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Kritik: Wonder Woman (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Allen Unkenrufen zum Trotz verkaufen sich Superheldenfilme weiterhin prächtig. Selbst "Batman v Superman: Dawn of Justice" und "Suicide Squad", die in der Gunst der Kritiker im vergangenen Jahr ziemlich weit unten rangierten, spielten allein auf ihrem Heimatmarkt ihre Budgets wieder ein. Die größten Überraschungen der vergangenen Jahre – bei Kritikern wie Zuschauern – waren hingegen Verfilmungen, die auf schelmischen Witz und schräge Hauptfiguren setzten: "Guardians of the Galaxy", "Ant-Man" und "Deadpool". Nicht zuletzt aufgrund dieser kreativen Erneuerungsprozesse wird das Subgenre der Kostümträger also auf absehbare Zeit nicht totzukriegen sein.

Mit "Wonder Woman" dringt nun auch DC in Regionen vor, die bislang vornehmlich von Marvel besetzt waren – freilich nicht annähernd so schräg wie die Hüter der Galaxis & Co., aber durchaus mit einem feinen Sinn für Ironie, der Christopher Nolans düster-prätentiösen "Batman"-Filmen und Zack Snyders pathetischem Bombastkitsch abgeht. Zudem lässt die Tatsache aufhorchen, dass der erste Superheldenfilm der jüngeren Ära mit einer weiblichen Hauptrolle und einer Frau auf dem Regiestuhl aus dem Hause DC kommt, obwohl dafür eigentlich die Konkurrenz mit Scarlett Johansson alias Black Widow prädestiniert schien.

Das allein macht allerdings noch keinen guten Film. Und so ist das Ergebnis – leider, möchte man fast sagen – zumindest durchwachsen. Am stärksten ist "Wonder Woman" immer dann, wenn die selbstbewusste Diana auf all die selbstgefälligen Männerklubs einer voremanzipierten Ära trifft, wenn sich ihre von Gal Gadot wunderbar verkörperte Figur an all den verunsicherten Machos und Möchtegerns abarbeitet und im Zusammenspiel mit Chris Pines Spion Trevor in bester Screwball-Comedy-Manier die Funken sprühen und die Fetzen fliegen. Hier kehrt Drehbuchautor Allan Heinberg die (bis heute) gängigen Rollenmuster einfach um und beweist, wie einfach das Publikum eine Frau als tonangebende Action-Ikone und den Mann an ihrer Seite als Augenweide und Jungfrau in Nöten akzeptiert. Dass das so außergewöhnlich wirkt, sagt mehr über unser Hier und Jetzt aus, als über die Zeit, in der dieser Film spielt.

Bei der Action setzt Patty Jenkins auf eine weitestgehend gelungene Mischung aus echten und computergenerierten, aus be- und entschleunigten Bildern, in denen Diana ihre tödlichen Pirouetten dreht. Das ist meist wohl dosiert und dadurch besser konsumierbar als die sinnfreien Materialschlachten ihrer männlichen Kollegen. Was hingegen stört, ist die unterschiedliche Tonalität des Films. Denn der gelungene Humor samt gewitzter alternativer Geschichtsschreibung findet sich nur im Mittelteil. Der Auftakt, der Dianas Herkunft vermittelt, ist nicht nur unfreiwillig komisch, sondern ähnlich pathetisch und humorlos wie der Schluss. Hier hätte man sich – nicht zuletzt angesichts des dem Subgenre inhärenten überzogenen Umgangs mit historischen Stoffen – etwas mehr Augenzwinkern gewünscht.

Fazit: "Wonder Woman" bringt die vom Marvel-Universum vorgelebte Leichtigkeit nun endlich auch ins DC-Universum. Gal Gadot kann ebenso mühelos mit ihren männlichen Kollegen mithalten wie Regisseurin Patty Jenkins, die sich für weitere Actionfilme empfiehlt. Einem gelungenen Mittelteil stehen ein durchwachsener Anfang und ein etwas zu pathetisches Ende entgegen. Damit ist "Wonder Woman" aber immer deutlich besser als so manche Superheldenkonkurrenz.




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