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'Easy Money' - Auf der Jagd nach schnellem Geld
'Easy Money' - Auf der Jagd nach schnellem Geld
© Senator Film

Kritik: Easy Money (2009)


Schneller Reichtum ist das Ziel des Studenten JW (Joel Kinnaman). Er stammt aus einfachen Verhältnissen und finanziert sich seinen aufwändigen Lebensstil, indem er für den Araber Abdulkarim nachts in Stockholm illegal Taxi fährt. Aber schon bald will er genügend Geld haben, um mit den Oberen der Gesellschaft mithalten zu können. Vom schnellen Geld träumt ebenso der Dealer Jorge (Matias Padin Varela), der gerade aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und sich nach einem letzten Coup nach Südamerika absetzen will. Er will ein besseres Leben – für sich und seine schwangere Schwester. Leichtes Geld für ein anderes Leben braucht auch der serbische Killer Mrado (Dragomir Mrsic), der im Auftrag des Mafiabosses Radovan Jorge aus dem Weg räumen soll. Aber Mrado ist mit dem neuen Kurs seines Bosses nicht einverstanden, sondern will mit seiner kleinen Tochter Lovisa nach Serbien zurückgehen. Ein spektakuläres Drogengeschäft führt die drei Hauptfiguren des gelungenen schwedischen Thrillers „Easy Money“ nun zusammen: Abdulkarim plant den größten Kokainschmuggel von Deutschland nach Schweden, der jemals stattgefunden hat. Jorge stellt den Kontakt nach Deutschland her, JW soll dafür sorgen, dass das Drogengeld gewaschen wird - und Mrado plant einen Überfall auf die Lieferung.

Immer enger ziehen sich im Verlauf des Films die Handlungsstränge zusammen, die Regisseur Daniél Espinosa und Drehbuchautorin Maria Karlsson kunstvoll aufgebaut haben. Am Anfang des Films stehen scheinbar lose Fäden, deren verbindende Knoten im weiteren Verlauf nach und nach enthüllt werden. Die mitunter wacklige Handkamera und schnelle Schnitte sorgen für viel Rasanz, stets bleibt die Kamera aber eng an den Protagonisten. Die Bildgestaltung zeichnet jedes Milieu mit eigenen Farben und einem charakteristischen Stil, so dass die unterschiedlichen Biographien der Hauptfiguren allein durch filmische Mittel deutlich werden. Zugleich rücken im Verlauf des Films die biographischen Verschiedenheiten der drei Protagonisten zusehends in den Hintergrund. Denn in der Gegenwart müssen sie vergleichbare Opfer bringen und schmerzhafte Erkenntnisse machen. Außerdem werden sie alle vom gleichen Motor angetrieben: das titelgebende leichte Geld.

Die drei Hauptrollen sind ausnahmslos gut besetzt. Matias Padin Varela gelingt als Jorge der Spagat zwischen abgebrühtem Drogendealer und sorgendem Bruder, Dragomir Mrsic bringt mühelos Mrados Mischung aus Stärke, Wut und Herz auf die Leinwand. Joel Kinnaman überzeugt als gutaussehender, aalglatter Student, der immer tiefer in den Sog des Verbrechens gezogen wird – und die Lektion lernen muss, dass es immer nur ums Geld geht. Insbesondere in der Schluss-Szene wird seine Wandlung offenbar, nun scheint der ehrgeizige, aber unbedarfte Aufsteiger in ihm verschwunden zu sein. „Easy Money“ ist der erste Teil einer Triologie und mit diesem Ende macht der Film – trotz der abgeschlossenen Handlung – neugierig auf die Fortsetzung. Denn dass JW eine Zukunft haben wird, ist unübersehbar.

Dieser Stockholm-Noir ist eine wohltuende Ausnahme inmitten der skandinavischen Thriller mit depressiven Kommissaren und dem sonstigen Einheitsbrei. Hier gibt es keine Ganovenehre, Freundschaft oder Vertrauen, sondern jeder ist schlicht auf seinen eigenen Vorteil bedacht und Verrat ist an der Tagesordnung. Mit seinem Realismus erinnert „Easy Money“ in den besten Momenten an die großartige Fernsehserie „The Wire“ – auch wenn hier Polizisten kaum eine Rolle spielen. Daher verwundert es wenig, dass Warner Bros. bereits ein Remake mit Zac Efron in der Hauptrolle plant.

Fazit: „Easy Money“ ist ein empfehlenswerter Thriller aus Schweden, der spannend unterhält und mit einem fulminanten Showdown aufwartet.





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