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Lone Ranger - Internationales Poster
Lone Ranger - Internationales Poster
© Disney Enterprises, Inc. and Jerry Bruckheimer Inc. All Rights Reserved

Kritik: Lone Ranger (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Eigentlich sollte das, dem Vernehmen nach 250 Millionen Dollar teure, Disney-Projekt die triumphale Rückkehr des fiktiven Lone Rangers einläuten, der nach 1933 durch eine Radioshow und später eine Fernsehserie zu einer popkulturellen US-Ikone aufgestiegen war. Doch wie so oft im Filmgeschäft ist Erfolg nicht beliebig planbar. Obwohl sich mit Produzent Jerry Bruckheimer, Regisseur Gore Verbinski und Johnny Depp drei der kreativen Köpfe hinter dem unfassbar einträglichen "Fluch der Karibik"-Franchise zusammenfanden, stand die Western-Produktion unter einem eher schlechten Stern. Widrige Wetterverhältnisse erschwerten den Dreh, und das Streben nach absoluter historischer Akkuratesse führte zu einer Explosion der Herstellungskosten, was die Disney-Verantwortlichen nachhaltig verstimmte. Größtenteils niederschmetternde Kritiken und denkbar schlechte Einspielergebnisse in den USA lassen vermuten, dass das Western-Epos zu einem der größten Flops im Kinojahr 2013 avancieren könnte.

Allen abschlägigen Unkenrufen zum Trotz weist "Lone Ranger" durchaus gute Ansätze und unterhaltsame Passagen auf. Insbesondere die Dynamik zwischen dem anfangs rechtschaffenen John Reid und seinem exzentrischen Begleiter Tonto sorgt immer wieder für komisch-absurde Situationen. Anders als es der Titel des Films vermuten lässt, treten die beiden grundverschiedenen Charaktere als annähernd gleichberechtigte Partner auf, die sich, wie es die Regeln des Buddy Movies verlangen, nur langsam aneinander gewöhnen. Auch wenn viele Kritiker beklagen, dass der von Johnny Depp verkörperte Tonto einer indianischen Wiedergeburt des Piratenkapitäns Jack Sparrow gleichkomme, gelingt es dem eigenwilligen Schauspieler einmal mehr, eine eigenständig funktionierende Figur zu kreieren, der die witzigsten Momente des Films vorbehalten sind. Neben dem ausgefallenen Outfit, samt toter Krähe als Kopfschmuck, verleiht dem Indianer auch die seltsam-einsilbige Sprechweise ein amüsantes Charisma.

In filmischer Hinsicht wissen Regisseur Verbinski und Kameramann Bojan Bazelli vor allem mit einer Reihe von atemberaubenden Landschaftsaufnahmen zu fesseln, die über ihr anmutiges Erscheinungsbild weit hinausgehen. So lassen mythisch aufgeladene Orte wie das Monument Valley Erinnerungen an große Western-Klassiker, beispielsweise die Werke eines John Ford, aufleben. Ebenso eindrücklich geraten die meisten der aufwendig in Szene gesetzten Actionpassagen, darunter eine bleihaltige Auseinandersetzung auf zwei parallel fahrenden Zügen.

All diese positiven Eindrücke können letztlich jedoch nicht über die mehr als unglückliche Tonalität des Films und sein schwaches Drehbuch hinwegtäuschen. Von verspielt-überdrehten Slapstick-Einlagen bis blutrünstigen Grausamkeiten zieht "Lone Ranger" alle erdenklichen Register. Tragik und Komik gehen nicht selten fließend ineinander über, was viele Szenen fahrig und willkürlich erscheinen lässt. Zudem zeigt sich sehr schnell, dass die zugrunde liegende Geschichte eigentlich nicht ausreichend Stoff für 150 durchweg mitreißende Minuten liefert. Die recht simple Story-Line wird daher immer wieder von halbherzig eingestreuten Nebensträngen – beispielsweise der oberflächlich entwickelten Hintergrundgeschichte Tontos – durchzogen. Insbesondere im letzten Drittel wirkt das Geschehen unnötig gestreckt, als wollten die Macher die epische Breite der Handlung gewaltsam erzwingen. Ein wenig aufgesetzt kommt auch die wiederholt eingeschobene Rahmenerzählung daher, in der ein gealterter Tonto einem kleinen Jungen bei einer Wild-West-Ausstellung im Jahr 1933 von seinen unglaublichen Erfahrungen mit dem Lone Ranger berichtet. Wenngleich es löblich ist, der indianischen Hauptfigur die Hoheit über die filmische Perspektive zu geben, drängt sich immer wieder der Eindruck auf, dass hier lediglich auf sehr plumpe Weise die mythische Qualität der erzählten Geschichte beschworen werden soll.

Fazit: Der erzählerisch halbgare und in seiner Tonlage seltsam schwankende "Lone Ranger" lebt vor allem vom Zusammenspiel der beiden Hauptfiguren und einigen rasanten Actionsequenzen. Mehr als durchschnittlich unterhaltsame Blockbuster-Kost bringen die Macher der "Fluch der Karibik"-Reihe dieses Mal nicht zustande.





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