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Friedhof der Kuscheltiere
Friedhof der Kuscheltiere
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Friedhof der Kuscheltiere (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Machen Sie sich bereit auf schockierendes Kino, dessen Intensität und Bösartigkeit noch lange nachwirken werden." Diese vollmundigen Worte tauchten in der Einladung zu den Pressevorführungen von "Friedhof der Kuscheltiere" auf und jubelten den nach dem gleichnamigen Stephen-King-Roman entstandenen Gruselthriller zum Horror-Ereignis des Jahres 2019 hoch. Tatsächlich legt das eingespielte Regie-Duo Kevin Kölsch und Dennis Widmyer ("Starry Eyes – Träume erfordern Opfer") aber bloß einen höchst durchwachsenen Schauerstreifen vor, dem es ähnlich wie der 1989 veröffentlichten Erstverfilmung von Mary Lambert nicht gelingt, die in der Geschichte präsenten Themen – Trauer und Schuld – in all ihrer Wucht auf die Leinwand zu transportieren. Das Remake mag besser aussehen und überzeugender gespielt sein, verliert sich allerdings zu häufig in vordergründigen, aufdringlichen Geisterbahneffekten.

Im Mittelpunkt der Handlung steht der Arzt Louis Creed (Jason Clarke), der mit seiner Ehefrau Rachel (Amy Seimetz) und ihren gemeinsamen Kindern Ellie (Jeté Laurence) und Gage (Hugo und Lucas Lavoie) vom hektischen Boston in die von tiefen Wäldern umgebene Kleinstadt Ludlow zieht. Ruhe findet die Familie in ihrem neuen Umfeld jedoch nur kurz. Eines Tages wird die vor allem von Ellie geliebte Katze Church – kurz für Winston Churchill – auf der vor dem Haus liegenden Schnellstraße überfahren. Und Louis sieht sich gezwungen, den Vierbeiner ohne das Wissen seiner Tochter zu beerdigen. Unerwartete Hilfe erhält er bei seinem Unterfangen vom kauzigen Nachbarn Jud Crandall (John Lithgow), der den Arzt auf den hinter dem Anwesen befindlichen Tierfriedhof begleitet, um ihm dann den Weg zu einer alten Ureinwohner-Begräbnisstätte zu zeigen, wo Louis den Kater schließlich einbuddelt. Als Church nur wenig später putzmunter, wenn auch wesensverändert, zurückkehrt, nimmt das Unheil seinen Lauf.

Dass Kölsch und Widmyer vor allem auf plakativen Schrecken setzen, ist schon früh offensichtlich. Kinder, die in einer Prozession unter dumpfen Trommelschlägen zum Tierfriedhof ziehen, tragen gruselige Masken und sehen damit aus wie Mitglieder einer bizarren Sekte. Louis‘ Begegnungen mit dem Geist eines verunglückten Studenten (Obssa Ahmed) sind in recht konventionelle Albtraumbilder gekleidet. Und Rachels Kindheitstrauma wird von Anfang an – und leider ermüdend oft – für reißerische Schocks genutzt, ohne dass sich die psychologische Komponente entfalten könnte. Ab und an zaubern die Regisseure durchaus packend-eindringliche Momente – etwa einen tragischen Zwischenfall im Mittelteil – aus dem Hut. Das Schicksal der Figuren und das Auseinanderbrechen der Familie reißt den Betrachter aber nicht kontinuierlich mit, da die emotionalen Akzente der Romanvorlage in Jeff Buhlers Drehbuch lediglich gestreift werden.

Verglichen mit dem schon recht wahnwitzigen Finale der ersten Leinwandadaption legt die Zweitverfilmung auf der Zielgeraden noch ein paar Schippen drauf. Die blutigen Eskalationen sind gewiss nichts für schwache Nerven, bleiben in ihrer Wirkung aber doch etwas beschränkt, weil die Grenze zur unfreiwilligen Komik mehr als einmal überschritten wird. Zugutehalten muss man Kölsch, Widmyer und Buhler, dass sie Kings Geschichte nicht einfach eins zu eins nacherzählen, sondern einige markante Änderungen vornehmen, mit denen man sich arrangieren kann.

Fazit: Überzeugend gespielter, allerdings zu sehr an der Oberfläche bleibender Horrorthriller, der leider nur selten subtile Gruseltechniken einsetzt.




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