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Kritik: Blade Runner 2049 (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

35 Jahre nach dem ersten Teil, kommt nun doch noch eine Fortsetzung des legendären Science-Fiction-Originals, in die Kinos. Dabei war "Blade Runner" 1982 alles andere als ein Kassenerfolg. Erst im VHS-Home-Entertainment-Bereich und im Laufe der Jahre, entstand der Kult um den visuell bahnbrechenden Film. Der Regisseur des Erstlings, Ridley Scott, fungiert bei "Blade Runner 2049" als ausführender Produzent. Die Regie übernahm mit Denis Villeneuve einer der aktuell begehrtesten und erfolgreichsten Regisseure der Welt. Mit düsteren Werken wie "Prisoners", "Enemy" oder auch "Arrival", erarbeitete er sich einen Ruf als begnadeter Geschichtenerzähler mit einem ausgeprägten Hang zu außergewöhnlicher Optik. "Blade Runner 2049" wurde u.a. auf Island und in Spanien gedreht. Die Innenaufnahmen entstanden in den Korda Studios im ungarischen Etyek.

Fast niemand hätte es im Vorfeld für möglich gehalten, aber "Blade Runner 2049" gelingt das Kunststück, qualitativ tatsächlich auf einer Stufe mit dem Original zu stehen. Dies liegt in erster Linie an jenen gelungenen Elementen und Bestandteilen des Films, die schon "Blade Runner" so visionär und einflussreich machten. Da ist zum einen die hochatmosphärische, stylische Cyperpunk-Optik, die den Film in einen neonfarbenen, sinnlichen Fiebertraum verwandelt.

Visuell ist der Film nicht ganz so düster und dunkel gehalten wie "Blade Runner", vielmehr bestimmen oftmals leuchtende, mit hoher Strahlkraft ausgestattete Farben die Szenerie. Gerade in den Szenen, die in den engen, dreckigen Gassen des futuristischen Metropolen-Molochs L.A., angesiedelt sind. Dort bevölkern mindestens ebensolche abseitige gesellschaftliche Randfiguren und obskure Gestalten die Straßen: diebische Händler, undurchschaubare Prostituierte, halbseidene Kriminelle. Trotz der neonfarbenen Werbetafeln und dem hohen Anteil an holografischer Reklame, kommt so eine Stimmung des beständig Bedrohlichen und Beklemmenden, auf.

Äußerst atmosphärisch kommt auch der teils enorm wuchtige, zeitgemäße Soundtrack, der u.a. von Hans Zimmer stammt, daher. Die musikalische Untermalung des Films ist nicht einfach nur eine Kopie der synthetischen, expressiven Klänge, die der Grieche Vangelis einst für das Original erdachte. Nein, der Score wird hier – ebenso wie die Handlung – konsequent weitergedacht. Heißt: alles klingt eine Spur moderner, kraftvoller und an heutige Hörgewohnheiten angepasst.

Stark ist auch, dass Regisseur Villeneuve aktuelle Themen und Fragen rund um die globale Flüchtlingskrise sowie die EU-Migrationspolitik, unterschwellig in seinen Film einbaut. So sind etwa die im Film immer wieder den Replikanten entgegengebrachten Ressentiments und rassistischen Verhaltensweisen, eine Anspielung darauf, wie bisweilen auch hierzulande dem "Fremden" begegnet wird. Weitere Leitgedanken und Inhalte, die Villeneuve u.a. anklingen lässt: die Sexualität zwischen Mensch und Maschine, die Gesellschaft der (nicht allzu fernen) Zukunft sowie philosophische Gedankenspiele rund um die Frage danach, was Künstliche Intelligenz ausmacht und einen Menschen eigentlich zum Menschen werden lässt.

Fazit: Optisch berauschende, stimmungsvolle sowie aktuelle gesellschaftspolitische Fragen mit einbeziehende Fortsetzung, die den Vergleich mit dem bahnbrechenden Original nicht scheuen muss.




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