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Der siebte Sohn
Der siebte Sohn
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Seventh Son (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Treten im Kampf Gut gegen Böse zwei versierte Hollywood-Größen wie Jeff Bridges und Julianne Moore gegeneinander an und wird dieser Kampf zudem von einem zweifach Oscar-nominierten Regisseur in Szene gesetzt, darf man Spektakuläres erwarten. "Seventh Son" von Sergey Bodrov erweist sich jedoch als ein überwiegend reizloser Formelfilm, der seine Stars schauspielerisch unterfordert und dessen 3D-Bilder kaum nachwirken.

Der Fantasy-Abenteuerfilm basiert lose auf dem ersten Band von Joseph Delaneys Young-Adult-Romanreihe "Spook". Zwar wurde der komplexe Weltentwurf des britischen Schriftstellers für die Kinoleinwand deutlich simplifiziert – dennoch mutet die Umsetzung von Anbeginn ziemlich hektisch an. Allzu rasch werden Mutter Malkin, Gregory und schließlich Tom eingeführt. "Ihr müsst mir die Dinge erklären", fordert der Schüler seinen mürrischen Meister an späterer Stelle auf – und bekommt als Entgegnung nur die Worte: "Keine Zeit!" So ergeht es leider auch all jenen Zuschauer_innen, die sich tiefere Einblicke in die Figuren und ihr Umfeld wünschen: Neben waghalsigen Klippensprüngen, schweren Gefechten gegen Boggarts, CGI-Drachen, -Bären, -Panther und andere Kreaturen ist in dem 100-minütigen Film für eine sorgfältige Exposition, feine Beobachtungen am Rande oder eine Entfaltung der Charaktere und ihrer Beziehungen zueinander wohl einfach kein Platz mehr geblieben. Die State-of-the-Art-Tricktechnik sorgt in den zahlreichen Actionsequenzen unbestreitbar für Schauwerte – gleichwohl hebt sich "Seventh Son" in der Gestaltung seiner fantastischen Wesen und seiner mittelalterlich-märchenhaften Landschaften nicht von den vielen artverwandten Werken im Fantasy-Bereich ab. Auch der Bombast-Sound ist reine Genre-Routine.

Dass Julianne Moore in einer Popcorn-Unterhaltungsproduktion wie dieser nicht der mimische Entfaltungsspielraum zugestanden wird wie etwa in ihrem Oscar-Erfolg "Still Alice", ist ganz selbstverständlich. Eine bessere Arbeitsgrundlage als das Drehbuch zu "Seventh Son" hätten ihr die Autoren aber trotzdem schaffen können. Mutter Malkin darf bedauerlicherweise nur wenig Innenleben offenbaren. Zwar wird die Blutkuchen verspeisende Schurkin mit einer oberflächlich angerissenen Backstory ausgestattet; diese ist jedoch lediglich ein ärgerliches Klischee und als Motivation für Zerstörung und Landesherrschaft reichlich albern. Der Gothic-Witch-Chic steht Moore indes ganz ausgezeichnet.

Für Jeff Bridges hält das Skript ein paar witzige Sprüche bereit. Ihm fehlt allerdings ein ebenbürtiges Gegenüber, das diesem Witz etwas entgegenzusetzen hätte. Ben Barnes (bekannt als Prinz Kaspian aus dem zweiten und dritten Teil der "Chroniken von Narnia"-Reihe) bleibt als Held blass. Sämtlichen Coming-of-Age-Erlebnissen der Figur fehlt dadurch die emotionale Spannung: Weder die notwendige Trennung des jungen Mannes von seinen Eltern noch die anfänglichen Schwierigkeiten als Geisterjäger können beim Betrachten Anteilnahme auslösen. Die Romanze mit Alice – die durchaus über "Romeo und Julia"-Potenzial verfügt – plätschert so dahin. Hier wären hemmungsloser Kitsch oder ernsthafte Dramatik gewiss die interessanteren Erzählweisen gewesen.

Fazit: Die hochkarätig besetzte, actionbetonte Jugendliteraturadaption entwickelt weder formal noch inhaltlich eine eigene Identität. Spannung, Komik oder Romantik kommen zu selten auf.





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