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Kritik: Swans (2011)


Der 1974 geborene portugiesische Regisseur Hugo Vieira da Silva legt mit "Swans" nach "Body Rice" seinen zweiten abendfüllenden Spielfilm. Die Geschichte hat der seit mehreren Jahren in Berlin und Wien lebende da Silva in seinem ersten Jahr in Berlin geschrieben, nach eigener Aussage ist für ihn nun auch der fertige Film, passenderweise im Forum der Berlinale 2011 erstaufgeführt, unausflöslich mit Berlin verbunden.
Zu sehen bekommen die Zuschauer allerdings neben einem Krankenhaus hauptsächlich heruntergekommene Stadtviertel, Hochhäuser, Skate-Pipes und Jugendliche in HipHop-Tracht, wie man sie überall in Deutschland finden könnte. Einen eindeutigen Hinweis auf den Drehort Berlin liefert allenfalls der Blick aus den mit dem Brandenburger-Tor bedruckten S-Bahn Fenstern.
Und so ist die von da Silva empfundene unauflösliche Verbindung des Films mit Berlin vermutlich vor allem autobiographischer Natur: Im Drehbuch verarbeitete da Silva seine Erfahrungen mit einer Ex-Freundin, die just in seinem ersten Jahr in Berlin ins Koma gefallen war. Die Story dreht sich nun um einen Mann,der aus Portugal nach Berlin reist, um dort im Krankenhaus seine im Koma liegende Ex-Freundin zu besuchen. Im schlepptau hat er seinen pubertierenden Sohn Manuel, dessen Mutter die komatöse ist. Da Manuel allerdings keinerlei Erinnerungen an seine Mutter hat, ist ihm auch deren Erkrankung herzlich egal. Gelangweilt stöbert er durch die Wohnung der Kranken, fährt Skateboard und lässt sich, zum Ärger seines Vaters, nur selten im Krankenhaus blicken. Und die wenigen Male, die er auftaucht, beschäftigt er sich hauptsächlich damit fasziniert die lebende Tote an so ziemlich allen Stellen ihres Körpers zu berühren - eine etwas merkwürdige Eigenart, die er allerdings mit seinem Vater und den Krankenpflegerinnen teilt.
Mehr passiert dann leider auch nicht. Musik wird eher spärlich eingesetzt, Dialoge gibt es auch nicht wirklich viele - und davon wirken die meisten - abgesehen von jenen zwischen dem von Ralph Herforth gespielten Vater und dem Sohn, gespielt von Kai Hillebrand - leider mehr oder weniger stark gestellt und unglaubwürdig. Eine Identifizierung ist so allenfalls mit dem Vater möglich - schon der Sohn Manuel bleibt weitgehend unverständlich. Das Ende kommt dann schließlich recht abrut, aus dem Blauen heraus - es hätte genauso gut eine halbe Stunde früher oder später kommen können.
Optisch ist das Ganze leider ähnlich unspannend wie die Story: Es überwiegen lange statische Einstellung in gedämpften Farben.
Doch auch wenn es jetzt so klingt: Es ist nicht alles schlecht an "Swans". Aus jenen Szenen die den Vater im Krankenhaus zeigen, die seinen Schock bebildern angesichts eines ihm gut bekannten Körpers der nunmehr nur noch ein Haufen seelenloses Fleisch ist; und seine Weigerung zu akzeptieren, dass die regelmäßig gewaschene, gelegentlich noch reflexhaft zuckende Hülle tatsächlich leer und zu keiner menschlichen Reaktion mehr fähig ist, hätte man einen durchaus brauchbaren Kurzfilm drehen können. In seiner jetztigen Form aber hinterlässt der Film am Ende das schale Gefühl, dass man hier versucht hat einen guten 20-minüter auf abendfüllende Länge auszudehnen.

Fazit: Zu lang, zu statisch, zu blass, zu wenig Handlung - weniger wäre mehr gewesen.




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