VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Die Männer der Emden
Die Männer der Emden
© Kinostar

Kritik: Die Männer der Emden (2012)


Die Soldaten des kleinen Kreuzers „Emden“, die letzten Gentlemen des Krieges! So die Fachpresse nachdem bekannt wurde, wie Männer der kaiserlichen deutschen Marine mit ihren Gefangenen umgingen. Was für eine Auszeichnung, mitten in den barbarischen Weiten des Ersten Weltkriegs. Doch nun die "Männer der Emden" zermürbt, erschöpft und von der langen Odyssee vom indischen Ozean über die Wüsten Arabiens bis in die Türkei gezeichnet.
Unter der Führung ihres Kapitänleutnants Hellmuth von Mücke befinden sich die Soldaten irgendwo in Arabien, im Niemandsland der unendlichen Wüste, als zwei Kameraden miteinander sprechen. Von einem englischen Offizier, der die arabischen Länder nach und nach unter seine Kontrolle bringt, so heißt es, sprechen sie: Sein Name: T.E. Lawrence.
Die Parallelen sind offenkundig, die hier gezogen werden sollen. David Leans Klassiker „Lawrence von Arabien“ hatte genau diesen englischen Offizier zum Thema seines großen Abenteuerepos gemacht, der für drei Monate in Arabien stationiert wurde. Und genau wie Leans Überwerk ist auch Pfahls Film nicht nur Abenteuer-, sondern auch Kriegsfilm. Einer der Gründe, warum sich „Die Männer der Emden“ ins Mittelmaß deutscher TV-Produktionen verabschiedet.

Mit Sebastian Blomberg als Darsteller von Hauptfigur Hellmuth von Mücke scheint Regisseur Pfahl alles richtig gemacht zu haben. Auf den Spuren von Pete O'Tool gibt der deutsche Darsteller alles, um seiner Figur genug Ausdruck, wie Profil zu verleihen. Zwischen Zweifel, Gehorsam und Treueschwur entstehen Abgründe und Verzweiflung, Sorgen und Sinnfragen.
Dennoch möchte sich keine existenzielle Not einstellen, denn immer wenn die „Männer der Emden“ in höchster Not sind, kommt die wunderliche Rettung von irgendwoher, ob bei Wasserknappheit auf hoher See oder Beschuss durch feindliche Truppen inmitten der arabischen Wüste.

Die verschiedenen Episoden der langwierigen Odyssee sind fabelhaft in Szene gesetzt, vor allem wenn man bedenkt, wie unterschiedlich die handwerklichen Herausforderungen für eine Szene in der Wüste oder auf hoher See sind. Doch auch hier lässt Regisseur Berengar Pfahl den nötigen Biss vermissen. Kaum kommt mal Tempo auf, kaum einmal zerreißt die Dramatik um die Soldaten die Diskrepanz zwischen Leinwand und Zuschauer. Die Szenen sind mitunter hübsch anzusehen, verleihen der umso wichtigeren Materie aber keinen Ausdruck. Für schnell eingestreute Sinnfragen ist sich der Film zwar keineswegs zu Schade. Dann darf Offizier Karl Overbeck im Schützengraben einen Wutanfall bekommen und nach dem Grund für das Krepieren hier im Nirgendwo fragen. Aber diese Fragen werden, aus nicht nachvollziehbaren Gründen, nicht weiter aufgenommen, während auch die Figuren nicht über einen oberflächlichen stereotypen Charakter hinauskommen.

Fazit: „Die Männer von Emden“ versteht sich zwar als emotionaler Abenteuerfilm, enthält aber auch Elemente des Kriegsfilms, während das Drama um die Soldaten und ihre 13.000 Kilometer lange Odyssee nicht präzise genug ausgearbeitet wird.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.