VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Moonrise Kingdom (2012)


Andersonesque-ness vom Feinsten... Wer mit Filmen wie "Die Tiefseetaucher" oder "The Royal Tenenbaums" also nichts anfangen kann - wegbleiben. Denn sein Jüngster fühlt sich an wie ein Best Of. Alle üblichen Zutaten sind dabei: Die dysfunktionale reiche Familie, Bill Murray & Jason Schwartzman, der niedlich-manirierte Stil, Puppenhaus-Shots, lakonisch unterkühlte Sprache, kontrapunktiert mit emotional prägnanter Musik (Alex Desplat); und wie bereits in "Rushmore" erscheinen die Kinder erwachsener als die Erwachsenen.

Die Story ist allerdings weitaus straighter als in den Vorgängern: Zwei zwölfjährige Außenseiter erleben die erste Liebe. Obwohl Anderson den Newcomern Jared Gillman und Kara Hayward die gleiche emotional sparsame Darstellungsweise entlockt, wie allen professionellen Schauspielern, die er einsetzt, bringen sie eine tief rührende Mischung aus Altklugheit, Unschuld und Ernsthaftigkeit zustande. Bruce Willis überrascht mit der zurückhaltenden Darstellung des einzigen Polizisten der winzigen Insel - quasi der Anti-MacClaine - und nach Edward Norton als engagierter, wenn auch leicht unbeholfener Pfadfinderführer fragt man sich, warum er nicht ständig in Komödien auftritt.

Neben all den Drolligkeiten schlägt Anderson diesmal auch einige tiefergehende Töne an - die beiläufige Willkürlichkeit, mit der Kinder andere Kinder ausschließen, die leichte Befangenheit oder auch Tollpatschigkeit, welche mit der ersten Liebe einhergeht, sowie die Unfähigkeit einiger Erwachsener, dem mit Verständnis zu begegnen. Dies mag daran liegen, dass Anderson, wie er jüngst in einem Interview verriet, einiges an autobiographischem Material mit einbrachte. Dem ist sicherlich auch der nostalgische Unterton mit Reminiszenzen an Kinder(anti-)helden wie denen aus "Der Herr der Fliegen", sowie Tom Sawyer und Huckleberry Finn geschuldet. Wenn andere Regisseure diesen Weg einschlagen heißt das meist Sepia. Bei Anderson gelb: Der neuenglische Spätsommer strahlt, die 60er-Requisiten leuchten. So kann man Melancholie genießen...

Alles in allem ist "Moonrise Kingdom" die Perfektion der Anderson-typischen Komödie mit melancholischem Unterton (Melanchomödie?) - wer dies zu schätzen weiß: Unbedingt ansehen!




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.