunehmend Jane Goodalls umweltpolitisches Engagement in den Vordergrund. Insbesondere der letzte Teil des Films wirkt wie eine Aufzählung der vielen Projekte, die Jane Goodall initiiert hat. Dadurch bleibt der Film zwar weiterhin interessant, aber eher als Informationsfilm über ihre Arbeit denn als "Lebensreise" von Jane Goodall.

Je weiter der Film voranschreitet, desto spürbarer wird außerdem das Fehlen einer eigenen Perspektive des Filmemachers, die das erstaunliche Leben gliedert. Lorenz Knauer spart jegliche Schwierigkeiten im Leben von Jane Goodall aus, er thematisiert weder die Hindernisse, mit denen sich eine junge Frau in der männerdominierten Wissenschaft konfrontiert sah, noch Kritik an ihrer Arbeit. Dadurch entsteht der Eindruck, Jane Goodall verdanke ihren Ruhm eher einem glücklichen Zufall denn ihrer Beharrlichkeit. Stattdessen kommen prominente Persönlichkeiten wie Angelina Jolie oder Pierce Brosnan zu Wort, die sicherlich den Projekten wertvolle öffentliche Aufmerksamkeit bringen – für Jane Goodalls Lebensgeschichte dürften indes andere Personen bedeutsamer sein.

Glücklicherweise ist Jane Goodall eine der charismatischsten Persönlichkeiten des Jahrhunderts – und so erreicht "Jane's Journey" immerhin ein Ziel: Am Ende dieses Films möchte der Zuschauer selbst etwas für den Erhalt der Umwelt beitragen und sein Verhalten überdenken. Und das ist ja auch schon was.

Fazit: Insgesamt fehlt "Jane's Journey" eine eigene Perspektive des Filmemachers, aber Lorenz Knauer kann sich auf seine Protagonistin verlassen. Dank ihrer Ausstrahlung und ihres unermüdlichen leidenschaftlichen Einsatzes für die Rettung der Welt sieht der Zuschauer über die Schwächen des Films weitgehend hinweg.




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