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Vor ihren Augen
Vor ihren Augen
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Vor ihren Augen (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"In ihren Augen" von Regisseur Juan Campanella entwickelte sich 2009 schnell zu einem enormen Erfolg bei Kritik und Publikum. Die Kritiker feierten die Mischung aus Liebesfilm und Krimi vor dem Hintergrund der argentinischen Militärdiktatur in den späten 70ern frenetisch und das Publikum machte das Werk zur erfolgsreichsten einheimischen Filmproduktion seit 35 Jahren. Natürlich ließ Hollywood da nicht lange auf sich warten und schickt nun ein stargespicktes Hochglanz-Remake ins Rennen um die Gunst der Zuschauer. Regie führte hier Drehbuchautor und Filmemacher Billy Ray, der damit seinen ersten Film seit dem Thriller "Enttarnt" (2007) vorlegt. Ray machte sich in den letzten Jahren einen Namen als einer der versiertesten Drehbuchautoren, und lieferte u.a. für Filme wie "State of Play" oder "Captain Phillips", die Vorlage. "Vor ihren Augen" wurde Anfang 2015 in L.A. gedreht und kostete mit 20 Millionen Dollar zehnmal so viel wie das Original.

Bestach das Original damals vor allem durch seine regelrecht altmodische Spannung und eine ungemein packende und dramaturgisch geschickt vorgenommene Verquickung der beiden Erzählebenen, so kommt "Vor ihren Augen" leider als halbgares, letztlich seelenloses Remake daher, das dem Erstling bzw. der an sich mitreißenden Geschichte kaum bahnbrechende Neuerungen hinzuzufügen vermag. Natürlich ist es undankbar, in ohnehin riesige, kaum zu füllende Fußstapfen zu treten, da das Original qualitativ derart vorlegte, dass es ein Remake ohnehin schwer haben würde – das stand von vornherein fest. Dennoch: besonders frische, spannende Ideen oder Perspektiven eröffnet einem der Film leider in keiner Weise, und auch die Auflösung kommt am Ende alles andere als überraschend.

Wer den argentinischen Film nicht kennt, der könnte an "Vor ihren Augen" immerhin zum Teil noch seine Freude haben, alle anderen, werden das neue Werk aber in jeder Einstellung und allen schauspielerischen Darbietungen an "In ihren Augen" messen. Immerhin versetzte Regisseur Ray seinen Film bzw. dessen erste Handlungs- und Zeitebene in das Jahr 2001, unmittelbar nach 9/11. Das lässt zumindest den Versuch erkennen, eigene und neue Akzente zu setzen. Die durch Terror und die allgegenwärtige Bedrohung der allgemeinen Sicherheit im öffentlichen Raum verursachte Paranoia wirkt aber nie so intensiv und beklemmend wie bei Campanella. Dieser ließ seinen Film vor dem Hintergrund der Diktatur durch die argentinische Militärjunta spielen.

Immerhin stellt "Vor ihren Augen" zumindest schauspielerisch keine Enttäuschung dar. Chiwetel Ejiofor ("12 years a slave") kann als über die Jahre akribisch ermittelnder, charismatischer Ex-Agent ebenso überzeugen wie Julia Roberts als traumatisierte Mutter, die von Rachegedanken- und gelüsten durchzogen ist. Sie tritt hier erstaunlich (im wahrsten Wortsinne) ungeschminkt sowie uneitel und damit extrem glaubwürdig auf. Dies steht ihr gut zu Gesicht, rettet den Film aber nicht vor der Enttäuschung.

Fazit: Trotz intensiver Schauspieler-Leistungen ein weiteres unnötiges da unausgegorenes und letztlich spannungsarmes US-Remake, ohne bahnbrechende Neuerungen und Einfälle.





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