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Die Muppets
Die Muppets
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Die Muppets (2011)


Bin ich ein Mann oder ein Muppet? Diese Fragen stellen sich Gary (Jason Segel) und sein Bruder Walter (eine beige Puppe) am Höhepunkt des Films "Die Muppets" von Regisseur James Bobin in einem grandiosen Lied. Zugleich markiert diese Sequenz alle Vorteile der Wiederkehr der Muppets nach der jahrelangen Leinwandabstinenz: Er spielt mit dem eigenen Mythos, ist selbstreferentiell und hat viele gute neue Ideen.

Die Geschichte des Films ist schnell erzählt: Gary unternimmt mit seiner Freundin Mary (Amy Adams) zu ihrem zehnten Jahrestag eine Reise nach Los Angeles, auf die sein bester Freund Walter auch mitkommt. Schließlich ist Walter der größte Muppet-Fan und bekommt so die Möglichkeit, das alte Theater seiner Idole zu besichtigen. Aber die Glanzzeiten der Muppets sind vorbei, niemand interessiert sich mehr für sie. Dann findet Walter zufällig heraus, dass der fiese texanische Öl-Magnat Tex Richman (Chris Cooper) das Theater abreißen will, weil er darunter Öl vermutet. Das kann nur auf eine Weise verhindert werden: Die Muppets müssen wieder eine Show auf die Beine stellen und ausreichend Geld einnehmen, um das Theater zurückzukaufen!

Das Trio begibt sich sofort auf die Suche nach Kermit, dem Frosch. Er lebt in einer Villa in Los Angeles, die ihm Miss Piggy einst gekauft hat. Und schon das erste Erscheinen von Kermit macht deutlich, dass die Drehbuchautoren Jason Segel und Nicholas Stoller große Fans sind: Er erscheint in einer Gegenlicht-Aufnahme, die nur seine Umrisse zeigt. Aber wenigstens den erwachsenen Zuschauer dieses Films ist natürlich klar, wem diese charakteristischen Umrisse gehören. Zusammen mit Kermit sammeln Mary, Gary und Walter in der Folgezeit die anderen Muppets zusammen, was zu vielen mitunter altmodischen Gags führt. "Per Karte" reisen sie kurzerhand nach Frankreich, es gibt Explosionen und auch Gonzo hat seinen unvermeidlichen Stunt-Auftritt. Hier wirkt der Nostalgie-Effekt wunderbar.

Daneben gibt es das in Komödien schon übliche Spiel mit anderen Filmen. So ist Miss Piggy mittlerweile Chefredakteurin der "Vogue", sieht aus wie Meryl Streep in "Der Teufel trägt Prada", in dem Streep bekannterweise die reale "Vogue"-Chefin Anne Wintour darstellt. Und die Sekretärin ist in beiden Filmen Emily Blunt. Je besser sich der Zuschauer also im Film und Fernsehen auskennt, desto lustiger sind die Gags.

In diesen Szenen überzeugt der Film und gleicht auch weniger gute Ideen aus. Daneben gibt es aber die Rahmenhandlung um Gary und Walter, die erkennen müssen, dass sie nicht so gleich sind, wie sie immer dachten. Dabei führt Walters Weg zu den Muppets, Gary muss sich hingegen zu Mary bekennen, indem er lernt, auch einmal "ich" zu sagen. Leider konnten die Drehbuchautoren nicht darauf verzichten, die Liebesgeschichte von Gary und Mary mit der Beziehung von Kermit und Miss Piggy zu verknüpfen. Auch Kermit soll sich endlich zu seinen Gefühlen bekennen, aber gerade diese Ungewissheit machte den Reiz dieser Zuneigung aus. Darüber hinaus ging es bei den Muppets stets darum, dass ein zusammengewürfelter Haufen höchst individueller Puppen zusammengehört. Es ging weniger um den Einzelnen, sondern stets um die Show. Doch dieser Charme wird zugunsten eines zuckersüßen Finales aufgegeben.

Insgesamt ist dem Film die Begeisterung der Macher in jeder Szene anzumerken, auch wenn sie bisweilen ein wenig über das Ziel hinausschießen. Manche Songs sind zu kitschig, manche Einlagen übertrieben, die Figur Walter entwickelt nur wenig Profil und auch Jason Segels selbstironische Spiel ist kaum überzeugend. Aber spätestens wenn Gary in eine Fensterscheibe blickt und die Zeile "I reflect upon my reflections" singt, dürften auch die letzten Zweifler überzeugt sein: "The Muppets" ist einer der besten Muppet-Filme, die nach dem Tod von Jim Henson gedreht wurden. Fraglich ist da eher, ob auch die nicht-eingefleischten Muppet-Fans von diesem Film begeistert sein werden.

Fazit: "Die Muppets" ist ein Film für erwachsene Muppet-Fans und deren Kinder. Er lebt von der Nostalgie, den überwiegend guten Songs – und dem einfach unwiderstehlichem Charme der Muppets!




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