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Black Gold
Black Gold
© Universal Pictures Germany

Kritik: Black Gold (2011)


Anfang der 1930er Jahre in Arabien: Nessib (Antonio Banderas), der Emir von Hobeika, und Amar (Mark Strong), der Sultan von Salmaah, vereinbaren einen Waffenstillstand unter der Bedingung, dass niemand den "gelben Gürtel" – ein Gebiet zwischen ihren Reichen – für sich beanspruchen darf. Außerdem verlangt Nessib, dass Amar ihm seine Söhne als Geiseln überlässt. Widerstrebend willigt Amar ein, zumal es ihnen an nichts fehlen soll. Und so wachsen Saleeh (Akin Gazi) und Auda (Tahar Rahim) in Hobeika in einem goldenen Käfig auf, in dem Nessib fast zu einem Ersatz-Vater für sie wird. Aber insbesondere der mutige Saleeh (Akin Gazi) kann nicht vergessen, woher er eigentlich stammt. Er will zu seinem Vater zurückkehren. Der jüngere Auda (Tahar Ramin) ist hingegen ruhig, er interessiert sich hauptsächlich für Bücher und hat an seinen Vater nur noch wenige Erinnerungen. Dann bricht mit einem Ölfund in dem gelben Gürtel der fragile Frieden zusammen. Nessib erkennt, welche Chance der Reichtum durch das Öl bietet; der tiefgläubige Amar lehnt hingegen jeglichen Fortschritt ab. Entgegen ihres Abkommens lässt Nessib Bohrungen im gelben Gürtel zu – und beschwört dadurch einen Konflikt zwischen den Reichen herauf, in dessen Zentrum Auda gerät.

Es vergeht einige Zeit, bis die Geschichte in "Black Gold" an Fahrt aufnimmt. Anfangs steht Saleeh im Mittelpunkt, später Auda – eine Familiengeschichte wird aber dennoch nicht erzählt. Vielmehr wird der recht vorhersehbare Reifeprozess von Auda geschildert. Allerdings hat Tahar Rahim Schwierigkeit, die Wandlung von Auda überzeugend darzustellen. Das liegt weniger an dem Schauspieler, als an dem Drehbuch, das Auda zu lange als unselbständige Figur darstellt. Anscheinend sucht er sich noch nicht einmal die Liebe seines Lebens (gespielt von der wie immer hübsch anzusehenden Freida Pinto) selbst aus – und auch später geschehen ihm Dinge, anstatt er sie wirklich angreift. Hier wurde Tahar Rahims Talent nicht ausgeschöpft.

Im Gegensatz dazu ist Audas Halbruder Ali – gespielt von Riz Ahmed – eine weitaus lebendigere Figur. Sie haben denselben Vater, aber unterschiedliche Mütter und er wird als Prinz nicht anerkannt. Er leidet unter der Missachtung des Vaters und dessen strenger Religiosität, die sogar die Errungenschaften der Medizin ablehnt. Zugleich will er dessen Anerkennung – und versteckt sich hinter Spott. So ist Ali eine der wenigen Figuren, die einige Ambivalenz zeigen.

Insgesamt ist "Black Gold" ein Wüstenepos aus einer noch gar nicht lange vergangenen Zeit. Mit pompösen Bildern und guten Kostümen werden diese Jahre der ersten Ölfunde auf die Leinwand gebracht. Die Dreharbeiten fanden in Katar statt, das zum ersten Mal Ort einer großen internationalen Filmproduktion war. Aber selbst das gelungene Produktionsdesign kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film zu viele Geschichten auf einmal erzählen will. Regisseur Jean-Jacques Annaud schildert die arabische Geschichte, den Dualismus zwischen Tradition und Moderne, Islam und Öl, selbst die Rolle der Frau wird angedeutet. Dabei vermeidet der Filmemacher aber jegliche Kritik sowie Stellungnahme. Daher werden die vielen in "Black Gold" angesprochenen Themen auch nicht zu einem befriedigenden Ende zusammengeführt.

Fazit: "Black Gold" ist ein Wüstenepos mit tollen Bildern, dessen Geschichte und Darsteller aber nicht auf ganzer Linie überzeugen können.





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