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Der blaue Tiger
Der blaue Tiger
© 2013 farbfilm verleih

Kritik: Der blaue Tiger (2012)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der tschechische Kinderfilm „Der blaue Tiger“ ist ein Plädoyer für die Macht der Fantasie. Außerdem verteilt er kritische Seitenhiebe auf Phänomene der modernen Gesellschaft, wie der sterilen Stadterneuerung und dem Streben nach dem schönen Schein. Im Mittelpunkt steht ein eigensinniges, unangepasstes Mädchen, das mit seiner Mutter, seinem kleinen Freund und dessen Vater in ein Abenteuer zwischen Fantasie und Wirklichkeit gerät. Der versponnene, kontemplative Film hebt sich deutlich von der Mainstream-Unterhaltung für die junge Zielgruppe ab. Das Regiedebüt von Petr Oukropec basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Tereza Horváthová.

Johanna fühlt sich am wohlsten, wenn sie in den Gewächshäusern des botanischen Gartens nach den Goldfischen schaut oder den Kakteen etwas vortanzt. In der Schule fällt sie unangenehm auf, zum Beispiel weil sie die Bank vollzeichnet. Selbst die Plakate des Bürgermeisters verschont sie nicht. Um diese eigenwillige, realistisch und sympathisch wirkende Hauptfigur gruppieren sich weitere deutlich konturierte Typen wie die liebevoll-unordentliche Mutter oder der eigenbrötlerische Gärtner Blume. Obwohl die Dialoge der Figuren durchaus kernig und manchmal unkorrekt sind, liegt eine possenhafte Stimmung in der Luft, die den dramatischen Themen den Ernst gleich wieder abspenstig macht.

Das stilistische Hauptmerkmal ist die Verknüpfung von Animation, die Johannas Fantasie entsprungen ist, mit der Realfilmebene und der äußeren Wirklichkeit. Daraus entwickelt sich eine schöpferische Dynamik, die für konstante Neugier sorgt. Die urigen Kulissen im botanischen Garten und in Johannas unaufgeräumter Wohnung werden dem Begriff „kreatives Chaos“ auf das Schönste gerecht. Die Fenster der Gewächshäuser sind trübe, überall liegen alte Gegenstände herum, mit denen man noch etwas anfangen könnte. Diese inspirierende Oase wird mit den Plänen des Bürgermeisters kontrastiert, ein Viertel zu schaffen, indem „alles, was nicht hierher gehört, sofort entdeckt“ wird.

Johannas Abenteuer behält bis zum Schluss etwas Rätselhaftes und verlangt vom Zuschauer viel eigene Interpretation. Dabei werden aber etliche Themen, etwa die Beziehung von Johannas Mutter und Mathias' Vater, so problematisch eingeführt, dass sie dann auch besser erklärt werden müssten. Der künstlerisch anmutende Stil des Films dürfte folglich diejenigen Zuschauer, die sich eine handfestere, eindeutigere Geschichte gewünscht hätten, nur bedingt entschädigen.

Fazit: Der versponnene tschechische Familienfilm „Der blaue Tiger“ bietet mit seiner eigenwilligen Mischung aus Wirklichkeit und Fantasie Kontemplation für Kinder. Den Genuss seiner visuellen und atmosphärischen Reize aber schmälert der rätselhafte inhaltliche Verlauf.




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