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Kritik: Tom und Hacke (2010)


Die Geschichten und Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn von Mark Twain gehören zu den Klassikern der Weltliteratur und erfreuen sich bei Groß und Klein auch heute noch größter Beliebtheit. Da die Geschichten um die beiden Lausbuben mittlerweile aber auch ein wenig angestaubt daherkommen, pickte sich der Münchner Produzent und Regisseur Norbert Lechner die entscheidenden Motive heraus und verlegte sie ins kleinstädtische Bayern der Nachkriegszeit. Mit "Tom und Hacke" startet jetzt die niederbayerische Version von "Tom Sawyer" in den deutschen Kinos, die gleichzeitig ein spannender Kinderkrimi und ein mit hübschen Landschaftsaufnahmen ausgestatteter, unterhaltsamer Abenteuerfilm für junge Zuschauer geworden ist. In den Sommermonaten 2011 zu großen Teilen mit Laiendarstellern gedreht, schafft es der Film dank überzeugender Kulissen und Ausstattungen zudem, ein realistisches und detailgenaues Bild der damaligen Zeit zu zeichnen.

Thomas Sojer (Benedikt Weber) ist ein Waisenkind der Nachkriegsjahre, der bei seiner Tante Polli (Franziska Weisz) in einer niederbayerischen Kleinstadt lebt. Die Tante bringt die Familie mit Näharbeiten immer gerade so durch den Monat. Zu blöd, dass Tom bei einem seiner Streiche die überlebenswichtige Nähmaschine beschädigt. Was tun? Von der Maschine hängt nämlich der Lebensunterhalt der ganzen Familie ab. Als wäre das noch nicht genug, werden Tom und sein bester Freund Hacke (Xaver Maria Brenner) in dieser Nacht auch noch Zeuge eines Verbrechens durch den Schmuggler Joe (Fritz Karl). Aus Angst beschließen die beiden, niemandem etwas von Ihren Beobachtungen zu erzählen. Als die Tat schließlich dem unschuldigen Altpapierhändler Muffler (Götz Burger) angehängt wird, wächst das schlechte Gewissen der Kinder. Jetzt ist ein raffinierter Plan gefragt, der den wahren Täter überführt – und zugleich Tante Polli und damit der ganzen Familie aus der Patsche hilft.

Regisseur Norbert Lechner gelingt mit "Tom und Hacke" eine sympathische, originelle bayerische Variante von "Tom Sawyer" mit viel Witz und einer gehörigen Portion Lokalkolorit. Denn dessen muss man sich vor dem Kinogang bewusst sein: Der Film lebt zu einem Großteil von den Eigenarten und der Atmosphäre der verschiedenen Drehorte und Gegenden (vom Schwarzwald über Passau und Augsburg bis nach Braunau am Inn in Oberösterreich). Zudem wird im Film deftiger, bayerischer Dialekt gesprochen, was für "hochdeutsche" Zuschauer mitunter zu dem ein oder anderen Verständnisproblem führen kann. Die spezielle Mundart macht aber dann auch wieder einen besonderen Reiz aus und ist fester Bestandteil des liebevollen Charmes, den der Film über die komplette Laufzeit versprüht. Die Kulissen, Kostüme sowie die Ausstattung sind den ärmlichen, einfachen Verhältnissen der Nachkriegszeit angepasst und vermitteln ein detailgenaues und authentisches Bild der damaligen Zeit. Darüber hinaus sind es vor allem die atmosphärischen Landschaftsaufnahmen, die dem Film eine visuelle Kraft geben. Diese stimmungsvollen, angenehmen und beruhigend wirkenden Bilder der hübschen Landschaften sind die perfekte Kulisse für die Abenteuer der beiden Freunde Tom und Hacke.

Bemerkenswert ist auch, dass der Film ohne große Namen auskommt und die Rollen der Kinder ausschließlich mit Laiendarstellern besetzt wurden. Dies ist zum einen dem relativ geringen Budget von 1,5 Millionen Euro geschuldet sowie der Tatsache, dass Regisseur Lechner die Arbeit mit jungen Laiendarstellern schätzt. Vor allem die beiden Hauptdarsteller Benedikt Weber und Xaver Maria Brenner agieren frisch und ungemein professionell. Auf spielerische Weise verschmelzen sie mit ihren Rollen und verleihen ihren Figuren Witz und Esprit. Für den Film wurden fast 2.000 Kinder in Süddeutschland und Österreich gecastet, am Ende kamen jedoch alle Kinderdarsteller aus Niederbayern. "Tom und Hacke" verbindet darüber hinaus auf geschickte Weise eine spannende Krimi-Handlung mit Elementen des Abenteuerfilms und Dramas. Denn stets geht es in dem Film auch um die Frage, wie man (vor allem finanziell) schwierige und mittellose Zeiten überdauert und bestmöglich über die Runden kommt. Zudem behandelt der Film zentrale Themen wie Freundschaft, Ehrlichkeit und familiären Zusammenhalt, ohne dabei den pädagogischen Zeigefinger zu erheben. Jugendliche und ältere Kinobesucher könnten den Film aufgrund seiner kindgerechten Umsetzung, der malerischen Kulissen und der Lagerfeuerromantik als ein wenig zu harmlos, bieder und seicht empfinden. "Tom und Hacke" eignet sich daher in erster Linie für junge Zuschauer.

Fazit: "Tom und Hacke" ist ein kindgerechter, in bayerischer Mundart gehaltener Abenteuer-Krimi, der mit überzeugenden Laiendarstellern und malerischen Landschaftsaufnahmen punktet.





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