VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Ich darf nicht schlafen
Ich darf nicht schlafen
© Splendid Film

Kritik: Ich darf nicht schlafen (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Brite Rowan Joffe ist ein versierter Regisseur und Drehbuchautor. Er war unter anderem am Skript des grandiosen Zombie-Schockers "28 Weeks Later" (2007) beteiligt und hatte zuletzt den grundsoliden Neo-Noir "Brighton Rock" (2010) geschrieben und inszeniert. Nun tritt er mit "Ich. Darf. Nicht. Schlafen." erneut als Autor und Regisseur in Personalunion in Erscheinung. Der Psychothriller ist die filmische Adaption von S.J. Watsons gleichnamigen Erfolgsroman. Die Grundidee erinnert an "Memento" (2000), ist jedoch wesentlich zugänglicher, als Christopher Nolans experimentelles Meisterwerk.

Konnte der Hauptdarsteller bei Nolan sich neue Informationen nur wenige Minuten lang merken, bleibt Christine Lucas immerhin ein ganzer Tag. Trotzdem ist es für sie kein Vergnügen jeden Morgen erneut aufzuwachen, ohne zu wissen, wer sie ist und wer neben ihr liegt. Nicole Kidman gelingt es auf beeindruckende Weise das Leid und die Unsicherheit dieser fragilen Figur sichtbar zu machen. Ihr an die Seite gestellt sind zwei Männer, die sehr fürsorglich und zugleich trotzdem nicht vollkommen vertrauenswürdig erscheinen. Vielleicht liegt es nur an der Paranoia, die Christine angesichts ihrer Lage erfasst. Vielleicht wird der wehrlosen Frau jedoch tatsächlich übel mitgespielt.

Das ist die hochspannende Situation, die den Zuschauer mit Christine mitfiebern lässt. Kühl-realistisch wird das Geschehen von dem Filmemacher Rowan Joffe eingefangen. Nicole Kidmans eindringliches Spiel verleiht dem Film einen Grad der Glaubwürdigkeit, der einen über so manches Plotloch gnädig hinwegsehen lässt. Colin Firth ist perfekt besetzt als Christines Ehemann, da man den Mimen sowohl als unbescholtenen Strahlemann, als auch als zwielichte Persönlichkeit kennt. In Atom Ergoyans hervorragendem Neo-Noir "Wahre Lügen" (2005) verkörperte Firth als Entertainer Vince sogar beide Pole in einer Person. Auch in "Ich. Darf. Nicht. Schlafen." weiß man nicht, was man von ihm zu halten hat. Ähnliches gilt für Mark Strong ("Dame, König, As, Spion") als Dr. Nash. Dieser Psychiater wirkt sehr gradlinig, er könnte jedoch auch ein zielbewusster Verbrecher sein.

Leider verliert der Film gegen Ende an Glaubwürdigkeit. Das ist jedoch zu verschmerzen, da die stetig zunehmende Spannung zugleich kräftig den Adrenalinspiegel hochpeitscht. Das anfängliche melancholische Kammerspiel verwandelt sich immer stärker in einen in Blut und Wahnsinn getränkten Reißer, was nicht die schlechteste Sache ist. Allerdings verspielt der gelungene Psychothriller zu guter Letzt doch noch einige Sympathiepunkte, indem er an den fulminanten Höhepunkt ein unpassend kitschiges Ende anhängt. Letzteres hätte man sich besser sparen sollen, obwohl es bereits im Roman enthalten ist.

Fazit: "Ich. Darf. Nicht. Schlafen." ist ein gelungener Reißer, um eine Frau mit fatalem Kurzzeitgedächtnis. Nur das kitschige Ende wäre nicht nötig gewesen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.