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Toast
Toast
© MFA Film © 24 Bilder

Kritik: Toast (2010)


Die englische Küche erfreut sich in Deutschland nicht gerade großer Beliebtheit. Das könnte auch der Grund dafür sein, dass der auf traditionelle britische Küche spezialisierte Fernseh-Koch, Kochbuchautor und Gastrojournalist Nigel Slater hierzulande, anders etwa als sein jüngerer, hyperaktiver Kollege Jamie Oliver, weitgehend unbekannt ist. Das allerdings ist tatsächlich kein Grund, den bereits im Februar auf der Berlinale präsentierten "Toast", S.J. Clarksons Verfilmung von Slaters Kindheitserinnerungen die nun auch in die deutschen Kinos kommen, links liegen zu lassen. Denn für den Filmgenuss ist es tatsächlich komplett unerheblich, ob man den realen Slater nun kennt oder nicht.

Für die Adaption von Slaters Erinnerungen zeichnet "Billy Eliott"-Autor Lee Hall verantwortlich - und tatsächlich haben beide Storys eine grundlegende Gemeinsamkeit, handeln sie doch beide von einem Halbwaisen, dessen Passion - bei Billy Ballett, bei Nigel das Kochen - auf herzlich wenig Gegenliebe seitens des Vaters stößt.

Der Tonfall der beiden Drehbücher Halls allerdings könnte unterschiedlicher kaum sein: Während "Billy Eliott" als weitgehend realistisches Sozialdrama daher kam, wirkt "Toast" über weite Strecken wie eine fiktive Satire. Zwar enthält der Plot eine ganze Reihe tragischer Ereignisse - den Tod der Mutter, die Nichtanerkennung durch den Vater und den dadurch entstehenden Konkurrenzkampf mit der Stiefmutter, den erzwungenen Umzug und den Tod des Vaters - doch Halls Drehbuch hält sich damit nicht lange auf und sorgt schnell für humoristische Ablenkung, da nahezu alle Charaktere (in unterschiedlichem Maße) überzeichnet sind. Insbesondere Mrs. Potter, Putzfrau und spätere Stiefmutter Nigels, ist ein wandelndes Klischee - was einem durchaus auf die Nerven gehen könnte, würde sie nicht von der großartigen Helena Bonham Carter dermaßen gekonnt dargestellt, dass es ein Vergnügen ist, zuzusehen. Und glücklicherweise konnte sich Regisseur S.J. Clarkson bei seiner leichtfüßigen Inszenierun g nicht nur auf Bonham-Carter verlassen, sondern auf das gesamte Ensemble - insbesondere auch die nicht wirklich unwichtigen Kinderdarsteller Oscar Kennedy und Freddie Highmore.

Hinzu kommen dann noch eine angenehm unaufdringliche Kameraarbeit und die gelungene Beleuchtung: Nostalgisches Braun und sonnig-warmes Gelb dominieren die Bilder und vermitteln eine kuschlige Wohlfühl-Atmosphäre, die den Zuschauer (zu Recht) in dem Glauben unterstützt, dass trotz all der objektiv tragischen Ereignisse die Hauptfigur mit einem Happy End belohnt wird.
Fazit: Gelungenes TV-Koch-Biopic mit hervorragendem Darstellerensemble leichtfüßig inszeniert. Von der ersten Sekunde des schönen Vorspanns an sehenswert!




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