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Du hast es versprochen - Hauptplakat
Du hast es versprochen - Hauptplakat
© Falcom Media Group

Kritik: Du hast es versprochen (2010)


Wo steht der deutsche Film heutzutage? In diesem Jahr haben schwere Brocken wie „Für Elise“, „Was bleibt“ und „Gnade“ zermürbend theatralisch frostige Familiendramen zelebriert. Daneben gab es mit „Frisch gepresst“, „Mann tut was Mann kann“ u.ä. unzählige halbgare Fließbandkomödien. Detlev Buch brachte mit „Die Vermessung der Welt“ ein ambitioniertes Epos-Projekt auf die Leinwand, während Til Schweiger mit „Schutzengel“ krampfhaft eine Ähnlichkeit zum Hollywood-Blockbuster aufzubauen versuchte und Tom Tykwer („Cloud Atlas“) gleich ganz in die USA abgehauen ist. Und zu allem Überfluss sammelt der erfolgreichste Filmemacher Deutschlands, Uwe Boll, fleißig Negativ-Preise ein.
Auf was man in diesem Jahr im deutschen Film kaum gestoßen ist, ist der Genrefilm – was sich nun mit Alex Schmidts Debütfilm „Du hast es versprochen“ ändern soll: Ihr Beitrag zum diesjährigen deutschen Filmschaffen versucht sich zugleich am Psychothriller, wie am Mysteryhorror a la M. Night Shyamalan, wuselt über 80 Minuten einigermaßen ambitioniert vor sich hin – um sich dann doch sang und klanglos den Genre-Albernheiten zu ergeben.

Auf recht rustikale Weise schustert Schmidt sich den Plot zu ihrem Horrorthriller zusammen. Natürlich dürfen Genre-Beiträge auch Genre-Stilmittel beinhalten - sonst wären es ja auch kein Genre-Filmchen mehr. Doch für Jung-Regisseurin Schmidt galt offenbar: Rezeptbuch „Horrorthriller“ durchblättern, die Highlights ausfiltern und einbauen. Was haben wir da: Eine vom Festland abgeschnittene Insel, ganz viel Nebel im unheimlichen Märchenwald, eine einsame Hütte mitten in der Ödnis und – wie sollte es auch anders sein – ein Gärtner, der vor Unheil warnt. Das einzige was hier noch fehlt sind fünf Collage-Studenten, die von Zombies attackiert werden. Die streicht Schmidt und fügt lieber das süße kleine Mädchen aus „The Ring“ ein. Gut so, denn sobald ihre Hauptfigur Hanna nicht nur in ihrer Vergangenheit stochert, sondern von mysteriösen Attacken heimgesucht wird, gelingt es „Du hast es versprochen“, seinen bis dahin verborgenen Reiz auszuspielen: Ein paar Horror-Taschenspielertricks für Anfänger. Angst verzerrte Blicke von Hauptdarstellerin Mina Tander, die durch dunkle Räume wandern darf und dazu Katharina Thalbach als Knusper- Hexe der extravaganten Sorte. Ja, richtig gelesen: Sogar einige bekannte Gesichter des deutschen Kinos hat Schmidts Debütfilm angezogen.

Seinen Zuschauer hinters Licht zu führen, ist ein leichtes. Ihm aber gleichzeitig ein in sich schlüssiges Gesamtprodukt zu verkaufen, ohne dass dieser von Kopfschmerzen geplagt aus dem Kino rennt, ist die Meisterprüfung. Wie eine solche Meisterprüfung aussieht, zeigte Schmidts heimliches Regisseur-Vorbild M. Night Shyamalan und dessen meisterlicher „The Sixth Sense“. Dagegen jagt „Du hast es versprochen“ so dramatisch weit an einer ausreichenden Note vorbei, wie Felix Magath an der Prüfung zum „menschlichen Umgang mit Fußballspielern“. Schmidts Fehler: Krampfhaft wird der Genre-typische Twist gesucht: Die Falle, die dem Zuschauer den Boden unter den Füßen wegziehen soll. Doch was hier weggezogen wird, ist das letzte Fünkchen Logik hinter dem gesamten Konstrukt.

Fazit: Debütantin Alex Schmidt versucht sich an einem deutschen Mystery-Horrorrthriller und für diesen Versuch an sich gebührt ihr Respekt. Nicht aber für die Umsetzung, denn die ist leider hanebüchen.




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