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Die Eiserne Lady - Hauptplakat
Die Eiserne Lady - Hauptplakat
© Concorde

Kritik: Die Eiserne Lady (2012)


Margaret Thatchers Leben ruft nahezu nach einer Verfilmung. Geboren 1925 als Tochter eines Gemischtwarenhändlers studierte sie in Oxford Chemie und wurde 1950 Kandidatin der Konservativen Partei in Dartford. Sie heiratete den erfolgreichen Geschäftsmann Denis, bekam zwei Kinder und zog schließlich 1959 ins Unterhaus ein. Elf Jahre später wurde sie Staatssekräterin für Bildung und Wissenschaft unter Premierminister Edward Heath, den sie an der Parteispitze der Konservativen Partei 1975 ablöste. Im Jahr 1979 wurde sie die erste weibliche Regierungschefin in Europa. Schon damals trug sie den Beinamen „Die Eiserne Lady“, der ihr von der Sowjetunion aufgrund ihrer eisernen Opposition gegen den Kommunismus gegeben wurde. In ihre Regierungszeit fallen zahlreiche Anschläge der Irish National Liberation Army und IRA, die Hungerstreiks im "Maze Prison", gewaltsame Proteste gegen ihre radikalen Sparmaßnahmen, der Falkland-Krieg und der Mienenarbeiter-Streik, sie überlebt ein Attentat der IRA, sorgt für einen wirtschaftlichen Boom und steht bis 1990 an der Spitze der Regierung. Danach zieht sie sich ins Privatleben zurück.

Über dieses Leben könnte man einen Film machen, in dem eine Frau gegen gesellschaftliche Widerstände, Klassendenken und Vorurteile ankämpft. Oder eine Biographie, die die Geschichte Großbritanniens, innenpolitische Zustände, den Konservatismus, die britische Sonderrolle in Europa oder eine Bestandsaufnahme dieser Regierungszeit enthält. Doch in "The Iron Lady" wird keine dieser Geschichten erzählt. Stattdessen reiht das Drehbuch von Abi Morgan Schlaglichter aus dem Leben von Margaret Thatcher aneinander, ohne jemals eine Position zu ihr zu entwickeln. Die historischen Ereignisse werden von Regisseurin Phyllida Lloyd vornehmlich in oberflächlichen Montagen abgehandelt, die aus dem Leben und Wirken von Margaret Thatcher eine Reihe von Erlebnissen machen. Dem Film fehlt eine Struktur. Am ehesten ist noch das Thema politische Führung als roter Faden auszumachen, allerdings beschränken sich Regisseurin und Drehbuchautorin hier auf einige Floskeln im Stile von "früher zählte, was man denkt, heute, was man fühlt". Dadurch geht die Komplexität des Charakters von Margaret Thatcher verloren. Hinzu kommt eine operettenhafte Inszenierung, in der zu viel und zu aufdringliche Musik eingesetzt wird, und eine Kameraführung, die Margaret Thatcher durch Unterperspektiven und Verlangsamungen hervorzuheben sucht. Doch insgesamt ist "The Iron Lady" weder eine Demontage noch eine Huldigung, sondern bleibt seltsam farblos.

Und so liegt es letztlich allein an Meryl Streep, diesen Film zu retten. Sie wird zu Margaret Thatcher, sie verkörpert sie nicht nur, sondern geht völlig in ihr auf. Ihre Stimme, ihre Gesten und ihre Mimik verschmelzen mit der historischen Persönlichkeit. Dabei überzeugt sie vor allem in den Szenen, in denen die gealterte Margaret Thatcher in ihrem Schlafzimmer umherwandert, mit ihrem längst verstorbenen Mann spricht und sich an die Vergangenheit erinnert. Eindrucksvoll ist zu beobachten, wie sich ihr Zustand allmählich verschlechtert, ihr Blick trübe und ihre Bewegungen langsamer werden. In diesen Sequenzen nutzt Meryl Streep die vorhandenen Freiräume und wird flankiert von einem guten Jim Broadbent sowie einer noch besseren Olivia Colman. Dennoch stellt sich der Gedanke ein, was sie mit einer stärkeren, fordernden Regisseurin zu leisten imstande gewesen wäre. Nichtsdestotrotz ist es allein ihr zu verdanken, dass es sich lohnt, diesen Film anzusehen – am besten in der Originalfassung.

Fazit: "The Iron Lady" zeigt eine hervorragende Meryl Streep, aber kein nachdenkliches oder provokantes Portrait über eine der bekanntesten politischen Führungsfiguren des 20. Jahrhunderts.





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