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Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen
Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen
© farbfilm verleih © 24 Bilder

Kritik: Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen (2011)


"Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen" beruht auf dem autobiografischen Roman "Confession of a child of the century" des Franzosen Alfred de Musset (1810-1857), in dem dieser seine unglückliche Liebe zur Schriftstellerin George Sand niederschrieb. Der Film zeigt den Skandalrocker Pete Doherty bei seinem Leinwanddebüt. Wer wenn nicht Doherty eignet sich besser zur Darstellung eines jungen Mannes, der sich durch sein ausschweifendes Leben langsam aber sicher selbst zerstört? Mit Charlotte Gainsbourg und August Diehl verfügt "Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen" über weitere namhafte Darsteller. Leider gelingt es der Regisseurin Sylvie Verheyde - trotz der exquisiten Besetzung und schwelgerischer Bilder - nicht, mit ihrem Film vollends zu überzeugen. Dafür lässt einen die bittere Liebesgeschichte, die im Zentrum des Films steht, schlichtweg zu kalt.

Regisseurin Verheyde sieht man die Leidenschaft für ihr Thema und für die Zeit, in der ihr Film spielt, in jeder Einstellung an. "Bekenntnis eines jungen Zeitgenossen" vermittelt dank authentischer Kostüme und Kulissen einen realitätsnahen, glaubwürdigen Eindruck vom Leben in Frankreich des frühen 19. Jahrhunderts. Darüber hinaus durchweht die Bilder stets ein Hauch von Melancholie und Wehmut, der sehr gut zur dramatischen Geschichte des Films mit seinen unglücklich verliebten Protagonisten passt und sich gelungen in das insgesamt stimmungsvolle Gesellschaftsporträt einfügt. Auch darstellerisch ist der Film keine Enttäuschung.

Pete Doherty meistert sein Kino-Debüt ohne große Aussetzer, dank seiner eigenen Biografie nimmt man ihm den Lebemann mit selbstzerstörerischem, dekadentem Lebensstil ab. August Diehl liefert wie gewohnt eine souveräne Darstellung. Seine Figur des Desgenais - ein hemmungsloser Zyniker, dem nichts wichtiger ist als seine geliebten Opernarien - ist sympathisch und abstoßend zugleich. Zu spät merkt Octave, dass ihm die Gesellschaft von Desgenais nicht gut bekommt. Und zu Letzt erhält auch Charlotte Gainsbourg genügend Raum zur Entfaltung ihrer komplexen Figur, der Witwe Brigitte. Dies dankt sie Regisseurin Verheyde mit einer gefühlvollen Performance.

Das Problem ist, dass die Chemie zwischen Doherty und Gainsbourg auf der Leinwand einfach nicht stimmen mag. Beiden nimmt man die innige Liebesgeschichte nicht wirklich ab, ihre Figuren bleiben sich seltsam fremd und ihre Beziehung wirkt eher wie ein Fremdkörper im Film. Jedoch kommt dieser Beziehung im Film eine tragende Rolle zu, sodass der gesamt Film unter der Dominanz dieses Handlungsstrangs leidet.

Ungewohnt dürften für einige Zuschauer zudem die zum Teil extrem schwülstigen Dialoge erscheinen. Dies ist dem Umstand geschuldet, dass Regisseurin Verheyde sehr nahe an der literarischen Vorlage bleibt. Die meisten Dialoge stammen daher von de Musset selbst, also aus dem frühen 19. Jahrhundert. Vielleicht hätte sich Verheyde an dieser Stelle mehr von der Vorlage entfernen und die Dialoge weniger geschwollen und theatralisch gestalten sollen.

Fazit: Kunstvoll bebildertes, opulent ausgestattetes Sittengemälde mit guten Darstellern, zwischen denen jedoch die Chemie zu keinem Zeitpunkt stimmt.




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