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Kritik: Sing Your Song (2011)


Hierzulande ist Harry Belafonte vor allem als Entertainer, Sänger und Schauspieler bekannt, dagegen wissen nur wenige, dass der Sänger des "Banana Boat Song" sich seit Jahrzehnten für verschiedene Bürgerrechts- und Freiheitsbewegungen engagiert. In ihrer unterhaltsamen Dokumentation "Sing Your Song" zeichnet die Regisseurin Susanne Rostock nun sein Leben und sein Wirken nach.

Geboren in Harlem und aufgewachsen in Jamaika, lernte Harry Belafonte in seiner Kindheit Armut und harte Arbeit kennen. Er wollte Schauspieler werden und studierte daher in New York mit Tony Curtis, Marlon Brando und Walter Matthau. Dort entdeckte er auch seine Leidenschaft für die Musik, anfangs Jazz, später vor allem karibische Folksongs und Calypso. Mit dieser Musik – und seinem Hüftschwung – feierte er in den 1950er Jahren seinen Durchbruch und erhielt sogar eine eigene Fernsehsendung. Immer wieder begegnete er Diskriminierungen. Sein Auftritt mit Petula Clark sollte nicht gesendet werden, weil sie bei einem gemeinsamen Song seinen Arm berührt – und Berührungen zwischen Schwarzen und Weißen waren zu dieser Zeit im Fernsehen verboten. In einer anderen Sendung tanzten schwarze und weiße Kinder gemeinsam, deshalb sollte auch sie nicht ausgestrahlt werden. Den Höhepunkt der rassistischen Anfeindungen erlebte Harry Belafonte schließlich, als er mit Julie Robinson eine Weiße heiratete.

Doch er nahm diese Ungerechtigkeiten nicht still hin. Er rebellierte, indem er in Las Vegas einfach in einen für Afro-Amerikaner verbotenen Pool sprang, vor allem aber unterstützte er Martin Luther King, den er im Jahr 1956 kennenlernte. Allein die Beteiligung Belafontes und anderer Prominenter brachte den Aktionen der Bürgerrechtsbewegung viel Aufmerksamkeit ein. Aber Belafonte ging noch weiter: Gemeinsam mit Sidney Poitier brachte er unter Lebensgefahr Geld nach Mississippi, um die Kampagne zur Registrierung von afroamerikanischen Wählern zu unterstützen. Seither hat sein Engagement nicht nachgelassen: Er kämpft für die amerikanischen Ur-Einwohner, gegen Apartheid und Hungersnöte in Afrika, außerdem unterstützt er Projekte in den Ghettos von Los Angeles. Denn längst hat er erkannt, dass Diskriminierung weiterhin ein großes Problem in den USA ist.

In einer gelungenen Montage aus Archivmaterial, Filmausschnitten und Auftritten zeichnet Susanne Rostock die wichtigsten Stationen und Ereignisse im Leben von Harry Belafonte nach. Zweifellos ist er ein beeindruckender Mann, allerdings werden in der von ihm mitproduzierten Dokumentation kritische Töne weitgehend ausgespart. Seine Abwesenheit als Ehemann und Vater klingen allenfalls in den Kommentaren seiner Frauen und Kinder an – am ehesten noch in den Bemerkungen seines Sohnes. Aber von diesen Tönen abseits der gesellschaftspolitischen Lobpreisungen hätte der Film noch mehr vertragen können. Sie machen deutlich, dass ein solches Leben seinen Preis hat. Darüber hinaus wirkt "Sing Your Song" gerade zum Ende hin eher wie eine Aufzählung des Engagements von Harry Belafonte, der dadurch fast wie ein Heilsbringer inszeniert wird. Und das wäre nicht nötig gewesen, da Harry Belafonte gerade mit seinen Fehlern ein beeindruckender Mensch ist.

Fazit: "Sing Your Song" ist eine unterhaltsame und aufschlussreiche Hommage an Harry Belafonte, die von einem mitreißenden Leben erzählt.





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