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Kritik: Der Exorzist (1973)


Der Kopf rotiert wieder: keinen Monat nach "2001 - Odyssee im Weltraum" hat Warner einen weiteren Filmklassiker aus dem Museum ans Licht gezerrt - mit beachtlichem Erfolg in Übersee. Mit einigen zusätzlichen Handlungsminuten als (weder notwendigen noch hinreichenden) Grund für eine natürlich digital nachbearbeitete Wiederaufführung lockt der Verleih ins Kino.Dabei hat William Friedkins einen wahren Boom auslösender Horrorfilm von 1973 die unerquicklichen neuen Schnipsel gar nicht nötig. Nach William Peter Blattys Roman schuf Friedkin einen nüchternen, semidokumentarischen Thriller, der dem Stil des kurz davor entstandenen "French Connection" treu blieb. Mit drastischer Wirkung: das damals christlich noch fest verwurzelte Publikum reagierte massenhaft in Panik.Der schockierende Kassenhit weist in der Tat seltene Qualitäten auf: lebensnahe Figuren sehen sich mit einem unerklärlichen Phänomen konfrontiert, das sich nicht den Weg durch die Effekteküche bahnt, sondern sachlich und unspektakulär dargestellt wird. Dadurch nimmt der Film den Zuschauer ernst und dieser den Film - der Horror entsteht nicht in überflüssigen Schockdosierungen, gegen die man sich durch ein wenig Übung immunisieren vermag, sondern baut sich langsam auf und besteht auch gegen kritische Blicke.Dafür muss das ans rastlose Videocliptempo gewöhnte Publikum einen bedächtigen Erzählstil in Kauf nehmen, der unverdrossen langwierige Prozeduren beschreibt und den Charakteren auch dahin folgt, wo gerade mal etwas minder kurzweiliges passiert. Viele Fans werden den "Exorzist" als einen der wenigen ernstzunehmenden Horrorfilme feiern, andere können den seit zwei Jahrzehnten kaum mehr auffälligen Friedkin (zuletzt "Rules of Engagement") als einen der einst vielversprechendsten Regisseure der 70er Jahre entdecken.




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