VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die fantastische Welt von Oz
Die fantastische Welt von Oz
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Die fantastische Welt von Oz (2013)


1939 war es ein uramerikanisches Ideal, welches Victor Flemings Verfilmung des L. Frank Baum Romans - „Der Zauberer von Oz“ - beseelte und zu einem der größten Kinderfilme aller Zeiten machte. „Somewhere over the Rainbow“, sang da die junge Dorothy Gayle aus Kansas und träumte vom gelobten Land. Was dann folgte, die Welt von Oz, war eine kunterbunte Mischung aus kindlicher Phantasie und dem amerikanischen Traum. Und auch wenn Dorothy am Ende ihrer Mutter versicherte, dass es zu Hause am schönsten sei: die Welt von Oz war es, die das amerikanische Fantasy-Kino für immer prägen sollte. So sehr, dass jedes Kind in Amerika die Geschichte von Dorothy und ihren drei Freunden kennt. Mag es da verwundern, dass L. Frank Baums Geschichte wieder aufgegriffen wurde?
Nicht wirklich. Nicht in einer Zeit, in der der Darstellungsfähigkeit mittels CGI im Kino keinerlei Grenzen mehr geboten ist. Und besonders nicht bei einem Mega-Konzern wie Walt Disney, wo gar ein längst verbrannter und bestatteter Darth Vader noch einmal zum Leben erweckt werden soll.

Vor 74 Jahren fehlte dem charmanten Blechmann ein Herz, dem weinerlichen Löwen der Mut und der cleveren Vogelscheuche ein Gehirn. Am Ende, so weiß es jedes Kind, geht der Wunsch jeder dieser Figuren in Erfüllung. Nicht weil der mächtige Zauberer von Oz ihnen einen Gefallen tut, sondern weil sie alle Herz, Hirn und Mut längst besitzen. Es braucht nur einen Freund, der es ihnen zeigt.
Sam Raimi hat sich vielleicht auf die falschen Freunde eingelassen. Eigentlich, so weiß man von seinen früheren Filmen, besitzt er alle Fähigkeiten, großes, märchenhaftes Fantasy-Kino zu zeigen. Doch davon ist in seinem neuen Werk nicht viel zu spüren: Statt auf Herz setzt Raimi auf allzu bekannten, Klischee beladenen Kitsch. Statt auf Mut setzt er auf die Austauschbarkeit einer kleinen "coming-of-age" Geschichte inmitten einer rührseligen Liebesgeschichte. Statt auf ein Hirn vertraut er auf die plakativen Möglichkeiten groß aufgezogener Tricktechnik. Auch wenn Raimi nicht nur auf pompöse Spezial-Effekte zurückgreift, sondern ebenso mit echten Requisiten und Bauten gearbeitet hat, zeigen sich in der fantastischen Reise von Oz die Grenzen überschwänglich eingesetzter CGI-Effekten: Astreine PC-Welten können phantastisch aussehen, regen aber noch lange nicht die Phantasie an. Viel zu aufdringlich gibt dieses mit Details vollgestopfte Universum dem Zuschauer das Innenleben einer Welt vor. Sam Raimi macht aus der fantastischen Welt von Oz eine Zirkusattraktion zwischen schlecht animierten Pop-Up Effekten und einer Schwindel erregenden Kameraführung, die den Zuschauer mit pausenlosem Input überfüttert, aber nicht sättigt.

„Die fantastische Welt von Oz“ bündelt all die Schwächen, die das heutige Popcorn-Kino im Worst-Case-Szenario zum Stolpern bringt: Alles soll nicht nur spektakulär oder spektakulärer sein, sondern am spektakulärsten. Doch damit wird weder das Herz des Zuschauers, noch dessen Seele berührt. Davon wurde noch niemand in den Stuhl gepresst oder zum Mitfiebern bewegt. Unterstrichen wird damit einzig, welch große Rolle Schauwerte und Sensationslust im 21. Jahrhundert spielen und wie wenig hingegen authentische Charakterzeichnungen.

James Franco ist in seiner "schwindelerregenden" Rolle stetig bemüht, verliert sich aber im Overacting. Michelle Williams verfängt sich trotz ihrer längst bewiesenen schauspielerischen Fähigkeiten in einer Art dauergrinsenden Dämmerschlaf und Mila Kunis als böse Hexe wird gänzlich um ihr Potenzial betrogen. Auch die Nebenfiguren fügen sich dieser Devise: Waren Victor Flemings Charaktere noch eigenständige – der Löwe, der Strohmann, der Metallmann - so wirken der fliegende Affe oder die kleine Porzellanpuppe wie austauschbare Zeitarbeiter, die lediglich als Sidekicks für harmlose Witzchen oder Triefnasen-Momente eingesetzt werden.

Fazit: Im gleichgeschalteten Disney-Look gehalten, wirkt jedes Detail dieser neuen „fantastischen Welt von Oz“ oberflächlich perfektioniert, ohne dabei Raum für Eigenentdeckungen, Phantasie und jene Philosophie zu lassen, die das Original von Victor Fleming so groß machte.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.