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Omamamia
Omamamia
© Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Omamamia (2012)


Eine "Anhörung" beim Papst höchstpersönlich zu erhalten, ist kein leichtes Unterfangen. Mit Glück schafft man es zur Gruppenaudienz, muss sich dann aber mit Menschenmengen bis zu 400 Besuchern den religiösen (An)Führer teilen. Ja, so ist das mit den Katholiken und ihrem Superstar mitten im Vatikan. Um den Papst auch wirklich "anhören" zu können und zur Privataudienz geladen zu werden, muss man ein hoher Würdenträger oder Staatsmann – Hauptsache eine wichtige Person – sein. Das ist nicht jeder und besonders nicht Marianne Sägebrecht alias "Oma Marguertia", die im neuen Film von Tomy Wigand die römische Hauptstaat inklusive Vatikan unsicher machen darf. Denn darum soll es gehen, in "Omamamia", der nach "Fußball ist unser Leben" und "Das fliegende Klassenzimmer" den neuen Streifen von Wigand darstellt.

Doch im Wirr-Warr aus seichter Komödie und bierernstem Drama fehlt es dem Film an kinotauglicher Qualität. So zieht sich die bessere TV-Produktion, deren symbolischer Kopf mit Anette Frier auch "ideal" besetzt ist, als schrecklich zähe Schmonzette der trägen Sorte über 105 Minuten hin, um am Ende dem Papst ordentlichen Kaiserschmarrn aufzutischen. Schließlich kommen wir aus Bayern!
Das ist nicht nur filmischer Schmarrn, sondern auch für das Kino untauglich. Dass jene peinliche Albernheit noch nicht einmal die Spitze des Eisbergs darstellt, sagt so einiges über die (mangelnde) Qualität des Films aus.

"Omamamia" erklärt sich selbst zu einer generationsübergreifenden Komödie, denn schließlich schildert der Film das chaotische Leben von Tochter, Mutter und Oma – Miriam Stein, Anette Frier und Marianne Sägebrecht. Oma ist eine Eigenbrötlerin, die nach dem Tot ihres Mannes in einem abseits gelegenen Haus ihre letzten Tage in Kanada zählt. Das meint jedenfalls die fürsorgliche Tochter Marie, die die aus Bayern stammende Oma kurzerhand ins Altersheim stecken will. Doch Oma benötigt noch den Segen vom Papst. Daher geht es ab nach Italien, wo Tochter Martina eigentlich als Au-Pair arbeiten sollte. Doch diese lebt ganz und gar nicht das Leben einer katholisch braven Tochter, die ihr Studium vorbereitet, was sie ihrer Mutter immer vorgaukelt. Und natürlich müssen sich die Drei irgendwann in Italien begegnen. Das sorgt für Zündstoff.

Wer eins und eins zusammenzählen kann, sieht, dass "Omamamia" ordentliches Startpotenzial für eine amüsante, wenn auch seichte Komödie der lockeren Sorte besitzt. Und Tomy Wigand, der mit "Fußball ist unser Leben" einen heimlichen Kulthit unter der Gelsenkirchener Stadtbevölkerung schuf, sollte eigentlich das Potenzial für die Umsetzung eines solch einfachen Stoffes besitzen. In der ersten halben Stunde, wenn Oma Marguertia zum Beispiel erst einmal obszöne Wandmalereien in Martinas Zimmer mit Papstbildern überklebt oder die Rockerbude des heimlichen Freunds putzt, zeichnet sich der Film auch tatsächlich mit teils unterhaltsamen, teils anstrengend zu verfolgendem, holprigem Spaß aus - auch wenn schon hier die konventionellen Muster des Films wie in Stein gemeißelt wirken.
Doch sobald sich "Omamamia" in unzähligen peinlichen Albernheiten verliert, die vom täglichen Pfefferspray-Angriff auf den Papst, bis hin zur tätowierten Omi reichen, steht er vor dem Problem, welches ihn für das Kino disqualifiziert: Die bemühte Anette Frier gibt zwar ihr bestes, sorgt als bekanntes Fernsehgesicht aber dafür, dass der Film die Form einer leiernden Sat1-Schmonzette annimmt.
Und das trotz des überraschend guten internationalen Cast: Mit Giancarlo Giannini steht beispielsweise eine bekannte Größe vor der Kamera (die als heiratswütiger Schwindler den Film auch gleich ein Stück weit charmanter macht). Was genau der Darsteller aus "Casino Royal" oder "Ein Quantum Trost" in diesem Film verloren hat, weiß wahrscheinlich nur er selbst. Doch geht er die Sache mit so viel Witz und Engagement an, dass Wigands Film nur davon profitieren kann.

Ansonsten aber füllt sich der Film irgendwann in der Mitte mit einer schier unendlichen emotionalen Masse, die jeglichen ausgleichenden humorvollen Moment zu Nichte macht. Dann steht plötzlich die Dreiecks-Geschichte um die konfliktbeladenen Generationen im Mittelpunkt, die nach und nach in ermüdender Dramatik versinkt und dabei so typisch nach deutscher TV-Produktion im "Made By Pro Sieben"-Stil riecht, dass dem Zuschauer der cineastische Schlag trifft.
Dabei wäre eine dramatische Wendung gar nicht mal so problematisch, würde der Film sich ein charakterliches Fundament aufbauen. Doch Oma Marguertia entwickelt sich von der erzkonservativen Katholikin urplötzlich zur Partyoma, die rockt. Was das mit einer vernünftigen Charakterzeichnung tun hat, wissen nur die Drehbuchautoren (Jane Aiscough und Gabriela Sperl) selbst. Bei einer geradlinigen Komödie wäre dies auch nicht weiter tragisch. Doch "Omamamia" geht den dramatischen, emotional kaum zumutbaren Weg und kann damit dem Zuschauer im besen Fall ein müdes Gähnen über eine solch seichte Klamotte entlocken.

Fazit: Auch mit schönem Ambiente, einem überraschend internationalen Cast und einer kecken Exposition verliert sich "Omamamia" in TV-Dschungel-Qualität und überlebt die zweite Filmhälfte nicht. Mit minimalistischen Erwartungen kann man der Schmonzette von Regisseur Wigand vielleicht noch etwas abgewinnen. Aber ansonsten bleibt nur das, was dem Papst am Ende aufgetischt wird: Schmarrn!




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