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Kritik: Atmen (2011)


"Atmen" ist das Regiedebüt des Schauspielers Karl Markovics, der auch das Drehbuch selbst geschrieben hat. Hierzulande vor allem aus "Die Fälscher" bekannt, legt er einen ruhig erzählten, poetischen Film über einen jungen Menschen vor, dessen Leben irgendwie aus dem Ruder gelaufen ist. Seit über fünf Jahren sitzt der 19-jährige Roman Kogler (Thomas Schubert) im Jugendgefängnis. Bislang sind seine Bewährungsanhörungen gescheitert. Er blickte dem Richter nicht die Augen, ist verschlossen und ein Einzelgänger. Außerdem hat er keine Familie, die ihm auf dem Weg in die Gesellschaft helfen könnte. Also soll er mit einer Arbeitsstelle den Richter bei seiner nächsten Anhörung überzeugen. Ein erster Versuch geht schief, aber dann entscheidet sich Roman, in einem Bestattungsunternehmen zu arbeiten.

Im Umgang mit den Toten einen Weg ins Leben zu finden, ist kein sonderlich subtiler Ansatz. Aber durch die Inszenierung von Karl Markovich rückt dieser Aspekt in den Hintergrund. "Atmen" entwickelt für den Zuschauer, der sich auf die konzentrierte Erzählweise einlässt, einen eigenen Rhythmus, der ihn gefangen nimmt. Langsam nähert man sich der introvertierten Hauptfigur – und diese Annäherung vollzieht sich im gleichen Tempo wie Romans Auseinandersetzung mit seiner Schuld und seinem Eintritt in das Leben.

Bislang hat sich Roman nur in beschränkten Räumen bewegt: erst im Heim, dann im Gefängnis. Daher muss er erst einmal lernen, zu "atmen", frei zu sein. Diese Entwicklung fasst Karl Markovich in schöne, realistische und unaufgeregte Bilder. Die Dialoge fallen sparsam aus, aber das Schweigen ist niemals mit Bedeutung aufgeladen, sondern die Stille erscheint natürlich. Zum Wendepunkt wird somit eine Szene, in der kaum gesprochen wird. Roman sieht seinem Kollegen Rudolf (Georg Friedrich) beim Waschen der Leiche einer alten Frau zu. Die Fürsorge, die konzentrierte Zuneigung, mit der er die Leiche wäscht, läutet sein neues Verhältnis zu Roman ein. Ist er ihm zuvor ablehnend begegnet, verhält er sich nun kameradschaftlicher, fast wie ein älterer Bruder. Dabei tragen die Schauspieler diese so wichtige Begegnung mit ungemeiner Präsenz. Dieses Vertrauen gibt Roman Halt, so dass er erkennt, dass er auch für die kleinen Träume im Leben erst einmal "atmen" können muss.

Fazit: "Atmen" ist ein bemerkenswertes Regiedebüt von Karl Markovich, das ruhig und konzentriert die Geschichte eines Straftäters erzählt, der erst ins Leben zurückfinden muss. Poetisch und realistisch – ein sehenswerter Film!




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