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Glück - Hauptplakat
Glück - Hauptplakat
© Constantin Film

Kritik: Glück (2011)


Doris Dörrie kritisierte kurz vor der Berlinale die Auswahl der Filme. Im Focus beschwerte sie sich, dass Publikums- und Festivalbeiträge immer mehr "auseinanderdividiert" würden und Filme "gegen" das Publikum enstünden. Daher wisse sie auch nicht, ob sie im Wettbewerb - in den es "Glück" nicht geschafft hat - überhaupt "glücklich wäre". Tatsächlich muss sie extrem viel Glück gehabt haben, dass ihr dummdreistes und kitschiges Machwerk überhaupt auf dem Festival lief: Der Film strotzt nur so von abgerittenen Klischees, aufgesetzten Gefühlen, alberner Niedlichkeit und Naivität.
Zur Story: Irina (Alba Rohrwacher) ist eine illegale Prostituierte. Sie entstammt einer märchenhaften Bauernidylle irgendwo in Osteuropa, wo sie mit Papa Schafe hütet und mit Mama Honig schöpft. Gern nimmt sie sich auch mal Lämmchen zum Kuscheln mit ins Bett. Nach einer nicht weiter erklärten Invasion von Soldaten flüchtet sie nach Berlin (wie, ist ebenfalls kein Thema). Dort verliebt sie sich in den H&M-Punk Kalle (Vincenz Kiefer) - ein durchtrainierter Bettler - der mit ihrer Arbeit kein Problem hat, währed er selbst zunächst sogar Zeitungaustragen für eine Zumutung hält. Liebenswert. Illegale osteuropäsiche Prostituierte haben inzwischen anscheinend ein Basiseinkommen und einige Freiheiten, denn Irina mietet eine Wohung für sich und ihren Beautiful Loser, richtet sie behaglich ein, man kuschelt unter einer mit Schäfchen bestickten Decke...
Doch dann gibt's da plötzlich ne Leiche. Und schließlich: Doris goes Gorefest. Das ist so peinlich, wie es klingt und sorgte in der Pressevorführung für einiges Gelächter. Und es kommt noch schlimmer (oder lustiger, je nach Humor), unter anderem mit einem sehr fragwürdigen Justizdeal.
Rohrbacher schlägt sich wacker, keine Frage. Da man ihr die gesteltzen Dialoge und melodramatischen Zeitlupen schließlich nicht anlasten kann, dürfte "Glück" ihrer Karriere auch nicht schaden. Kiefer stellt sich bereits nach zwei Minuten als fatale, aber immerhin ansehnliche Fehlbesetzung heraus. Matthias Brandt und Maren Kroyman werden total verschwendet.
Unterm Strich ist "Glück" ein plattes Melodram mit einer guten Hauptdarstellerin, die sich mit einem kruden Skript abringt. Ein Glück, dass er nicht im Wettbewerb lief.





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