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Kritik: Bombay Beach (2010)


Weiße Strände, Wassersport und sich amüsierende Menschen. Bunte Werbefilmchen aus den fünfziger Jahren zeigen ein Paradies. Schnitt. Auf der Leinwand erscheint eine öde Landschaft, halb im Wüstensand vergrabene Autowracks, Fischkadaver am Strand eines scheinbar toten Sees - eine post-apokalyptische Landschaft. Dies sind die ersten zwei Minuten von "Bombay Beach". Ein Film über das Scheitern des American Dream.

Alma Ha'rel portraitiert in ihrem Dokumentarfilmdebüt den äußeren Rand der amerikanischen Gesellschaft. Sie begleitet drei Bewohner von Bombay Beach bei ihrem Leben, in einer tristen, lebensfeindlichen Umgebung.
So das Urgestein Red, der sich mit dem Schmuggel von steuerfreien Zigaretten aus einem Indianerreservat etwas dazuverdient. Seine raue Stimme aus dem Off erzählt von seinem Leben, seinen Träumen. Er bezeichnet sich selbst als Rumtreiber: „Manchmal frage ich mich, woher ich meine nächste Mahlzeit kriege. So war das mein ganzes Leben … Aber ich habe es definitiv genossen." Trotz seines hohen Alters ist er ein „Self-made-man" und glücklich nach einem Schlaganfall wieder zu seiner durch Armut und Alkoholsucht geprägten Community von Slab City zurückkehren zu können.
CeeJay ist vor den Bandenkriegen in Los Angeles geflohen. Mitten in der trostlosen Landschaft am Saltonsee hat er bessere Chancen aufs College zu kommen als in den Gettos der kalifornischen Metropole. Aber der Film zeigt auch seine Probleme sich als Schwarzer in einer fast ausschließlich von Weißen dominierten Gemeinschaft zu behaupten.
Und dann ist da noch Benny, das jüngste Kind der Familie Parrish. Seine Verhaltensauffälligkeit wurde als bipolare Störung diagnostiziert und mit Unmengen Medikamenten behandelt, darunter Ritalin und Lithium. Dass sein auffälliges Verhalten eine Folge von ADHS sein könnte, kam erst nach öffentlichen Vorführungen von „Bombay Beach" auf. In dieser Dokumentation werden nicht nur Einblicke in die Gedankenwelt eines ungewöhnlichen Jungen gegeben, sondern auch in das Gesundheitssystem Amerikas, einem Land in dem jedes vierte Kind regelmäßig Medikamente einnimmt.

Alma Ha'rel begleitet diese Menschen unaufdringlich und lässt sie selber erzählen. Mit inszenierten Tanzszenen und Choreografien gestalten die Protagonisten den Film mit. Die Mischung aus Dokumentation und Musical ist hier auf eine einmalige Art und Weise gelungen. Aufnahmen von seltsam anmutendem Leben vor endzeitromantischem Hintergrund gepaart mit der Musik von Bob Dylan und Beirut machen diesen Film einzigartig und sehenswert.

Fazit: Mit diesem Documusical ist Alma Ha'rel ein einzigartiges Werk gelungen. Es ist ein Portrait von Menschen in prekärer Lebenslage, die sich die Freude am Leben nicht nehmen lassen. Die künstlerische Gestaltung und beeindruckende Aufnahmen machen diesen Film auf jeden Fall sehenswert.




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