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Die Vermessung der Welt - Plakat
Die Vermessung der Welt - Plakat
© Warner Bros.

Kritik: Die Vermessung der Welt (2011)


Mit der Verfilmung von Daniel Kehlmanns Bestseller "Die Vermessung der Welt" haben sich Detlev Buck und Claus Boje sehr viel vorgenommen. Der Roman ist indirekt erzählt, darüber hinaus gibt es nur wenig äußere Handlung und ein Großteil des Witzes entsteht durch den persiflierten Stil eines Bildungsromans.
Mit seinem Film wollte Detlev Buck daher vor allem ein sinnliches Erleben schaffen, indem er vergangene Faszinationen mithilfe der 3D-Technik zu neuem Leben verhilft. Untermalt von der guten Musik entstehen insbesondere bei Humboldts Entdeckungsreisen einige gute Bilder, die überzeugend in die Tiefe gehen. Leider fehlt dem Handlungsstrang um Gauß dieses sinnliche Erleben. Während Humboldt die Welt in ihrer Dreidimensionalität erkundet, bereist Gauß die Welt in seinem Kopf und in der Fläche. Für ihn ist Mathematik die Formel, die Welt zu erkunden.
Gerade der bisweilen theaterhafte Inszenierung, mit der Humboldts Entdeckungsreise nachvollzogen wird, hätte Detlev Buck etwas entgegensetzen können, indem er größeres Augenmerk auf Gauß‘ Perspektive richtet. Doch die Gegensätze dieser Entdeckerwege werden auch visuell nicht herausgearbeitet. Dadurch wird die ohnehin kaum vorhandene Verknüpfung der gegensätzlichen Lebensläufe von Humboldt und Gauß zusätzlich erschwert, so dass die jeweiligen Erzählstränge letztlich parallel verlaufen – ohne sich in der Endlichkeit der Filmminuten wirklich zu treffen.

Den Erzählton des Romans adaptiert der Film zum einen mithilfe des Erzählers Daniel Kehlmann, der die einzelnen Abschnitte des Films aus dem Off kommentiert, ein- und überleitet. Das ist gerade zu Beginn und Ende des Films komisch, leider aber vertraut das Drehbuch insbesondere im Mittelteil nicht auf die Subtilität der Anspielungen, Wortspielereien und Situationen, sondern setzt auf mitunter slapstickartige Unterhaltung. Übertriebene Gesten – vor allem bei dem von Albrecht Abraham Schuch gespielten Alexander von Humboldt – ziehen die Figuren bisweilen übertrieben ins Lächerliche, dabei wäre insbesondere bei den auf den ersten Blick unsinnig anmutenden Versuchen und Ansichten von Humboldt mehr Ernsthaftigkeit notwendig gewesen. So ist es bereits komisch, dass er mit Frack und Hut durch Südamerika wandert, daher wäre eine zusätzliche Überzeichnung der Gesten nicht notwendig gewesen.

Erst am Ende findet der Film dann seinen Ton. Hier kommt es zu einem wunderbaren Gespräch zwischen Humboldt und Gauß, in dem sie ihrer Leidenschaft in Worten Ausdruck verleihen, die von den Schauspielern gut unterstützt werden. Leider gibt es von solchen Szenen nur wenige in diesem trotz aller Kritikpunkte unterhaltsamen Film.

Fazit: Es gibt in "Die Vermessung der Welt" schöne Szenen mit verstiegenem Humor. Insgesamt aber vermag die opulente Inszenierung über die Schwächen in der Erzählung nicht hinwegtäuschen. Und gerade angesichts der Vorlage und dem Talent aller Beteiligten wäre hier sehr viel mehr möglich gewesen.




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