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Kritik: Komm und sieh (1985)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Komm und sieh", der letzte Film von Sowjet-Regisseur Elem Klimow, ist harter Tobak: Wenige Kriegsfilme schaffen es, die Gräuel, den absoluten Wahnsinn, die unerträgliche Unmenschlichkeit von Krieg derart eindrücklich, aber auch realistisch einzufangen. Im Krieg regieren niederste Instinkte, Menschen werden zu Tieren und das Böse wird zum beiläufigen Charakter jeder Handlung, als ob es etwa das Normalste und Banalste der Welt wäre, Menschen abzuschlachten. Diese kalte, berechnende Abartigkeit ist Triebfeder des Handelns der deutschen Besatzer, während die Partisanen vom Mut der Verzweiflung getrieben werden, ihre Heimat zu verteidigen. Fatal aber auch: Der junge Florja ist verblendet von jugendlicher Abenteuerlust und seiner eigenen Hybris, seiner Naivität, die ihm den Zug in den Krieg als gar heldenhafte und aufregende Tat erscheinen lässt. Diese Illusion zerschellt innerhalb kürzester Zeit mit den Einschlägen erster Bomben und entstellt so Krieg als das, was er ist: sinnlos.

Klimow teilt "Komm und sieht" dabei in 2 Teile: Im ersten zieht der Protagonist in den Krieg, trifft die junge Glascha und ist trotz erster Verstörungen noch guten Mutes, das Richtige getan zu haben. Darauf folgt eine erste Schockphase, in der Florjas zuvor übermütiger Geist zeitweise dem Wahnsinn verfällt, ein akuter Überlegenskampf und die Fluchtodyssee beginnt, der Junge aber (seelisch) noch in Kontakt mit seinem "alten Leben" ist. Teil 2 ist totale Trostlosigkeit, tragisches Trauma ohne Ende und Ausweg, das einen jungen Mann zeigt, der - offenbar innerlich Jahrzehnte gealtert - jede menschliche Regung verloren hat, abgestumpft ist, innerlich gestorben ist. Lobend erwähnen muss man hier Darsteller Alexei Krawtschenko, beim Dreh selbst gerade 16 Jahre alt, der eine schier unglaubliche Meisterleistung abliefert und die Leiden des jungen Florja so glaubwürdig und eindrücklich verkörpert.

Wenngleich der Film auf den ersten Blick (und gerade bei der alten, nicht restaurierten Fassung) mitunter "alt" und etwas aus der Zeit gefallen erscheint, ist "Komm uns sieht" ein in seiner Ästhetik doch höchst moderner Film, der wie sein US-amerikanisches Pendant "Apocalypse Now" mit teils surrealistischen Stilmitteln operiert, um die Gräuel des Krieges umso wirkkräftiger einzufangen. Vor allem im ersten Teil setzt Klimow (wie auch Kollege Coppola) auf dröhnende Soundkulissen, die die bedrohliche Atmosphäre einzufangen vermögen - wenngleich er insgesamt doch vielmehr dem filmischen Realismus verpflichtet bleibt. Das manifestiert sich auch in immer wieder eingesetzten POV-Perspektiven und Handkamera-Einstellungen, die zudem Vergleiche zu "1917" erlauben und das Gefühl von Direktheit und "Intimität" weiter steigern.

Fazit: Ein erschütternder Trip in menschliche Abgründe, der alle dunklen Seiten der "Bestie Mensch" abbildet und einen desillusioniert und ernüchtert zurücklässt: Jede Hoffnung verloren, jede Menschlichkeit entwichen, pures Überleben und Leid und Terror, die sich in die Gesichter, Körper, Psychen der Betroffenen einschreiben, und vielleicht nie wieder entschwinden werden. "Komm und sieht" ist Paradebeispiel eines Anti-Kriegsfilms, der jeden Heldenpathos im Kern erstickt und den großen Klassikern des Genres (vielfach aus den USA) um nichts nachsteht.




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