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Die versunkene Stadt Z
Die versunkene Stadt Z
© Studiocanal

Kritik: Die versunkene Stadt Z (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Abenteurer und Ethnologe Percy Fawcett ist der Nachwelt wohl weniger durch seine Erfolge bei der Landesvermessung Südamerikas in Erinnerung geblieben als vielmehr durch sein mysteriöses Verschwinden im Jahr 1925. Seitdem spukt der Forscher wie ein Geist durch die Populärkultur und hat zahlreiche Schöpfer von Abenteuergeschichten inspiriert. Fawcetts Berichte sollen seinem guten Freund Arthur Conan Doyle etwa als Vorlage für seinen Roman "Die vergessene Welt" gedient haben, während George Lucas seinen Helden Indiana Jones nach dem Vorbild des britischen Wissenschaftlers formte.

Der Regisseur und Drehbuchautor James Gray ("Two Lovers", 2008) inszeniert "Die versunkene Stadt Z" nun allerdings in scharfem Kontrast zu den meist fantastischen Werken, die durch Fawcetts Schicksal angeregt wurden. Basierend auf David Granns gleichnamigem Sachbuch erzählt der Filmemacher ganz ohne Urzeitechsen oder comichafte Action von einem Mann und seiner großen Obsession.

Das düstere Biopic versucht sich dabei zugleich an einem genauen Psychogramm des Protagonisten und dem ausufernden Porträt einer Epoche. Dank eines überzeugenden Charlie Hunnam ("Pacific Rim", 2013) in der Hauptrolle sowie eines stimmungsvollen Kostüm- und Setdesigns kann "Die versunkene Stadt Z" durchaus fesseln. Der auf Zelluloid gedrehte Abenteuerfilm setzt dabei auf klassische Tugenden und knüpft ganz bewusst an Kinomythen an: Herzogs "Aguirre, der Zorn Gottes" (1972) oder Coppolas "Apocalypse Now" (1979) sind nur zwei der Dschungel-Epen, die einem hier in den Sinn kommen.

An diese Vorbilder reicht Grays Vision vom Regenwald allerdings nicht heran: Mitunter herrscht in dieser auf 140 Minuten aufgeblasenen Produktion Leerlauf und Potenzial wird verschenkt. Besonders die Nebendarsteller Sienna Miller und Robert Pattinson haben mit eindimensionalen Figuren sowie nicht ausgereiften Handlungssträngen zu kämpfen. So bleibt "Die versunkene Stadt Z" ein sehenswerter Vertreter des ernsthaften Abenteuerfilms, der jedoch wenig mehr als einen nostalgischen Rückblick auf vergangene Kinotage bietet. Wie kraftvoll das Genre auch heutzutage noch sein kann, zeigt hingegen Ciro Guerras "Der Schamane und die Schlange" (2016), einem in vielerlei Hinsicht wagemutigeren, moderneren Film.

Fazit: James Gray inszeniert die Biografie des Forschungsreisenden Percy Fawcett als düsteren Abenteuerfilm, der ganz ohne fantastische Elemente fesselt. Letztlich bietet "Die versunkene Stadt Z" allerdings kaum mehr als einen nostalgischen Rückblick auf vergangene Kinotage. Der Film ist eine sehenswerte Hommage an Dschungel-Epen à la "Aguirre, der Zorn Gottes", der man allerdings etwas mehr Wagemut und Feinschliff bei den Nebenhandlungen gewünscht hätte.




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