VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Cargo - Da draußen bist du allein
Cargo - Da draußen bist du allein
© Ascot

Kritik: Cargo - Da draußen bist du allein (2009)


Nach fast 10 Jahren Arbeit wurde der erste Schweizer Science-Fiction-Film fertig gestellt und das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bilder in aufpolierter Hochglanzoptik und vergleichsweise realistische Kulissen machen für den Zuschauer die Weiten des Weltalls greifbar. Leider können diese Bilder jedoch nicht über kleinere Schwächen im Drehbuch und einem für die meisten Zuschauer wohl zu unterkühlten Spiel der Darsteller hinwegtäuschen.

2267 liegt noch in weiter Ferne, weshalb die Spielkonsole, die nach etwa fünf Minuten im Bild ihren Platz findet, zeitlich deplatziert wirkt und vermutlich eher einen werbetechnischen Hintergrund hat. So musste der Film mit einem weitaus geringeren Budget als so manches Hollywood Pendant auskommen und war deshalb auf Sponsoren angewiesen. Ein Grund dafür, dass der Weltraum auch sonst wenige Neuerungen bietet. Die Raumstation am Anfang ähnelt einem riesigen Satelliten, die Menschheit hat noch keine Bekanntschaft mit außerirdischen Lebensformen gemacht und auch der Camcorder mit direkter MMS Funktion an Freunde und Bekannte wirkt wenig futuristisch. Das Fehlen solcher genrespezifischen Merkmale verpasst dem Film jedoch eine ganz eigene Note, fernab von jeglichen Klischees, doch leider auch fernab jeglicher Emotionen.

Wir befinden uns also im Jahr 2267. Mittlerweile ist das Ökosystem Erde zusammengebrochen und die letzten Bewohner machen sich auf den Weg zu den bereits überfüllten Raumstationen. Laura Portmann, eine junge Ärztin, lebt schon länger dort und würde gerne zu ihrer Schwester auf den Planeten „REHA“ reisen. Verständlich, denn dort führen die Menschen ein scheinbar unbeschwertes und glückliches Leben, das im Kontrast zu den Lebensbedingungen der restlichen Bürger steht. Diese sehen sich wegen Übervölkerung und fehlender Hygiene mit einer aufkommenden Epidemie konfrontiert.

In der Anfangssequenz wird ein Werbeclip der machthabenden Übergangsregierung gezeigt, welcher versucht, den Menschen durch den ausdrucksstarken Namen „REHA“ den Erfolg in der Erschließung neuer Planeten nahe zu bringen. Eine Vorgehensweise die sehr stark an den Sozialimperialismus des 19.Jh. erinnert und die Machthaber im Laufe des Films immer unsympathischer erscheinen lässt. Die junge Ärztin beschließt letztendlich, sich an Bord eines der titelgebenden Cargo-Schiffe zu begeben, welches Bauteile zu einer abgelegenen Station bringen soll, um daraus das nötige Kapital für die Reise nach REHA zu schlagen. Nach einer kurzen Ansprache des wortführenden Kapitäns Pierre Lacroix begibt sich die leicht frostig wirkende Besatzung nun auf ihre Reise. Unter ihnen auch ein Sicherheitsbeauftragter der Regierung, welcher das Schiff vor etwaigen Angriffen einer terroristischen Untergrundorganisation, den so genannten Maschinenstürmern, schützen soll.

Während ihrer nun knapp achtmonatigen Einzelschicht befindet sich Laura einsam und alleine an Bord des Schiffes, da sich die restliche Crew im Kälteschlaf befindet. Langsam aber sicher beschleicht sie das beklemmende Gefühl nicht mehr allein zu sein. Sie beschließt nun entgegen der Regeln auch den Rest der daraufhin sehr schlecht gelaunten oder besser gesagt unterkühlten Besatzung aus dem Kälteschlaf zu wecken und mit ihnen den Laderaum des Schiffes zu betreten. An dieser Stelle ließe sich erwarten, dass man mehr über die einzelnen Personen erfährt. Jedoch lösen sich weder Drehbuch noch Schauspieler während den folgenden eineinhalb Stunden von ihren kalten und belanglosen Dialogen. Die Handlung plätschert erstmal ruhig vor sich hin, während der Zuschauer hofft, dass man sich endlich von dem Kälteschlaf erholt hat und Gefühle zeigt.
So stirbt zwar schon ziemlich bald das erste Crew-Mitglied, jedoch scheint das die Charaktere emotional nicht weiter zu belasten. Stattdessen gehen sie mit einem wortwörtlich kühlen Kopf der Frage nach, was wohl in den Containern an Bord des Raumschiffes in Wahrheit aufbewahrt wird und wohin ihre Reise wirklich geht. Eine plötzliche Liebesszene überrascht den Zuschauer daher und wirkt ungewollt lächerlich. Es gibt zwar auch einige Momente der Spannung, alles in allem wirkt der Film aber bis zum Finale eher wie eine schöne Diashow. Die wenigen dramaturgischen Ausflüchte beruhen auf dem „Stromsparmodus“ des Raumschiffs, welcher nachts bestimmte Bereiche wie auch den Frachtraum komplett abriegelt und so nur einen begrenzten Aufenthalt dort möglich macht. Zwar mag der Film durch seine Kernaussage den Zuschauer dazu bewegen, das Gleichgewicht der Natur zu achten und zu wahren, aber ein solcher „Standby-Modus“ ist nach dem dritten Mal doch sehr nervtötend. Auch wird das Raumschiff stellenweise als alt und kaputt bezeichnet, jedoch scheint seine einzige Schwachstelle in den schwergängigen Türen zu liegen, die nicht immer auf Anhieb dicht machen. Manches Mal fragt man sich daher, warum sich alle andauernd über den Zustand des Schiffes auslassen und irgendwann hängt einem auch die Schlafzeiten-Schicht-Regelung zum Hals heraus.

Dass der Film dennoch einen sehr positiven Gesamteindruck hinterlässt, beruht auf dem vergleichsweise dramatischen Finale und der gesamten aber vor allem gegen Ende hin wunderbaren Bild - und Tonkomposition, aber davon sei an dieser Stelle nicht zu viel verraten. Auch dürften sich viele an eine bekannte Franchise der Wachowski Brüder erinnert fühlen, dennoch findet Cargo eine eigene und vor allem realistischere Sichtweise auf diese Thematik und vermag letztendlich im Gesamtpaket zu überzeugen.

Fazit: Insgesamt um einiges besser und sehenswerter als die aktuellen Hollywood-Produktionen. So bleibt nur noch eine Frage: "Was denken sich die Filmverleihe dabei, diese Bilder nicht auf der großen Leinwand zu zeigen?"





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.